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Mittwoch, 11.01.2017

Silicon Saxony will zum digitalen Hub werden

Wirtschaft und Wissenschaft arbeiten in Sachsen gemeinsam an Lösungen für die digitale Vernetzung – und wollen Impulse setzen. Doch sind die Voraussetzungen dafür im Freistaat überhaupt gegeben?

Von Nora Miethke

Informatikerin Anja Richter überprüft in der digitalen Forschungsfabrik des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU Energiedaten an einem interaktiven Bildschirm. Das ist nur ein Baustein für den neuen digitalen Hub in Sachsen.
Informatikerin Anja Richter überprüft in der digitalen Forschungsfabrik des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU Energiedaten an einem interaktiven Bildschirm. Das ist nur ein Baustein für den neuen digitalen Hub in Sachsen.

© Ronald Bonß

Dresden. Sachsen möchte das Internet der Dinge maßgeblich mitgestalten. Dafür plant der Freistaat ein entsprechendes Innovationszentrum zu errichten. Der „Smart Systems Hub“ solle am Halbleiterstandort Dresden entstehen und Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft in ganz Sachsen einbinden, teilte das Kabinett am Dienstag mit.

Sachsen will sich mit dem Vorhaben für die deutschlandweite Digital Hub-Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums bewerben, das insgesamt zehn bis zwölf digitale Hubs vorsieht. Bis Mitte März soll ein konkretes Konzept beim Bund eingereicht werden. Mit einer Entscheidung wird im Frühsommer 2017 gerechnet.

Nach Ansicht von Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat Sachsen exzellente Voraussetzungen für ein solches Projekt. Er verwies auf das Know-how in der rasch wachsenden Softwarebranche, in der Mikroelektronik, Sensortechnik, und beim ultraschnellen Mobilfunk (5G). „Damit haben wir die Kompetenzen, alle Wirtschaftsbereiche mit den für die Digitalisierung und das Internet der Dinge notwendigen intelligenten Systemen auszustatten“, betonte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD).

Im neuen Kompetenzzentrum, das auch ein eigenes Gebäude auf dem Campus der TU Dresden erhält, wollen Wissenschaftler, Start-ups, Branchenriesen, Mittelständler und Kapitalgeber zusammenarbeiten, um intelligente Lösungen für die digitale Vernetzung anzubieten. Diese können in der Industrie 4.0, beim automatisierten Fahren sowie für smarte Produkte, Städte und Infrastrukturen zum Einsatz kommen.

Die Wirtschaft stehe voll hinter dem Konzept, betonte Frank Schönefeld vom Branchenverband Silicon Saxony, und das aus drei Gründen. Zum einen verspricht sich die Informations- und Kommunikationstechnologiebranche (IKT) mehr Sichtbarkeit für ihre Leistungen. Mit 2 100 IKT-Firmen, die rund 51 500 Mitarbeiter beschäftigen und einen Gesamtumsatz von 11 Milliarden Euro im Jahr erzielen, sei Sachsen das größte Mikro- und Nanoelektronikzentrum in Europa. Das allerdings laut Schönfeld „in eine Fachkräftelücke hineinläuft“. Der Hub soll Sachsen daher auch als interessanten Arbeitsort für Fachkräfte sichtbar machen. „Wir brauchen Köpfe, Köpfe, Köpfe“, so Schönfeld. Alle Beteiligten hoffen, dass der Hub Studenten anlockt, sich in Sachsen ausbilden zu lassen, um dann hier auch neue Firmen zu gründen. Und der dritte Grund ist ein „massiver Wachstumsimpuls“, wenn es gelingt, auch für internationale Kapitalgeber sichtbarer zu werden. „Talente und Technologie haben wir in Sachsen. Das Einzige, was fehlt, ist das Kapital“, so Professor Frank Fitzek, Koordinator des 5G-Lab Germany an der TU Dresden. In Ostdeutschland gibt es kaum private Risikogeldgeber, die in innovative Geschäftsideen investieren. Und so sind die meisten Gründer auf öffentliche Geldtöpfe wie den Hightech-Gründerfonds angewiesen.

Die Voraussetzungen für die Auswahl als Digital Hub sind unter anderem eine existierende Start-up-Szene und exzellente Forschungs- und Bildungseinrichtungen in der Region. Beides hat Sachsen. Es gibt derzeit 260 bis 270 Hochtechnologie-Start-ups, die es geschafft haben, eine Anwendung zu entwickeln. Pro Jahr werden im Freistaat 20 bis 30 neue Hightech-Unternehmen gegründet. In Bayern sind es 50 bis 60. „Da stehen wir nicht so schlecht da“, sagt Bettina Voßberg. Die Chefin des Vereins Hightech Startbahn Netzwerk hat diese Vergleichszahlen im Rahmen der Arbeit am Konzept zusammengetragen. Diese Firmen müssten früher und stärker finanziert werden, damit nicht nur ihre Überlebenschancen steigen, sondern sich auch der Traum von Frank Schönfeld erfüllt. Er hofft, dass eines Tages auch aus Sachsen ein „Einhorn“ kommt. So werden Technologie-Start-ups mit einer Firmenbewertung ab einer Milliarde US-Dollar bezeichnet.