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Mittwoch, 04.10.2017

Sieben Änderungen am Schillerplatz

Warum öffnen und schließen die Läden so häufig rund um das Blaue Wunder?

Inhaberin Jaqueline Berthold-Böhme eröffnete ihren eigenen Duftladen am Schillerplatz.
Inhaberin Jaqueline Berthold-Böhme eröffnete ihren eigenen Duftladen am Schillerplatz.

© Rene Meinig

Nachmieter gesucht. Neueröffnung. Die Schilder, die in den Läden am Schillerplatz hängen, zeugen vom Anfang von etwas Neuem, aber auch vom Ende eines Traumes. Des Traums vom eigenen Laden. Doch warum beginnen und enden so viele Träume am Platz am Blauen Wunder?

Die Zahlen der Stadtverwaltung sind vielversprechend und traurig zugleich. Einerseits gibt es mit aktuell 93 angemeldeten Gewerben, 24 mehr als noch 2010. Anderseits aber auch sechs weniger als im vergangenen Jahr. Sechs Gewerbe wurden abgemeldet, in diesem Jahr eröffnete aber mit dem Duftladen Equivalenza auch ein neues Geschäft. „Die Lage mit einer aufgeschlossenen Zielgruppe im Umfeld lädt einige dazu ein, Geschäftskonzepte mal auszuprobieren“, beobachtet David Tobias, Geschäftsführer des Handelsverbands Sachsen bezüglich der Neueröffnungen. Diese müssten sich langfristig bewähren und da ist es häufig die Miete, die in umsatzschwächeren Zeiten nicht zu stemmen ist.

Ein häufiges Kommen und Gehen am Schillerplatz beobachtet auch Lars Fiehler, Sprecher der Industrie- und Handelskammer. Die Gründe seien – wie so oft – vielschichtig, und lassen sich nicht pauschal benennen. Ladenmieten, Wettbewerb, Produktpalette, die nicht zu Kundenwünschen passt, Öffnungszeiten und hohe Preise seien oft Ursachen. Aber auch eine nicht geregelte Nachfolge bei der Übergabe von Traditionsläden. Aber der Standort habe auch viele Vorteile: Im engeren Einzugsgebiet, also in Blasewitz, Striesen und Loschwitz, leben die Dresdner mit der höchsten Kaufkraft, was sich wie ein roter Faden durch die Angebotspalette zieht. Zudem ist das Areal für viele Kunden gut zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Dem gegenüber stehen wiederum sehr eingeschränkte Parkmöglichkeiten, die durch die anhaltenden Diskussionen rund um die Flächen unter dem Blauen Wunder noch verschlechtert werden, so Fiehler. Eine Ursache für das Auf und Ab könnten auch die verstopften Haupt- und Nebenstraßen rund um den Schillerplatz sein. Sie sind nicht die Ausnahme sondern die Regel, was die Aufenthaltsqualität beim Einkaufsbummel nicht verbessert.

Was sich am Schillerplatz ändert

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Equivalenza

Beim Betreten des neuen Ladens wird der Kunde von Jacqueline Berthold-Böhme und ihren Düften begrüßt. Sie hat erst vor Kurzem ihr Geschäft für Parfüm und Kosmetik neu eröffnet. „Der Geruch begleitet mich jetzt 24 Stunden am Tag. Darum komme ich gern hierher“, sagt sie. Es sind mehr als 100. Böhme verspricht einen Duft, der zur eigenen Persönlichkeit passt. Hier darf selbst gemischt werden. Die Inhaberin kennt sich mit den Duftfamilien aus. „Das ist die Basis für jedes Parfüm“. Bei der Mischung beginnt man beispielsweise mit einer orientalischen, holzigen Basis. Dann entscheiden die Kunden, ob es noch eine Vanillenote sein soll und wie intensiv diese ausfallen soll. Die Wahl falle nicht leicht, so die gelernte Kosmetikerin.

