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Speiseraum wird zum Ratssaal

Königsbrück investiert eine halbe Million Euro in die Grundschule in Stenz. Darauf soll nun mit einer ungewöhnlichen Aktion aufmerksam gemacht werden.

06.10.2017
Von Nicole Preuß

m wird zum Ratssaal
Der neue Speisesaal der Grundschule in Königsbrück ist fast fertig. Er entspannt die Essenssituation deutlich und kann auch als Aula genutzt werden.

© René Plaul

Königsbrück. Die Wände sind schon gestrichen, die Ausgabeküche ist gefliest und die Fußbodenleger sind bei der Arbeit. Die Stadt Königsbrück will in den nächsten Tagen die Arbeiten im neuen Speisesaal der Grundschule abschließen. Die Kinder sollen dann nach den Herbstferien zum ersten Mal im neuen Anbau essen können. Das war zunächst anders geplant. „Wir hatten eigentlich gesagt, dass wir nach den Sommerferien fertig werden wollen. Aber dieser Zeitplan war schon sehr sportlich“, sagt Bürgermeister Heiko Driesnack (CDU). Die Baustelle stand zwar zwischendurch nie lange still. „Aber viele Materialien mussten erst bestellt werden. Niemand legt sich mehr einen Vorrat an“, sagt die Leiterin des Bereichs Finanzen und Bauen im Rathaus, Anke Mocker. Und da ein Gewerk auf das andere aufbaut, war dann die Gefahr groß, dass es nicht weitergeht mit dem Bau. Die ist nun gebannt.

Die Kinder und vor allem die Lehrer der Schule warten schon lange auf den Moment. Sie aßen bisher in einem kleinen Nebengebäude, das Eltern noch zu DDR-Zeiten in einer gemeinsamen Aktion errichtet hatten. Der Platz war aber schon immer knapp. Zuletzt mussten die Kinder der Grundschule in einem ausgeklügelten Schichtsystem essen, damit jeder einen Platz fand. „Wir hätten auch das Dach machen müssen“, sagt der Bürgermeister. Der neue Anbau mit dem Speisesaal entspannt diese Situation. 70 bis 80 Kinder finden in dem neuen Raum Platz. Die Schule kann zudem zu größeren Elternversammlungen oder auch zu Festen im Haus einladen. Der Speiseraum soll auch als eine Art Aula genutzt werden. So einen Raum gab es in der Stenzer Schule bisher noch nicht.

Die Stadt hat schon zu DDR-Zeiten und auch nach der Wiedervereinigung immer wieder die alte Schule erweitert. Der neue Anbau nimmt den Platz ein, der auf dem Gelände am Rand der Stadt noch übrig war. Mehr Bauflächen gibt es nun aber nicht mehr. Deshalb wurde das Dach des eingeschossigen Flachbaus so statisch berechnet, dass irgendwann auch noch mal aufgesattelt werden könnte. Der Platz auf dem Dach würde für ein Klassenzimmer reichen. „Bisher ist das nicht geplant“, sagt Heiko Driesnack. Es sei aber gut, dass das theoretisch möglich sei. Die Fläche soll aber auch ohne weiteres Klassenzimmer genutzt werden. Deshalb hat die Stadt eine Dachterrasse eingerichtet. Dort können die Kinder unter Aufsicht ihre Pausen verbringen oder auch im Freien lernen.

Die Kosten von einer halben Million Euro hatten in der Vergangenheit immer wieder zu Diskussionen im Stadtrat geführt. Der Planer hatte nämlich zunächst mit deutlich weniger Geld gerechnet. „Das war aber erst mal nur eine grobe Schätzung für die Beantragung der Fördermittel. Von der Planung bis zum Startschuss vergehen nicht selten zwei bis drei Jahre. Da ist es klar, dass die Zahlen auseinanderfallen“, sagt Heiko Driesnack. 86 000 Euro übernimmt die Stadt selbst, der Rest stammt aus verschiedenen Fördertöpfen. „Insgesamt sind die Kosten im Rahmen geblieben“, schätzt der Bürgermeister ein.

Er will den Stadträten nun das Ergebnis vorstellen und lädt sie deshalb zur nächsten Sitzung am Dienstag nach den Ferien in den Speisesaal ein. „Dann kann man sich das alles besser vorstellen“, sagt er. Die Bauleute müssen sich sputen.