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Freitag, 02.03.2018

Sorgen und ein neuer Rekord

Die Zittauer Schmalspurbahn kämpft mit dem Preisanstieg bei Kohle und verkündet das nächste Fahrgäste-Hoch.

Von Thomas Mielke

Nicht nur Kinder staunen, wenn das Boahnl vorbeidampft. Doch die Kohle, die es dafür braucht, wird ständig teurer. Das macht der Betreiberfirma Sorgen.
Nicht nur Kinder staunen, wenn das Boahnl vorbeidampft. Doch die Kohle, die es dafür braucht, wird ständig teurer. Das macht der Betreiberfirma Sorgen.

© Matthias Weber

Zittau. Es sieht schön aus, wenn das Boahnl durch die Landschaft zwischen Zittau und den Gebirgsorten dampft. Nicht umsonst sind die historischen Züge und ihre Rauchwolken ein äußerst beliebtes Fotomotiv, für das Menschen bis aus vielen Ecken der Welt anreisen. Doch die Fahrten unter Volldampf sind teuer. Nicht umsonst nimmt der Bahnbetreiber Soeg seit 16 Jahren einen Dampfzuschlag, wenn es mit heißem Kessel Richtung Oybin und Jonsdorf geht. Zuletzt ist der Preis für die polnische Steinkohle, mit der die meisten Dampf-Kleinbahnen in Sachsen angetrieben werden, wieder deutlich gestiegen. Ein Umstieg auf andere Anbieter, der untersucht wurde, ist aus verschiedenen Gründen verworfen worden. Nun denken die ersten Kleinbahn-Betreiber über Preiserhöhungen nach. Zum Beispiel die der Weißeritztalbahn, die zwischen Freital-Hainsberg und Kipsdorf verkehrt. Auch die Soeg. „Die Kosten der Steinkohle aus dem polnischen Oberschlesien haben sich ständig erhöht“, teilte Uwe Jachmann von der Soeg auf SZ-Anfrage mit. „In den letzten 15 Jahren ist der Nettopreis von 107 auf 227 Euro pro Tonne angestiegen.“ Allein von 2017 auf 2018 habe die Steigerung 20 Euro pro Tonne, also etwa zehn Prozent betragen. Die Soeg hat bereits reagiert und Gegenmaßnahmen eingeleitet. „Wir haben mittlerweile eine „kohlefressende“ Neubaudampflok aus DDR-Zeiten abgestellt“, so Jachmann. „Deren Rost wurde für die Verwendung von Braunkohlenbrikett ausgelegt und verbrauchte daher besonders viel Kohle.“ Diese Lok wurde durch eine historische aus den 1930er Jahren ersetzt, die für Steinkohle konzipiert war. „Des Weiteren rüsten wir nach und nach alle Lokkessel mit einer Isolation aus, welche nicht nur dem Qualm minimiert, sondern auch den Kohleverbrauch“, so der Soeg-Mitarbeiter. „Von den eingesetzten vier Lokomotiven haben bereits zwei diese Isolation.“ Dadurch werden rund 20 Prozent der Kohle eingespart. Bis 2022 werden alle Loks auf diese Art isoliert werden. „Dennoch werden wir um eine mäßige Fahrpreisanhebung in den nächsten Jahren nicht herum-kommen“, so Jachmann.

Für die Anziehungskraft der Schmalspurbahn wird ein moderat höherer Preis sehr wahrscheinlich keine negativen Folgen haben. Als vor 16 Jahren der Dampfbahn-Zuschlag – der rund 200 Prozent des normalen Ticketpreises betrug – eingeführt wurde, prophezeiten nicht wenige das Aus fürs Boahnl. Das Gegenteil ist eingetreten: Die Fahrgastzahlen sind Jahr für Jahr gestiegen und erreichten ein Nachwende-Hoch nach dem anderen. Erst vor ein paar Wochen konnte Soeg-Chef Ingo Neidhardt den nächsten Rekord mit rund 210 000 Fahrgästen für das Jahr 2017 verkünden. Nicht umsonst ist der Bahnbetreiber kurz darauf zum Zittauer Unternehmen des Jahres 2017 gekürt worden. Und nun verkündet der Boahnl-Chef schon den nächsten Rekord, zu dem auch das gute Abschneiden der Bimmelbahn beigetragen hat: „Mit 1,107 Millionen Fahrgästen im Jahr 2017 gelang den Betreibern von Sachsens Schmalspurbahnen ein neuer Nachfragerekord“, teilte Neidhardt, der das Marketingnetzwerk der Bahnen „Dampfbahnroute Sachsen“ erdacht hat und leitet, mit. Der Freistaat bedankte sich auf seine Weise: Künftig wird Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) die Schirmherrschaft über die „Dampfbahnroute“ übernehmen.