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Mittwoch, 03.01.2018

Songtitel war Motiv für Brandanschlag

Drei Molotow-Cocktails hat ein Dresdner im Juli 2017 gegen die Luther-Kirche geworfen. Damit wollte er sich rächen.

Von Christoph Springer

Die Martin-Luther-Kirche in der Dresdner Neustadt.
Die Martin-Luther-Kirche in der Dresdner Neustadt.

© SZ/Thomas Lehmann

Daniel J. wollte die Martin-Luther-Kirche am 27. Juli 2017 nicht wirklich brennen sehen. Das hat der 41-Jährige am Dienstag vor Gericht gesagt. Dennoch ist er in jener Nacht mit drei Molotow-Cocktails zu der Kirche in der Neustadt gegangen, hat die Brandsätze angezündet und gegen die Kirche geworfen. Das würde ihm helfen, Mitglied bei der Mittelalter-Band Rabenschrey zu werden, war der Dresdner damals überzeugt. Denn in einem Titel singt die Gruppe: „Hurra, hurra, die Kirche brennt“. An diesen Titel dachte J. damals, als er die Brandflaschen gegen die Kirche schleuderte. Sie trafen unter anderem die große Holztür am Haupteingang, eine Scheibe ging zu Bruch. Ein Brand brach aber nicht aus. Der Sachschaden betrug 1 000 Euro.

Für seine Attacke gegen die Luther-Kirche muss sich J. seit Dienstag vor Gericht verantworten. Der 41-Jährige ist krank, er leidet an einer bipolaren Störung. Seit er zwei Tage nach der Tat in seiner Wohnung festgenommen worden ist, lebt er in der psychiatrischen Klinik in Arnsdorf im Maßregelvollzug. Seine Krankheit, die ihn zwischen Euphorie und Depression schwanken lässt, macht ihn schuldunfähig. Er war aber klar und bei Sinnen, als er in jener Nacht die Brandsätze gegen die Kirche geworfen hat. Deshalb wird nun gegen ihn verhandelt. Das Gericht unter Vorsitz von Christian Linhardt muss klären, ob J. dauerhaft im Maßregelvollzug bleiben muss.

Im Amtsgericht wollte der 41-Jährige am Dienstag zunächst nichts sagen. Später gestand er die Tat und erklärte sie unter anderem mit dem Verlust einer Gitarre in der Kirche. Einige Zeit vor dem Brandanschlag war er in das Gotteshaus eingebrochen. Draußen regnete es, J. suchte ein Dach über dem Kopf. Danach hat er seine lädierte Gitarre stehenlassen. Als er sie vom Pfarrer zurückforderte, bekam er sie nicht. Später kam als Tatmotiv das Ziel hinzu, Bandmitglied bei Rabenschrey zu werden.

Was dran ist an der Gitarren-Geschichte, will das Gericht bis zum 31. Januar klären. Am 9. Januar soll unter anderem der Pfarrer der Martin-Luther-Kirche als Zeuge vernommen werden. Ein Brandermittler der Polizei soll erläutern, ob wirklich die Gefahr bestand, dass ein Feuer ausbricht. Auch die damaligen Mitbewohner des 41-Jährigen sind zu diesem Termin geladen.

Dass J. im Juli so schnell gefasst werden konnte, ist wahrscheinlich unter anderem ihnen zu verdanken. Sie haben laut Aussage eines Polizisten berichtet, dass J. in jener Nacht noch einmal losgezogen ist. Was er geplant hatte, wussten sie damals aber noch nicht.

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