Pension am Schillerplatz

Wer bei Michael Malz ein Zimmer bucht, verbringt die Nacht auf historischen Dachbalken. Aus denen hat der Gastronom die Betten für sein Bed and Breakfast zimmern lassen. Die Pension befindet sich in einem denkmalgeschützten Häuschen direkt am Schillerplatz – der Blick aufs Blaue Wunder ist inklusive. In einem Raum habe man extra den Fernseher extra weggelassen. Der würde nur den Blick auf die Postkartenaussicht verstellen. Der 44-Jährige ist seit über 25 Jahren in der Gastronomie tätig.

Biomarkt Podemus

Umgebaut hat der Biomarkt Podemus, gleich gegenüber der Parfümerie Thiemann. Schon lange suchte Geschäftsführer Bernhard Probst eine Möglichkeit, das Geschäft zu erweitern. Denn auf den 180 Quadratmetern kann er bisher nur die Hälfte des Sortimentes anbieten, das er in den anderen Podemus-Filialen hat. Mit dem ehemaligen Fotoladen konnte der Podemus das benachbarte Geschäft mieten und damit die Fläche vergrößern.

Parfümerie Thiemann

Für das Familienunternehmen Parfümerie Thiemann aus Bautzen ist es das vierte Geschäft in Dresden, dass es eröffnete. Bisher sind sie in den großen Einkaufszentren Elbepark und Altmarkt-Galerie sowie auf der Hauptstraße vertreten. Der Schillerplatz habe besonderes Flair, so die Inhaber. Von der Konkurrenz der großen Kette Douglas will sich das Familienunternehmen mit einem anderen Sortiment und speziellen Marken abheben. Darunter Aqua di Parma oder Widian, ein orientalischer Duft aus dem Oman. Der Schwerpunkt des Ladens liege außerdem auch auf der Beratung.

Café Toscana

Im September vergangenen Jahres öffnete das Toscana wieder. Nun glänzt der Gastraum schon im neuen Gewand. Silberne Mustertapeten schmücken die Wände, darüber sind die Stuckdecken in gedecktem Grau gestrichen. Farbe bringen Kissen und Loungesessel in leuchtendem Pink und Apfelgrün herein. Hoch über den Gästen schweben leuchtende Kreise, dazu gibt es Kaffee und Kuchen.

Nudelmanufaktur

Auf frische Nudeln und feines Pesto müssen die Blasewitzer neuerdings verzichten. Die Nudelmanufaktur am Schillerplatz mit Bistro hat seit Anfang Juni geschlossen. Es sei immer schwieriger gewesen, gutes Personal zu finden, sagt Geschäftsführer Mario Lucia. Auch der Mindestlohn habe eine Rolle gespielt. Das Hauptproblem war aber der für eine Produktionsstätte ungünstige Standort an der Tolkewitzer Straße. Man sei an Grenzen gestoßen. Denn für die Lieferanten gibt es direkt am Geschäft keinen Parkplatz. Momentan werden die Nudeln in Wehlen produziert, dort betreibt Lucia ein Hotel.

Vom Fass

Schließen musste auch Angela Grewing vom „Vom Fass“. Sie verkaufte seit 13 Jahren feine Öle, Essig und Whisky an der Tolkewitzer Straße. Statt Balsamico-Werbung lagen im Sommer Grundrisse aus. Sie suchte einen Nachmieter. Zu den Gründen für das Aus ist nichts bekannt. Bei ihr konnte man aus 100 verschiedenen Weinen, Ölen, Essigen und Spirituosen wählen. Alles konnte direkt für die Kunden abgefüllt und natürlich vorher auch verkostet werden. „Vom Fass“ ist ein Franchise-Unternehmen (1994 gegründet). Über 170 Geschäfte gibt es weltweit. Jetzt gibt es noch eine Filiale im Elbepark.

Der Schillerplatz habe sich über die Jahre zu einem kleinen Stadtteilzentrum entwickelt, in dem innerstädtisches Leben pulsiert, kompakt und gut erreichbar. Ein breites Angebot locke die Kunden. Als Magneten gelten der Schillergarten, das Café Toscana und das etablierte „Markttreiben“ am Dienstag, Donnerstag und Samstag. Der Platz zieht viele Auswärtige und Touristen an, was auch den umliegenden Händlern zugute kommt. Neue Wohnbebauung bringt zusätzliche Kaufkraft. (mit sot/ ash)