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Sonntag, 24.03.2013

Skrupellose Damen im Rotlicht-Milieu

Laut Anklage haben zwei junge Frauen erotische Dienste angeboten – und gleichzeitig die Freier beklaut. Einer von denen ließ sich das nicht bieten.

Von Christoph Scharf

Am Landgericht in Bautzen beginnt nach Ostern ein Prozess, der an einen schlechten Krimi erinnert. Hauptdarstellerinnen sind zwei junge Frauen. Die 25 und 26 Jahre alten Damen sollen 2011 in einer Bautzener Wohnung „erotische Dienste“ angeboten haben. Zwar ist die Prostitution in Bautzen sowieso nicht zulässig, der Verstoß allein wäre aber noch kein Fall fürs Landgericht.

Allerdings legt die Staatsanwaltschaft den beiden Frauen eine ganze Reihe Delikte zur Last: Mehrere Klauereien und einen räuberischen Diebstahl. Demnach hätten es Anett R. und Sindy H. auf die Brieftaschen ihrer Kunden abgesehen. Laut Anklage lief die Sache so: Die Damen baten ihre Freier zunächst darum, duschen zu gehen. Während die Kunden dieser Bitte nachkamen, durchsuchte eine der Frauen deren Jacken und Hosen und steckte die Brieftaschen ein. Die andere passte derweil auf, dass die Sache nicht auffällt.

Als der Freier zurück ins Schlafzimmer gekommen sei, habe eine Angeklagte zum Schein die vereinbarte „Dienstleistungssumme“ verlangt. Für die Männer folgte darauf ein peinlicher Augenblick: Sie fanden ihre Brieftasche nicht mehr. Kein Geld, kein Sex. Weil die Kunden nun nicht mehr zahlen konnten, hätten sie frisch geduscht, aber unverrichteter Dinge die Wohnung in der Bautzener Südvorstadt verlassen.

Die Masche klappte – bis die Damen Anfang März 2011 an den Falschen gerieten. Bei dem seien sie zunächst ebenso vorgegangen. Dann hätten sie allerdings eine Überraschung erlebt: Anders als seine Vorgänger habe der Mann nach dem Duschen die vereinbarte Summe zahlen können. Ein zweite Brieftasche machte es möglich. Die war wohl beim üblichen Dusch-Diebstahl übersehen worden. Wohl oder übel habe eine der Angeklagten den Mann „erotisch massiert“. Gleichzeitig soll ihm die andere auch noch die zweite Geldbörse geklaut haben. Doch dann eskalierte laut Anklage die Situation: Als der Kunde gehen wollte, bemerkte er, dass beide Brieftaschen fehlten. Darauf stellte er die Frauen zur Rede und durchsuchte ihren Kleiderschrank nach seinen Portemonnaies .

Eine der Damen habe ihn darauf mit einem Messer bedroht und zum Verlassen der Wohnung aufgefordert. Gleichzeitig habe sie sogar in seine Richtung gestochen, ohne ihn jedoch zu treffen. Erst der zu Hilfe gerufene Bruder einer der Frauen konnte demnach die Situation bereinigen: Er bedrohte den Kunden mit einem Knüppel, woraufhin der flüchtete. Nun stehen die beiden Frauen wegen gemeinschaftlichen räuberischen Diebstahls vor Gericht.

Prozess am Landgericht, 9. April, 11 Uhr, Saal 222.