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Mittwoch, 06.08.2014

Sozialarbeiterin wirft NPD-Mitglieder aus Asylbewerberheim

Ein Tross von acht Personen hat das Niederpoyritzer Gustavheim besucht. Weit sind sie dabei nicht gekommen.

Unangemeldeten Besuch gibt es im Asylbewerberheim an der Pillnitzer Landstraße normalerweise nicht. Umso auffälliger war die achtköpfige Männergruppe, die am Mittwoch vergangener Woche gegen 14.30 Uhr das Gelände des Gustavheims betrat. Die Männer, zumeist in dunkle Anzüge gekleidet, sollen in den Innenhof gekommen sein und sich dabei auffällig umgeschaut haben. Lediglich einer ergriff das Wort, als er von einem Hausmeister angesprochen wurde: Holger Szymanski, Chef der NPD-Landtagsfraktion.

Nach Aussage von Sozialamtschefin Susanne Cordts soll er angegeben haben, im Auftrag des Innenausschusses des Landtags tätig zu sein und die Ergebnisse des Heim-TÜVs vor Ort kontrollieren zu wollen. Er und die Männer sollen zudem Namensschilder mit dem Wappen des Sächsischen Landtages getragen haben. Daraufhin ließ der Hausmeister sie in das Gebäude. Eine Sozialarbeiterin stellte die Männer jedoch schon nach wenigen Metern zur Rede. Als sie Szymanski als NPD-Mitglied erkannte, wies sie ihn und die anderen an, das Privatgelände zu verlassen. Laut Cordts taten das die Männer auch, drohten der Sozialarbeiterin jedoch mit einem „Nachspiel“.

Im Gustavheim leben derzeit 100 Asylsuchende, die überwiegend aus Marokko, Tunesien, Serbien und Mazedonien stammen. Zu einem Kontakt zwischen ihnen und den NPD-Leuten sei es nicht gekommen. Im Nachgang der Ereignisse hat sich herausgestellt, dass die NPD-Mitglieder nicht nur in Dresden, sondern auch in Asylbewerberheimen in Bautzen und Kamenz unterwegs waren. Dabei wollten sie sich laut Szymanski nach dem Heim-TÜV ein eigenes Bild von den Bedingungen vor Ort machen (die SZ berichtete).

Landtagspräsident Matthias Rößler hat Szymanski und seine Begleiter daraufhin unter anderem wegen Amtsanmaßung und dem Missbrauch von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen bei der Staatsanwaltschaft Dresden angezeigt. Diesen Schritt begrüßt die Stadt Dresden. (SZ/jr)