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Donnerstag, 07.12.2017

Seniorenclubs droht die Schließung

Die Stadt fährt ihre Förderung im kommenden Jahr auf null zurück – die Betroffenen befürchten Schlimmes.

Von Britta Veltzke

Seit zwei Jahrzehnten treffen sich die Senioren im ehemaligen Kindergarten neben der Schlosskirche Jahnishausen. Hannelore Schönitz (vorne rechts) leitet den Seniorenclub. Schon vorher hat sie in dem Gebäude gearbeitet –als Krankenschwester im Hort.
Seit zwei Jahrzehnten treffen sich die Senioren im ehemaligen Kindergarten neben der Schlosskirche Jahnishausen. Hannelore Schönitz (vorne rechts) leitet den Seniorenclub. Schon vorher hat sie in dem Gebäude gearbeitet – als Krankenschwester im Hort.

© Sebastian Schultz

Riesa. Montagmittag im DRK-Seniorenclub Jahnishausen: Gleich beginnt das Gedächtnistraining. So langsam trudeln die Rentner im ehemaligen Kindergarten neben der Schlosskirche ein. Um 13 Uhr ist ein gutes Dutzend Senioren da – vor wenigen Wochen waren es noch deutlich mehr. Für den plötzlichen Schwund sorgt nicht der demografische Wandel, sondern die Ankündigung, dass die Mitgliedsbeiträge ab kommendem Jahr steigen werden: von zwölf Euro auf 144 Euro im Jahr. Vor ein paar Wochen bekamen die Seniorenclubbesucher dies per Post vom DRK mitgeteilt. „Die enorme Steigerung hat viele von uns erschüttert“, sagt Leiterin Hannelore Schönitz. Bereits die Hälfte der Mitglieder habe die Kündigung bei ihr eingereicht. Sie befürchtet, dass sich die Gemeinschaft nun auflöst. „Uns gibt es jetzt schon seit 20 Jahren. Viele haben hier Freundschaften geschlossen“, so Schönitz.

Das DRK hat seine Gründe für die Preiserhöhung. Die Stadt Riesa fährt im kommenden Jahr ihre Zuschüsse für Seniorenclubs auf null zurück. „Wir sind hier nicht die Buhmänner. Die Betriebskosten in dem Gebäude in Jahnishausen sind enorm – rund 6 000 Euro im Jahr“, erklärt DRK-Kreisverbandschef Falk Glombik. „Dazu kommen noch weitere Kosten etwa für die Leiterin. Nicht mal der Zuschuss, den wir dieses Jahr noch bekommen haben, hat diese Kosten gedeckt.“ Wenn ab Januar gar kein Geld mehr fließe, gehe es einfach nicht mehr so weiter wie bisher. „Uns ist bewusst, dass der neue Beitrag für manch einen Rentner ein schwerer Einschnitt ist, aber für die meisten sollten zwölf Euro im Monat doch machbar sein. Selbst damit kommen wir nicht auf eine schwarze Null. Es ist ein Angebot, sich in der Mitte zu treffen“, so Glombik. Die Stadt habe vorgeschlagen, auf Sponsorensuche zu gehen. „Aber das funktioniert heute nicht mehr. Man kann vielleicht einen Geldgeber für eine einmalige Aktion suchen. Aber finden Sie mal jemanden, der monatlich einen Seniorenclub unterstützt.“ Man habe auch einen Ausweichort gesucht. „Allerdings gibt es im ländlichen Raum ja kaum noch etwas – keine Gaststätten, nichts. Als einzige Lösung ist uns das Gemeinschaftshaus in Nickritz eingefallen, aber das haben die Senioren abgelehnt. Alte Bäume verpflanzt man nicht“, sagt Glombik. Das DRK würde gern am Standort Jahnishausen festhalten. „Aber wenn jetzt noch mehr Senioren austreten, kann ich das nicht garantieren.“

Auch der ASB hat schon auf die Kürzung reagiert. Der Seniorenclub trifft sich laut Ortsverbandschef Andreas Krüger bereits seit Mitte des Jahres in der Kita Kubu, statt in einem Raum, für den Miete fällig würde. Die Volkssolidarität wird laut dem kommissarischen Chef Peter Noack Preise für Veranstaltungen erhöhen, um die Kosten künftig decken zu können.

Viele Besucher des DRK-Seniorenclubs in Jahnishausen haben sich schon gefragt, warum das Angebot mit einem Euro im Monat bislang so günstig ist. Die Steigerung um das Zwölffache können sie aber nicht nachvollziehen. „Hier in den Räumen ist ja auch nie was gemacht worden, kein Wunder, dass die Nebenkosten so hoch sind“, sagt Brigitta Ubrig. Zudem bleibe das Angebot für mehr Geld das gleiche. Seniorenclub-Kumpanin Renate Schadel schickt ihre Kritik vor allem in Richtung Rathaus: „Erst waren die Jugendclubs dran, jetzt die Seniorenclubs. Das haben wir nicht verdient. Wir haben so viel durchgemacht: Krieg, Flucht, die DDR, viele wurden danach arbeitslos. Jetzt könnten wir das Leben genießen, aber man lässt uns nicht.“