erweiterte Suche
Mittwoch, 14.02.2018

Sonniges Dreckwetter

Blauer Himmel pur – doch die Winterluft ist voller Partikel. In Radebeul-Wahnsdorf wird das für Sachsen gemessen.

Von Peter Redlich

Bild 1 von 3

Chemielaborant Martin Walter kontrolliert in der Messstelle in Radebeul-Wahnsdorf die Filter mit dem Feinstaub aus der täglichen Luft.
Chemielaborant Martin Walter kontrolliert in der Messstelle in Radebeul-Wahnsdorf die Filter mit dem Feinstaub aus der täglichen Luft.

© Arvid Müller

  • Chemielaborant Martin Walter kontrolliert in der Messstelle in Radebeul-Wahnsdorf die Filter mit dem Feinstaub aus der täglichen Luft.
    Chemielaborant Martin Walter kontrolliert in der Messstelle in Radebeul-Wahnsdorf die Filter mit dem Feinstaub aus der täglichen Luft.
  • Im diesem Foto sind die Filter selbst zu sehen – deutlich wird, wie unterschiedlich stark die Belastung mit Dreck aus der Luft ist.
    Im diesem Foto sind die Filter selbst zu sehen – deutlich wird, wie unterschiedlich stark die Belastung mit Dreck aus der Luft ist.

Elbland. Er ist wieder da, der Winterfeinstaub. Emissionen aus Straßenverkehr, Heizung und Industrie treiben Konzentrationen bis in die Kammlagen des Erzgebirges in die Höhe. Wie das Landesumweltamt Sachsen (LfULG) gerade mitteilte, ist der Tagesgrenzwert für Feinstaub vorm Wochenende an 19 von 21 Feinstaubmessstationen überschritten worden. Nur die Stationen Carlsfeld (48 Mikrogramm pro Kubikmeter) und Schwartenberg (49 Mikrogramm pro Kubikmeter) blieben knapp darunter. Der höchste Wert wurde in Görlitz mit 96 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Der EU-weite Tagesgrenzwert für Feinstaub mit der Fachbezeichnung PM10 beträgt 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Er darf an maximal 35 Tagen pro Kalenderjahr überschritten werden.

Kurzzeitig ist die Luft mit Niederschlag am Sonntag und Montag gereinigt worden. Aber es geht mit dem Staub und Dreck schon wieder aufwärts – obwohl die Sonne uns schönstes Winterwetter vorgaukelt.

Es gibt solche Tage, da ist richtig zu sehen, wie eine Wolke mit Ostwind den Staub über Dresden und ins Umland bringt. Andrea Hausmann spricht über Luftqualität. Sie ist in Sachsen die Frau, die sich am besten mit der Luftreinheit oder Luftverschmutzung auskennt. Sie ist Referatsleiterin Luftqualität im Landesumweltamt.

Die Fachfrau zeigt auf Diagramme und Kurven, die letztlich das zeigen, was wir in den letzten zehn Jahren eingeatmet haben. In Radebeul-Wahnsdorf werden dafür tagtäglich die Fakten gesammelt. Der markante Turmbau am Rande des Ortsteils ist die Zentrale, in der aus insgesamt 29 Messstationen Sachsens die Werte zusammengetragen werden. Im Labor stehen Behälter mit Filtern, darauf sind Aufkleber worauf Zwickau, Plauen, Görlitz, Niesky oder Dresden Schlesischer Platz zu lesen ist. Jeder Filter ist die Sammlung von Staubpartikeln von einem Tag. Mal sind die Filter fast noch weiß, mal tiefgrau.

Jetzt, im Winter, wenn kalte Luftmassen am Boden sind und oft wenig Wind geht, sind die Filter dunkler, erläutert Holm Kühne. Er ist der Verantwortliche für die Immissionsmessung in Sachsen. Im Labor werden die Filter gewogen, die Werte übernimmt der Computer.

Beispielsweise vom 25. und 26. Januar, zwei Tage mit Hochdruckwetter und Wind. Die Aufzeichnungen zeigen deutlich, an solchen Tagen sind wir in Radebeul oder in Dresden für den Dreck in der Luft selbst verantwortlich. Im Diagramm ist zu sehen wie die Kurven vormittags zwischen 8 und 11 Uhr für die Feinstaubbelastung ansteigen. Typisch für Autoverkehr. Am Samstagabend nimmt die Kurve nochmals Fahrt nach oben auf, bis fast auf Mitternacht. „Das sind die Heizungen und vor allem Kamine“, sagt Andrea Hausmann.

Eine weitere Grafik belegt, wie die Zahl der Wohlfühlwärmequellen in Einfamilienhäusern – im Fachbegriff Kleinfeuerungsanlagen – vor allem seit 2005 gehörig zugenommen hat. Die 300 in Sachsen verantwortlichen Schornsteinfeger haben ihre Werte aus den Kehrbüchern elektronisch eingetragen. Andrea Hausmann: „Auch die Anteile der belastenden Stoffe können wir erkennen. Dazu gehört beispielsweise der krebsfördernde Stoff BaP, Benzo(a)pyren, ein polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoff, der mit der Kaminfeuerung in der Luft zunimmt.“

Tage mit Regen und kräftigem Westwind, weil der vom Meer kommt und sauberer ist, sind im Dresdner Tal bis nach Meißen und Riesa immer mal wieder willkommen. Dann gibt es hier die sauberste Luft. Auch die Elbe, über der zumeist ein frisches Lüftchen weht, trägt zum Abtransport belasteter Luftmassen bei. Nicht zuletzt auch die Elbhänge. Kalte und meist auch saubere Luft aus den höheren Lagen, wie eben aus Wahnsdorf oder dem Schönfelder Hochland, sackt nach unten und sorgt für einen erfrischenden Ausgleich.

Die Luftqualitätsexpertin nennt Leipzig als Vergleich, wo diese Wechselwirkungen nicht so gegeben sind und die Luft meist belasteter ist als etwa in Dresden. Dort wirkt sich auch der Verkehr stärker als in Dresden aus. Eine Umweltzone, so belegen aufwendige Messungen, hat in der Messestadt erhebliche Verbesserungen gebracht – und auch geholfen, teure EU-Sanktionen bisher abzuwenden.

Viele dieser Werte laufen in Wahnsdorf zusammen. Ein ganzes Jahrzehnt in Grafiken hat Andrea Hausmann vor sich liegen. Sie zeigen zum einen, immer dann wenn wir Ostwind haben kommt der Dreck aus Kohleheizungen aus Osteuropa zu uns. Die Belastungen vom Autoverkehr machen dann oft nur noch ein Fünftel der Gesamtluftbelastung aus. Glücklicherweise haben wir im Elbland öfter den Wind aus West. Und Kohleöfen gibt es bei uns nur noch vereinzelt.

Eine Grafik zeigt deutlich, wie die Tagesgrenzwerte beim Feinstaub von 2011 bis 2017 wieder deutlich abnehmen. Auch bei Blei, Arsen und Nickel sowie Cadmium geht es abwärts. Lediglich die giftigen BaP-Konzentrationen sind weiter auf hohem Niveau – der Stoff aus dem Holz. Der Wohlstand und die Kamine, sagt Andrea Hausmann. Das bestätigen auch die Kurven von Winter und Sommer. In der warmen Jahreszeit erreichen die Feinstaubmittelwerte im Maximum etwa 25 Mikrogramm je Kubikmeter, im Winter sind es bis zu 35 Mikrogramm.

Am Wochenende soll es Regen und Schnee geben. Vielleicht wird die Luft dann gewaschen.