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Donnerstag, 07.12.2017

So wenig Verkehrstote wie nie

Technische Sicherungssysteme bei Fahrzeugen und eine bessere medizinische Versorgung: Immer weniger Menschen sterben im Straßenverkehr. Fachleute sehen trotzdem Handlungsbedarf.

Von Ira Schaible

© Armin Weigel/dpa (Symbolfoto)

Wiesbaden. Deutschland steuert 2017 auf ein Rekordtief bei der Zahl der Verkehrstoten zu. Das Statistische Bundesamt schätzt, dass die Zahl der Toten auf deutschen Straßen bis zum Jahresende erneut sinkt, auf etwa 3 170. Das wäre ein Prozent weniger als 2016 und die niedrigste erfasste Zahl seit Bestehen der Bundesrepublik.

Die am Donnerstag in Wiesbaden veröffentlichte Prognose basiert auf den Zahlen der ersten neun Monate. Bei den Verletzten ist auch mit einem Minus zu rechnen - von etwa zwei Prozent auf rund 390 000 Menschen.

Mit mehr als 21 300 Verkehrstoten sei 1970 der „traurige Rekord“ erreicht worden, sagte eine Sprecherin der Behörde. Seither sei die Tendenz rückläufig - mit Schwankungen. Als Gründe nennen die Statistiker unter anderem technische Sicherungssysteme und eine bessere medizinische Versorgung.

Bei den erfassten Unfällen gehen die Statistiker dagegen von einem Rekord aus. Sie rechnen mit mehr als 2,6 Millionen Unfällen bis zum Jahresende. Das wäre etwa ein Prozent mehr als 2016. Dabei wird die Zahl der Unfälle mit Verletzten und/oder Toten jedoch schätzungsweise um fast drei Prozent auf 300 000 zurückgehen.

Der Automobilclub ADAC und der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) sehen trotz der positiven Entwicklung noch Handlungsbedarf. Der ADAC fordert, Lastwagen schneller mit effektiven Notbremssystemen auszustatten. Zwar seien von November 2018 an Systeme vorgeschrieben, die das Tempo um 20 Kilometer pro Stunde reduzierten, es ginge aber noch viel mehr, sagte ein ADAC-Sprecher. Außerdem seien auch Notbremssysteme für Kleinwagen und Tote-Winkel-Systeme für Lastwagen wichtig.

Bis zum Ziel, null Verkehrstote zu erreichen, wie es sich etwa Schweden setze, sei es noch ein langer Weg, sagte der Sprecher des VCD-Länderrats, Hans-Christian Friedrichs. Gerade Massenkarambolagen bei Nebel oder Glatteis seien zu verhindern, wenn Straßen vorher gesperrt würden. Dies führe jedoch wohl zu Protesten. Die habe es aber auch bei der Bahn gegeben, als diese Züge wegen Sturms habe stehenlassen. „Aber es hat dann kein Opfer auf der Schiene gegeben.“ (dpa)

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