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Montag, 02.10.2017

So klappt das Miteinander in Dresden

Zum Höhepunkt der Interkulturellen Tage gab es Preise und ein Straßenfest. Aber Flüchtlinge kennen auch Ablehnung.

Von Annechristin Bonß und Christoph Springer

Farbenfroh ging es beim interkulturellen Straßenfest auf dem Jorge-Gomondai-Platz zu. Auch kurdische Frauen präsentierten ihre Kultur.
Farbenfroh ging es beim interkulturellen Straßenfest auf dem Jorge-Gomondai-Platz zu. Auch kurdische Frauen präsentierten ihre Kultur.

© Rene Meinig

Dresden. Tililili schallt es über den Jorge-Gomondai-Platz. Die Frauen schreien fast, immer wieder rollen sie die Zungen, ihre Freudenschreie schallen über den Platz. Sie tragen bunte Gewänder, die farbenfrohen Kleider fliegen. Dazu haben sich die Frauen untergehakt. Laute Musik erklingt. Gemeinsam tanzen sie dazu. Passanten bleiben stehen, klatschen, lachen – die fremde Kultur wird eins mit den Dresdnern, den Touristen, den Passanten.

Die kurdischen Frauen aus dem Verein UTA Frauenrat Dresden haben ihren Stand zum ersten Mal beim interkulturellen Straßenfest aufgebaut. Das findet traditionell während der Interkulturellen Tage statt. 40 Vereine und Institutionen sind in diesem Jahr dabei. Um die 2 000 Besucher schlendern an diesem Nachmittag an den Ständen vorbei. Dabei geht es um das Zusammenkommen unterschiedlicher Kulturen, um das Kennenlernen, das Erzählen aus der Fremde und Akzeptanz, eben weil man sich nun besser kennt.

Am besten geht das über kulinarische Genüsse. Nicht nur bei den kurdischen Frauen, die leicht scharfen Bulgur anbieten. „Sie müssen probieren“, sagt auch Mohammad Ali Noor. Stolz zeigt der 29-Jährige aus Bangladesch auf den farbenfrohen Stand der Gemeinschaft der Menschen aus seinem Land. Dort gibt es Kartoffel- und Teigspeisen. 120 Mitglieder zählt die Gruppe. Viele sind nach Dresden gekommen, um hier zu studieren und zu forschen. Ihre Familien haben sie mitgebracht. Beim Fest wollen sie den Menschen von ihrem Land erzählen. Vom Nationaltier, dem bengalischen Tiger, vom längsten Sandstrand der Welt, vom größten Mangrovenwald und vom friedlichen Miteinander der Religionen. Die meisten der Einwohner Bangladeschs sind Muslime. Trotzdem sind Weihnachten und Ostern Nationalfeiertage.

„Wir sind nur dann ein Teil von Dresden, wenn uns andere akzeptieren“, sagt Mohammad. „Eigentlich fühlen wir uns sicher.“ An der Universität werden er und seine Landsleute gut aufgenommen. Das Zusammensein und -arbeiten der verschiedenen Kulturen klappt dort gut. Skeptische, böse Blicke oder Beleidigungen in der Bahn kennen die Menschen aus der Bangladesch-Gemeinschaft aber auch. „Man sieht es an den Augen, ob wir willkommen sind“, sagt Mohammad. Er spricht an, was viele der Teilnehmer beim Fest bewegt.

Dresden kämpft um seinen Ruf als tolerante und weltoffene Stadt. Pegida und der hohe Wahlerfolg der AfD auch in der Stadt machen es nicht leichter. Oder vielleicht doch? „Wir merken, dass sich der Zuspruch für uns erhöht hat“, sagt Katja Rehor, Koordinatorin der Interkulturellen Tage. Die zählen mit 140 Veranstaltungen in diesem Jahr genauso viele wie 2016. 2015 waren es noch 75. Die Menschen aus aller Welt, die in Dresden leben, wollen sich zeigen, wollen reden und ins Gespräch kommen. Und die Dresdner, die sich darüber freuen, setzen sich für sie ein.

Eine Initiative und eine Firma haben für dieses Engagement am Sonntagnachmittag den Dresdner Integrationspreis 2017 bekommen. Der Hauptpreis ging an das Projekt ABC-Tische des Umweltzentrums, der Anerkennungspreis an das Dresdner Backhaus. Die ABC-Tische des Umweltzentrums sind im Spätsommer 2015 entstanden, als es in den vollen Zelten der Flüchtlingsunterkunft an der Bremer Straße eng und heiß war. Gegenüber öffnete das Umweltzentrum den Äußeren Matthäusfriedhof und stellte Tische auf. Flüchtlinge haben dort mit Zetteln und Stiften erste deutsche Worte aufgeschrieben. Das waren die ersten ABC-Tische, es gibt sie an anderer Stelle heute noch. Neben Sprachvermittlung helfen die ehrenamtlichen Mitarbeiter heute aber unter anderem auch beim Ausfüllen von Formularen oder der Wohnungssuche.

Das Dresdner Backhaus bekam den Preis für seine „unmittelbare und direkte Arbeitsintegration“. 24 der knapp 120 Mitarbeiter sind keine gebürtigen Deutschen, sagte Chefin Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller. Sie stammen unter anderem aus Kasachstan, Syrien, dem Kosovo, Marokko und Tschechien. Alle zeigten bei der Preisverleihung, wie heimisch sie schon geworden sind. Auf ihren Hemden trugen sie stolz Werbung für Dresdner Christstollen.

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