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Donnerstag, 05.10.2017

Sicherheit vor Schönheit

Auch die Verkehrswacht hat sich an dem Ideenwettbewerb der Stadt für den Bahnhofsvorplatz beteiligt.

Von Stephan Hönigschmid

Bürger gefragt

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Hans-Jürgen Freitag (li.) und Olaf Lier von der Verkehrswacht Meißen haben große Pläne für den Platz vor dem Bahnhof. Bei ihrem Konzept steht vor allem die Verkehrssicherheit im Vordergrund.
Hans-Jürgen Freitag (li.) und Olaf Lier von der Verkehrswacht Meißen haben große Pläne für den Platz vor dem Bahnhof. Bei ihrem Konzept steht vor allem die Verkehrssicherheit im Vordergrund.

© Claudia Hübschmann

  • Hans-Jürgen Freitag (li.) und Olaf Lier von der Verkehrswacht Meißen haben große Pläne für den Platz vor dem Bahnhof. Bei ihrem Konzept steht vor allem die Verkehrssicherheit im Vordergrund.
    Hans-Jürgen Freitag (li.) und Olaf Lier von der Verkehrswacht Meißen haben große Pläne für den Platz vor dem Bahnhof. Bei ihrem Konzept steht vor allem die Verkehrssicherheit im Vordergrund.
  • Von oben sind die Wasserfläche und die Fußwege vor dem Bahnhofseingang gut zu erkennen. Gleiches gilt für die Taxibucht an der Großenhainer Straße.
    Von oben sind die Wasserfläche und die Fußwege vor dem Bahnhofseingang gut zu erkennen. Gleiches gilt für die Taxibucht an der Großenhainer Straße.

Meißen. Die Neugestaltung des Meißner Bahnhofsvorplatzes bewegt die Gemüter. Zahlreiche Bürger und Vereine haben sich bis zum 31. August an dem Ideenwettbewerb der Stadt beteiligt, damit der wenig einladende Schandfleck endlich verschwindet. Alle Bewerber fiebern jetzt dem 2. November entgegen, wenn die Vorschläge im Rathaus vor Mitarbeitern des Bauamtes erstmals öffentlich debattiert werden.

Auch Olaf Lier und Hans-Jürgen Freitag von der Meißner Verkehrswacht haben den Hut in den Ring geworfen und möchten die Verantwortlichen für ihr Konzept begeistern. Oberste Priorität hat dabei das Thema Sicherheit. „Wir wollen erreichen, dass die Reisenden den Bahnhof unbeschwert verlassen können, ohne sich vor Autos oder dem Bus in Acht nehmen zu müssen. Jegliche Fahrzeuge haben deshalb bei uns vor dem Eingang keinen Platz mehr“, sagt Lier, der stellvertretender Vorsitzender des Vereins ist.

Um den Blick auf das von Wilhelm Kreis Ende der 1920er Jahre entworfene und unter Denkmalschutz stehende Bahnhofsgebäude im Bauhausstil nicht zu beeinträchtigen, möchten er und seine Mitstreiter in diesem Bereich auch keine Fahrradstellflächen oder gar ein Fahrradparkhaus errichten. „So etwas muss es natürlich geben, aber lieber auf dem Busbahnhof, wo man die bestehenden Plätze erweitern könnte“, so Lier.

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Vorschläge für die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes konnten die Meißner bis zum 31. August bei der Stadtverwaltung einreichen. Ist andernorts der Bahnhofsvorplatz Aushängeschild, Eingangsportal, Ankunftsort und Treffpunkt, wirkt er in Meißen-Cölln bislang wenig einladend auf ankommende Meißner und Gäste.

Hauptforderung der Initiative „Bürger für Meißen“, die ebenfalls einen Vorschlag vorgelegt hat, ist die Verlagerung der Taxistellflächen vor dem Bahnhof 20 Meter weiter in Richtung Omnibusparkplatz. So soll vor dem Bahnhof ein offener Platz entstehen.

Für den Vorplatz hat er hingegen andere Pläne. Analog zur Fensterfront des Bahnhofes soll dieses Quadrat quasi als Spiegel der Eingangsfassade gedanklich nach vorn geklappt werden, wo es eine Wasserfläche mit Springbrunnen ergibt. Drumherum ordnet er Bänke aus Beton an. „Beton ist besser als Holz, damit es pflegeleicht ist und nicht zu gemütlich wird. Dennoch sollen die Bänke natürlich zum Verweilen einladen, weshalb sie zusätzlich von großen Hochbeeten umgeben werden.“ Während auf diese Weise die einen mitten in der Natur in Ruhe sitzen könnten, hätten andere auf zwei diagonal vom Bahnhofsausgang verlaufenden Fußwegen nach links oder rechts entweder die Möglichkeit, direkt zur Ampel an der Dresdner oder zu der an der Großenhainer Straße zu gelangen.

„Wir haben das vor Ort mehrfach beobachtet. Das sind die Laufwege, die die Leute heute auch schon benutzen, weil es am kürzesten ist“, weiß Lier. Doch nicht nur an sie haben Lier und Freitag gedacht. Ein Herz haben die Vereinsmitglieder der Verkehrswacht auch für Rad- und Taxifahrer. Vorstand Hans-Jürgen Freitag erklärt: „Die Radfahrer fahren gegenwärtig quer über den Platz und müssen den Autos ausweichen. Wir geben ihnen auf einem neu gebauten Radweg eine durchgehende Spur ab der Dresdner Straße sowie entlang der Großenhainer Straße.“

An letzterer Straße sei auch eine V-förmige Einbuchtung für die Taxis geplant, die auf die Hofausfahrt des Bahnhofs zulaufe und auf der anderen Seite davon weglaufe. „Dies hat den Vorteil, dass Autos und Fußgänger sich nur in Höhe der Hofausfahrt begegnen und ansonsten alles getrennt ist“, so Freitag, der damit rechnet, dass etwa Platz für sechs Taxen vorhanden sein wird.

Obwohl mit dem Konzept der Verkehrswacht die Verkehrssicherheit auf dem Platz bereits deutlich erhöht wäre, möchten Lier und Freitag zusätzlich auch gern die Ampelanlagen erweitern. „Um denjenigen Menschen gerecht zu werden, die ständig nur ihr Smartphone im Blick haben, schlagen wir vor, dass im Fußboden LED-Ampeln eingebaut werden“, sagt Freitag. Abgerundet wird die Konzeption von einer Stellfläche für Rollstuhlfahrer und Kurzzeitparker, die vor dem Gebäude der Fahrschule angeordnet werden sollen.

Weil so vor dem Bahnhof Raum frei wird, soll neben Pflanzen und Wasser auch ein gastronomischer Freisitz entstehen, wo Passanten ein Eis oder eine Bratwurst essen können. Dass dieses Ensemble auch optisch etwas hermacht, freut Olaf Lier zwar, dennoch räumt er ein: „Wir haben zunächst nur auf die Funktionalität geachtet und dann erst auf die Schönheit“, sagt Lier, der sich bei der Erarbeitung des Konzepts von einer Platzgestaltung im Umfeld der Krämerbrücke in Erfurt inspirieren ließ.