Samstag, 22.12.2012

Silvester achtmal anders

Immer mehr wollen zum Jahreswechsel der Routine entfliehen – und feiern auf dem höchsten Berg Afrikas oder am Ende der Welt.

Von Ann-Kathrin Kerst

Dinner for one, Bleigießen und Feuerwerk um Mitternacht: Das ist für viele Deutsche Silvester. Doch es geht auch anders.

Das Wikingerleben am Ostseestrand auf der Insel Rügen erleben

Mit dem Metkrug in der Hand auf das neue Jahr anstoßen? Das geht im normalerweise beschaulichen Ostseebad Göhren auf Rügen. Denn zu Silvester fallen dort die Wikinger ein. Dieses Jahr sollen es rund 100 aus aller Welt werden. Und die haben einiges vor: Drei Wikingerschiffe werden ihre Besatzung zu einer großen Schlacht an Land bringen. Die Besucher können ab dem 30. Dezember das Wikingerleben miterleben und auf einem mittelalterlichen Markt einkaufen gehen. Zu Silvester selbst legt ein DJ auf, und um Mitternacht gibt es das Seebrücken-Höhenfeuerwerk. Außerdem dürfen Privatleute am Strand ihre eigenen Raketen zünden, teilt die Kurverwaltung Göhren mit.

Sich wie ein Skispringer auf der Sprungschanze in Oberstdorf fühlen

Silvesterparty statt Rekordjagd heißt das Motto auf der Skisprungschanze in Oberstdorf. Dort, wo sich normalerweise die besten Skispringer der Welt messen, kann in das neue Jahr gefeiert werden. Wer die Silvestersause bucht, genießt ein Dinner in der Erdinger Arena Oberstdorf, bevor es mit dem Schrägaufzug auf den Schanzenturm hinauf geht. In dieser Höhe kann dann das Feuerwerk der kompletten Gegend bestaunt werden: Bei gutem Wetter sieht man selbst das Feuerwerk im Illertal noch. Sportaffine Silvesterfeierer können bereits vor den Festivitäten ein Schmankerl erleben: Am 29. und 30. Dezember findet dort das Auftaktspringen der Vierschanzentournee statt. Tickets für die Silvesterfeier müssen direkt beim Betreiber der Erdinger Arena gebucht werden.

Mit dem Luxusliner auf den Meeren oder auf dem Fluss kreuzen

Silvester auf einem Kreuzfahrtschiff bieten etliche Reedereien an. Die „Sun“ der Norwegian Cruise Line beispielsweise fährt viele kleine Inseln in der Karibik an, während die „Deliziosa“ der Reederei Costa verschiedene italienische Städte und Athen ansteuert. Die „Spirit“ der Reederei Seabourn ist zwischen den Kleinen Antillen unterwegs. Und die „Silver Wind“ der Silversea-Reederei bringt den Seefahrern Madagaskar und Südafrika näher. Alle vier Fahrten beginnen ein paar Tage vor dem Jahreswechsel. Silvester selbst wird immer auf hoher See gefeiert. Die Teilnehmer einer Flusskreuzfahrt mit der „Donau Spontan“ von A-Rosa können sich auf ihrer Donaufahrt etwas heimischer fühlen: Sie verbringen Silvester in Wien. Doch egal ob Meer oder Fluss: Ein Galaabend zum Jahreswechsel gehört auf jedem Schiff dazu.

Auf der Ostseefähre feiern und kurz nach Skandinavien fahren

Auch große Fährreedereien auf der Ostsee setzen auf Feierpublikum. Zur Silvesterparty auf dem Schiff kommt ein Kurzaufenthalt in einer skandinavischen Metropole. Natürlich ist auf einer Fähre alles mehrere Nummern kleiner als auf einem Kreuzfahrtschiff – außer dem Laderaum. Die Ostseefähren Peter Pan und Nils Holgersson, die von Travemünde ins schwedische Trelleborg übersetzen, verfügen über 220 Kabinen. Für jemanden, der den ganz großen Trubel nicht mag, genau das Richtige: hübsch eingerichtetes Kinderspielzimmer, kleines Kino, kleine Sauna, kleines Fitnesscenter, kleiner Bordshop, aber ein Büfett mit großer Auswahl. Die Aussicht von der Bar auf dem Panoramadeck ist faszinierend. Wie kleine Puppenhäuschen wirken die alten Giebel in Travemünde oder Kiel, wenn die riesigen Pötte an der Mole entlangfahren. Der Neujahrsspaziergang findet in einer skandinavischen Hafenmetropole statt. Beim Landgang in Helsinki sind Kunst und Architektur die Höhepunkte. Nicht umsonst durfte sich die finnische Hauptstadt in diesem Jahr Welthauptstadt des Designs nennen. Wer Göteborg ansteuert, landet in der zweitgrößten Stadt Schwedens. Die lockt Besucher mit ihren gepflasterten Straßen und urigen Kanälen, einer üppigen Kultur-Szene, eleganten Einkaufsstraßen, feinen Restaurants und dem mit zahlreichen Architekturpreisen ausgezeichneten Museum für Weltkultur. Heißt dagegen Oslo das Ziel, bekommt man mit der Reise den einmaligen Blick auf das Feuerwerk der Stadt. Die Fähre der Reederei Color Line liegt in der Silvesternacht im Hafen der norwegischen Hauptstadt. Den ganzen Silvestertag über hat man Zeit für eine Erkundungstour durch die Metropole. Ein Besuch im königlichen Schloss, dem Wikingerschiff-Museum oder der Flaniermeile Karl Johans Gate könnten dann Ziele des Landgangs sein. Erst am Neujahrsmorgen geht es wieder zurück nach Kiel.

