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Freitag, 21.04.2017

Spargelbauern gegen Folien-Verbot

Sie sind überhaupt nicht begeistert von dem Vorschlag der Grünen, auf die Wärmefolien zu verzichten.

Von Jörg Richter

Martin Ibisch (vorn) zeigt Liviu Leizeriuk, einem seiner neuen rumänischen Erntehelfer, wie Spargel richtig gestochen wird, ohne die Pflanze und den Damm zu beschädigen. Deutlich ist auf den hinteren Spargeldämmen die schwarze Folie zu sehen. Grünen-Politiker würden sie am liebsten abschaffen.
Martin Ibisch (vorn) zeigt Liviu Leizeriuk, einem seiner neuen rumänischen Erntehelfer, wie Spargel richtig gestochen wird, ohne die Pflanze und den Damm zu beschädigen. Deutlich ist auf den hinteren Spargeldämmen die schwarze Folie zu sehen. Grünen-Politiker würden sie am liebsten abschaffen.

© Kristin Richter

Blattersleben/Ponickau. Martin Ibisch blickt gespannt über das neue Spargelfeld zwischen Blattersleben und Strießen. „Auf dieser Anlage stechen wir zum ersten Mal. Da freu ich mich ganz besonders drauf“, sagt der Geschäftsführer des Obsthof Ibisch. Denn jetzt zeige sich, was die Arbeit der letzten beiden Jahre gebracht hat. Zwei Sommer muss man den Spargel wachsen lassen. Erst ab dem dritten Jahr kann er geerntet werden. In den folgenden sieben Frühjahren wird das Edelgemüse gestochen. Manchmal auch ein, zwei Jahre länger. „Aber da muss man sehen, dass der Spargel nicht zu holzig wird“, so Ibisch.

Traditionell endet die Spargelsaison am 24. Juni. Seit zwei Wochen sind in Blattersleben die rumänischen und ukrainischen Spargelstecher bei der Arbeit. Wenn die Witterung günstig ist, erntet der Obsthof Ibisch pro Tag 600 bis 1 000 Kilogramm des Edelgemüses. Mit 3,5 Hektar zählen die Blatterslebener zu den kleineren Spargelbauern. „Aber Spargel gehört zu unserem vielfältigen Angebot an Gemüse und Obst“, sagt Martin Ibisch. Gerade als Saisongemüse ist es bei den Kunden beliebt und für Gemüsehändler zurzeit unverzichtbar.

Möglich machen das auch die schwarz-weißen Folien, die über die Spargeldämme gelegt werden. In den kühleren Erntewochen (wie zurzeit) liegt die schwarze Seite oben, um den Damm zu wärmen. In der heißeren Erntephase soll die weiße Seite den Damm vorm Austrocknen schützen. „Ohne die Folien würden wir nur die Hälfte des Spargels ernten“, sagt Martin Ibisch. Deshalb ist der 30-Jährige von der Nachricht, die Folien auf Spargelfeldern abzuschaffen, überhaupt nicht begeistert. „So ein Quatsch ärgert mich“, sagt er.

Diese Idee kommt aus Brandenburg. Die dortige Landtagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen hatte Ende März den Antrag gestellt, den Einsatz von Folien auf brandenburgischen Spargelfeldern von 90 Prozent auf zehn Prozent zu reduzieren. Auch die sächsischen Grünen unterstützen den Vorstoß ihrer Parteifreunde im Potsdamer Landtag. „Spargelanbau hinterlässt zu viel Plaste-Müll“, kritisiert Wolfram Günther, der agrarpolitische Sprecher von Bündnis90/Die Grünen im sächsischen Landtag.

Sonst später im Gemüserega

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Nicht nur bei Ibischs in Blattersleben, sondern auch auf dem Spargelhof Ponickau sieht man das vermeintliche Folien-Verbot kritisch. „Die Folien sind wichtig, um den Spargel zu verfrühen“, sagt Juniorchefin Elizabeth Schöne. Ohne sie lege deutscher Spargel erst im Mai in den Regalen. Das sei ein großer Nachteil gegenüber der oft billigen Konkurrenz aus Spanien, Griechenland und Peru. Durch die kürzere Erntezeit würden sich zudem die Preise des einheimischen Spargels deutlich erhöhen. Erst recht für die kleineren Spargelbauern. Mit gerade mal vier Hektar Anbaufläche zählt auch der Spargelhof Ponickau dazu. Elizabeth Schöne widerspricht der Kritik, dass Spargelanbau viel Plaste-Müll erzeugt. „Das kann man ja nicht mit den dünnen Plastiktüten vergleichen, die dann im Meer landen“, sagt die Bachelorin für Gartenbau. Die Spargelfolien würden nach der Erntesaison zusammengerollt und könnten im Folgejahr wieder verwendet werden. Etwa sieben bis acht Jahre.

Das bestätigt auch Martin Ibisch. Im Normalfall würden die Folien so lange verwendet, wie ein Damm Ertrag bringt. Folien, die mechanisch angehoben bzw. gewendet werden, könnten allerdings auch mal eher reißen, gibt er zu. Allerdings nicht in Blattersleben. Hier wird das noch per Hand gemacht. Auf größeren Spargelfeldern sind diese mechanischen Folienwender dagegen unverzichtbar.

In Sachsen bauen 19 Betriebe das Edelgemüse auf insgesamt rund 254 Hektar an. Der Freistaat gehört in Deutschland zu den kleinsten Anbaugebieten für Spargel. Vor allem in den Landkreisen Meißen und Nordsachsen sowie in der Gegend um Bautzen wird das beliebte Stangengemüse gezogen. (mit dpa)