Donnerstag, 03.01.2013

So funktioniert die Überwachung der Lausitzer Wälder

Während die Feuerwehren in der Region 2012 häufig zu Gebäudebränden ausrückten, gab es in den Wäldern kaum Schäden. Das lässt hoffen. Für Entwarnung ist es aber besonders im Raum Weißwasser zu früh.

Von Frank Thümmler

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  • Brennende Reifen in der Gelsdorfhütte löschte die FFW Weißwasser im März 2012 mit Schaum., gelöscht mit Schaum, Feuerwehr Weißwasser, Gelsdorfhütte, 7. März 2012, Foto: Thomas Staudt Foto: Thomas Staudt
    Brennende Reifen in der Gelsdorfhütte löschte die FFW Weißwasser im März 2012 mit Schaum.
  • Am 9. Februar 2011 brannte in Groß Düben eine Werkstatt mit Holzlager und Nebengebäude.
    Am 9. Februar 2011 brannte in Groß Düben eine Werkstatt mit Holzlager und Nebengebäude.
  • So sieht es in der Rettungsleitstelle Hoyerswerda bei der zentralen Waldbrandüberwachung aus. Es gibt drei solcher Arbeitsplätze für Mitarbeiter des Forstbezirks Oberlausitz, auf die jeweils Kameras von vier Feuerwachtürmen geschaltet sind. Die Berufsfeuerwehr Hoyerswerda sichert die Beobachtung der Daten in den Pausen der Forstleute ab.Foto: Uwe Schulz
    So sieht es in der Rettungsleitstelle Hoyerswerda bei der zentralen Waldbrandüberwachung aus. Es gibt drei solcher Arbeitsplätze für Mitarbeiter des Forstbezirks Oberlausitz, auf die jeweils Kameras von vier Feuerwachtürmen geschaltet sind. Die Berufsfeuerwehr Hoyerswerda sichert die Beobachtung der Daten in den Pausen der Forstleute ab.Foto: Uwe Schulz

Kaum eine Nachrichtensendung 2012 ohne Waldbrände. Im Süden Europas, von den Kanaren über Italien, Griechenland und Kroatien bis nach Bulgarien, überall stehen die ausgetrockneten Wälder in Flammen und sind kaum zu löschen. Und bei uns? Das Mittelmeer ist zwar weit weg, aber das Klima erwärmt sich auch hier. Und gefühlt ist die Waldbrandwarnstufe im Sommer fast immer auf der höchsten Stufe vier oder wenigstens der drei. Doch 2012 ist alles anders gewesen. Hans Richter, Chef des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz im Landkreis, sagt: „Diesmal haben wir viel Glück gehabt – die Niederschläge kamen immer genau richtig.“ Und so hat es insbesondere Anfang und Ende des Jahres, wenn die Pflanzen noch verdorrt und die Wiesen graubraun sind, bis auf wenige kleinere Vorfälle nicht gebrannt. „Es gab einmal im Juli drei kritische Tage“, sagt Richter. Aber danach ist das andere Extrem – zu viel Wasser – wieder über die Lausitz gekommen. Und damit ist das Waldbrandrisiko erneut gefallen. Die Folge: Weder mussten die Kameraden der Feuerwehren oft raus, noch musste der Landkreis die teuren Löschhubschrauber buchen. Neben dem so erhalten gebliebenen Wald, der ja einen Geldwert darstellt, haben Kreis und Kommunen auch beim Waldbrandschutz gespart.

Eine Statistik über die Entwicklung der Waldbrandwarnstufen der Region Weißwasser zeigt, dass es keinen signifikanten Anstieg der Brandgefahr gab (siehe Grafik). „In den vergangenen vier Jahren war bei uns die Waldbrände betreffend zum Glück kaum etwas los“, sagt auch Peter Marko, Sachbearbeiter Waldschutz im Kreisforstamt mit Sitz in Weißwasser. Tatsächlich gab es in diesem Zeitraum im gesamten Landkreis lediglich 28 zumeist sehr kleine Waldbrände (betroffene Fläche insgesamt knapp vier Hektar) mit einem Gesamtschaden von lediglich knapp 3000 Euro.

Kreisbrandmeister Peter Eichler führt das auch auf die gute Überwachung und das dadurch mögliche schnelle Eingreifen der Feuerwehren zurück: „Wir sind heute technisch deutlich besser aufgestellt als noch vor ein paar Jahren.“ Bei ausgerufenen Waldbrandwarnstufen drei und vier wird über die Feuerwachtürme überwacht. Vier (Kreba-Neudorf, Rietschen, Horka/Biehain und Weißwasser) sind mit Kameras ausgestattet, deren Bilder seit März 2012 in der Rettungsleitstelle Hoyerswerda zusammenlaufen. Vom fünften Feuerwachturm bei Schleife aus wird manuell überwacht. Bei einem Brand wird der Brandherd angepeilt, die Entfernung gemessen und der festgestellte Punkt durch eine Kreuzpeilung von einem anderen Feuerwachturm bestätigt. „Das hat sich bewährt. Wir haben auf diese Weise sogar schon Brände in Orten gemeldet, bevor die Ortsansässigen etwas gemerkt haben“, sagt Peter Marko. Die Feuerwehren sind dadurch schnell alarmiert und in kurzer Zeit vor Ort. Zusätzlich steht bei den Warnstufen drei und vier ein Hubschrauber für Kontrollflüge zur Verfügung, der auch für die Erstbekämpfung von Bränden ausgerüstet ist. All das konzentriert sich auf den Landkreisnorden. Ab Boxberg, Rietschen und Krauschwitz ist die Region vom Staatsbetrieb Sachsenforst als „Gebiet mit hoher Waldbrandgefahr“ ausgewiesen. In der Region bis Görlitz gilt „mittlere Waldbrandgefahr“, im Süden des Landkreises nur geringe.

Ursache für die hohe Waldbrandgefahr im Norden sind die dort vorhandenen Kiefernwälder auf Sandböden. „Dort ist ganz einfach das Material zündfähiger als in einem gemischten Wald“, erklärt Prof. Dr. Michael Müller, der in Tharandt den Lehrstuhl für Forstschutz der TU Dresden innehat. Er empfiehlt deshalb einen Waldumbau hin zu Kiefernwäldern mit einem erheblichen Anteil Laubbäumen. Dadurch würde der Wald kühler und feuchter. Alles Faktoren, die Wälder schwerer und langsamer brennen lassen. Müller führt eine ganze Reihe weiterer präventiver Maßnahmen auf, die sich schneller umsetzen lassen. Das beginnt bei dem Erhalt der heute oft auf privatem Gelände liegenden Wasserentnahmestellen und der Wundstreifen an Straßen und endet beim richtigen Verhalten der Menschen: „Die meisten Waldbrände werden durch Unachtsamkeit oder zu schnell drehende Maschinenteile verursacht. Dort muss man ansetzen.“

Peter Eichler, der Kreisbrandmeister, sieht da jedoch wenig Probleme. „Wir haben in Zukunft sicherlich viel größere Schwierigkeiten, an Brandstellen zu kommen. Die Löschfahrzeuge werden immer größer und schwerer, die Waldwege immer kleiner und ungepflegter.“ Die neuen Löschfahrzeuge sind inzwischen 2,60 Meter breit, 3,30 Meter hoch und bis zu zwölf Tonnen schwer. Professor Müller sagt dazu: „Eigentlich müssten die Waldbesitzer an gut ausgebauten Waldwegen interessiert sein. Schließlich muss ja auch das Holz aus dem Wald. Und es gibt Fördermittel für den Wegebau.“