www.colorline.de; www.stenaline.de, www.ttline.com

Auf dem höchsten Berg Afrikas, dem Kilimandscharo, anstoßen

Wer sich zu Silvester lieber sportlich betätigen möchte, ist in Tansania richtig. Genauer gesagt auf dem Kilimandscharo. Denn dort kann der trainierte Tourist mithilfe eines deutschen Reiseveranstalters rund um Silvester den höchsten Gipfel Afrikas bezwingen. Mitternacht am 31. Dezember wird auf der Strecke gefeiert: Am ersten Tag des neuen Jahres beginnt der steile Abstieg. Doch diese Art der Silvesterfeier ist nur etwas für Trainierte oder Trekkingerfahrene: Laufzeiten zwischen sieben und acht Stunden sind normal. Anreisetag ist der 26. Dezember, der Direktflug geht von Frankfurt zum Kilimandscharo Airport in Tansania.

www.wikinger-reisen.de

Das Jahr mit 108 Glockenschlägen im japanischen Tokio begrüßen

Im Land des Lächelns wird der Jahreswechsel ruhig begangen. Silvester ist dort ein Familienfest und religiöser Feiertag, Feuerwerke suchen Europäer vergebens. Dennoch lohnt sich ein Besuch. Um Mitternacht werden die Glocken in buddhistischen Tempeln 108 Mal geschlagen. Gläubige bringen Opfer für Buddhas Unterstützung im neuen Jahr dar. Am 2. Januar versuchen die Japaner im Kaiserpalast in Tokio einen Platz zu erhaschen, um der Neujahrsansprache des Staatsoberhaupts zu lauschen. Die Tage um Neujahr herum verlaufen sehr ruhig: Die meisten Sehenswürdigkeiten und Einkaufsmöglichkeiten sind geschlossen. Darauf sollten sich Besucher einstellen. Hotelzimmer in den großen Städten sind rar, da sich die Japaner an Neujahr gerne etwas Besonderes gönnen.

In roter Unterwäsche unterm Zuckerhut in Rio de Janeiro tanzen

Die Copacabana ist nicht nur zu Karneval eine Partyhochburg: Auch an Silvester feiern die Brasilianer dort ausgelassen. Zum Jahreswechsel werden zwei Millionen Menschen erwartet, und das bei sehr warmen Temperaturen – schließlich ist in Brasilien gerade Sommer. Dazu passend tragen alle Weiß. Dagegen geht es bei der Unterwäsche bunt zu. Rote Unterwäsche steht für den Silvesterwunsch nach Liebe, grüne für Hoffnung, gelbe für Geld und weiße für den Wunsch nach Frieden. Außerdem beginnen am 30. Dezember die öffentlichen Feierlichkeiten für die Meeresgöttin Yemanjá. Angehörige der Religionen Candomblé und Umbanda bringen ihre Opfergaben dar, tanzen um offene Feuer und fallen in Trance.

Als Erster ins neue Jahr starten auf der Südseeinsel Samoa

Die Einwohner der Insel Samoa im Südpazifik gehören weltweit zu den ersten, die das neue Jahr feiern. Das war aber nicht immer so: Silvester 2010 feierten sie noch als eines der letzten Länder. 2011 ließen sie dann den 30. Dezember komplett ausfallen und sind seitdem allen anderen Ländern beim Jahreswechsel eine Nasenlänge voraus – und in einer anderen Zeitzone zu finden. Wenn in Deutschland noch elf Uhr morgens ist, knallen auf der Pazifikinsel schon die Korken. Für Touristen interessant ist die Inselgruppe nicht nur wegen der Vorreiterstellung an Silvester, sondern auch wegen der tropischen Temperaturen: 29 Grad am Tag sind jetzt normal. Die Inselgruppe ist direkt mit dem Flugzeug erreichbar, es gibt auch Inlandflüge zwischen beiden Inseln. (dpa)