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Mittwoch, 13.07.2016

Sehstörungen in jungen Jahren

Die U-Untersuchungen beim Kinderarztreichen oftmals nicht aus, um kompliziertere Probleme aufzudecken.

Dr. Anne Lux bei einer Schieluntersuchung
Dr. Anne Lux bei einer Schieluntersuchung

© Franziska Pilz

Für die Entwicklung des Sehvermögens sind die ersten Lebensjahre des Kindes entscheidend. Werden in diesen frühen Jahren die Probleme der Augen nicht behandelt, kann dies zu einer bleibenden Sehschwäche (Amblyopie) führen, welche wiederum nicht unerhebliche Konsequenzen für das berufliche und private Leben des Betroffenen haben kann. „Es gibt verschiedene Ursachen für eine Amblyopie. Die Aufgabe spezialisierter Augenarztpraxen mit integrierter Sehschule ist es, diese Auffälligkeiten bei den kleinen Patienten zu erkennen und zu behandeln“, sagt Dr. Anne Lux vom AugenCentrum Dresden. Viele Eltern vertrauen darauf, dass die regelmäßig durchgeführten U-Untersuchungen beim Kinderarzt ausreichend sind. Doch leider können dort auf Grund der begrenzten untersuchungstechnischen Möglichkeiten viele Sehstörungen gar nicht beziehungsweise nicht rechtzeitig entdeckt werden. „Daher sollte jedes Kind bis zur Vollendung des 2. Lebensjahres in einer auf Kinder spezialisierten Augenarztpraxis untersucht werden“, empfiehlt Dr. Lux.

Schielen und Fehlsichtigkeiten mit speziellen Methoden erkennen

Eine mögliche Ursache für eine Amblyopie ist das Schielen (Strabismus). „Schielen verursacht störende Doppelbilder. Um Abhilfe zu schaffen, versucht das gesunde Auge, den Seheindruck des schielenden Auges zu unterdrücken. Dies hat jedoch zur Folge, dass sich das Sehen auf dem erkrankten Auge nicht weiterentwickelt oder sich gegebenenfalls sogar zurückbildet“, erklärt Dr. Lux. Es ist wichtig, jede Art des Schielens früh zu erkennen. „Die Prüfung der Augen durch eine Orthoptistin, eine speziell ausgebildete Fachkraft, ist daher ein wesentlicher Bestandteil der Vorsorgeuntersuchung.“ Außerdem hilft der Termin beim Augenarzt, schon im Kleinkindalter Fehlsichtigkeiten festzustellen. Denn auch diese können zu einer Amblyopie führen. Im Rahmen der Untersuchung führt der Facharzt eine sogenannte Skiaskopie durch. Bei der Skiaskopie handelt es sich um ein Verfahren, bei dem das Brillenglas, das das jeweilige Auge benötigt, um ein Bild scharf erkennen zu können, objektiv bestimmt wird. „Die Skiaskopie ist die einzige verlässliche Methode, um einen möglichen Brillenbedarf bei jüngeren Kindern richtig einschätzen zu können. Denn leider ist eine Mitarbeit der kleinen Patienten in diesem frühen Alter nur eingeschränkt möglich“, erläutert Dr. Lux. Für die Untersuchung müssen die Pupillen mit sogenannten zykloplegischen Augentropfen weit getropft werden, damit es nicht zu einer Verfälschung der Messwerte kommt.

Frühdiagnostik ist wichtig für den Behandlungserfolg

Ist eine Schwachsichtigkeit diagnostiziert, wird durch den Augenarzt die notwendige Therapie bgonnen. Diese wird individuell auf das Kind und die zugrundeliegende Krankheit abgestimmt. Je nach Befund wird zum Beispiel eine notwendige Brille verschrieben oder eine Abklebebehandlung eingeleitet. Durch das stundenweise Abkleben des besseren Auges nach einem genauen Plan, wird das Kind gezwungen, mit dem schwächeren Auge zu sehen. Dadurch wird das erkrankte Auge derart trainiert, dass es wieder richtig sehen lernt. „Jenseits des 10. Lebensjahres ist eine Amblyopiebehandlung nicht mehr erfolgversprechend. Aus diesem Grund ist eine Frühdiagnostik so wichtig“, unterstreicht Dr. Lux.