Samstag, 24.11.2012

Seelentröster aus der Sächsischen Schweiz

Keramikerin Silke Rötzschke hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Und ein ganz besonderes Mitbringsel entworfen.

Kunstfertig formt Silke Rötzschke Bäume aus Ton. Jedes ihrer Produkte, ob Übertopf oder Schmuckstück, ist ein Unikat. Foto: Daniel Spittel
Kunstfertig formt Silke Rötzschke Bäume aus Ton. Jedes ihrer Produkte, ob Übertopf oder Schmuckstück, ist ein Unikat. Foto: Daniel Spittel

Massenware gibt’s hier nicht. Nur Unikate, aus Keramik, von Hand geformt, ohne Töpferscheibe. „Ich bin Keramikerin, keine Töpferin“, sagt Silke Rötzschke. Kerzenständer und Vasen, Glocken und Schalen, Windlichter, Figuren und Übertöpfe stehen in ihrer Werkstatt unter dem Dach einer schön sanierten Wehlener Scheune. Verziert sind sie mit dem typischen Rötzschke-Dekor. Die 47-jährige Struppenerin verarbeitet seit 2007 Ton aus dem Westerwald. „Das Material wird auf der Arbeitsplatte ausgerollt und mit Schablone in Form gebracht, bevor ich Blätter, Gräser, Blumen und Rinde in den Ton drücke“, erklärt die Künstlerin die ersten Handgriffe. Vor dem Gestalten zeichnet sie eine Form, oft nach Kundenwünschen. Vor allem Tierfiguren-Spardosen stehen hoch im Kurs. Besteckgefäße auch.

Die geformten Einzelstücke werden mit Folie abgedeckt, damit sie zwei Wochen an der Luft trocknen können, bevor der Brennofen ihnen bei 900 Grad die nötige Festigkeit gibt. 40 verschiedene Farben einer Traditionsfirma stehen der Keramikerin anschließend für die Flüssigglasur zur Verfügung, darunter Ozeangrün, Sandelholz und Lüster, das wie Perlmutt glänzt und mit feinen Pinseln sorgfältig aufgetragen wird. Je nach Produkt sind zwei Glasurbrände bei bis zu 1250 Grad nötig. Die Arbeit verlangt Geduld, Geschick und eine ruhige Hand.

Silke Rötzschke stellt auch Filigranes wie Keramikschmuck in Verbindung mit Sterling-Silber her. Kettenanhänger, Broschen, Ringe und Armbänder erfreuen sich regen Kundenzuspruchs. Die Keramikerin formt dafür gern Gingkoblätter, die ja symbolisch für das Leben stehen.

Mit Schmunzeln präsentiert sie schließlich den „Steini“, den Seelentröster aus der Sächsischen Schweiz, der gern von Touristen als Mitbringsel gekauft wird. Der urkomische Kerl mit Schelmgesicht und Kolbennäschen ist eine Rötzschke-Kreation, die keineswegs mystische Bedeutung hat. „Die Figur ist ein Glücksstein, der den Käufer an die hiesige Landschaft erinnern soll“, klärt die Dekor-Keramikerin auf und ergänzt: „Nimm mich in die Hand, und wenn du mich kräftig schüttelst, dann zermahlen die kleinen Steine in meinem Bauch deinen Kummer.“

Silke Rötzschke, gelernte Verkäuferin, hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Sie hat Lehrgänge besucht und einer bekannten Töpfermeisterin über die Schulter geschaut. Heute gibt sie ihr Wissen selbst weiter, an Kinder zum Beispiel, die mit ihr gemeinsam auf der großen Arbeitsplatte Übertöpfe formen und die Unikate ihren Lehrern, Eltern, Omas und Opas schenken. Zweimal im Monat kommen Erwachsene in ihren Keramikkurs.

Freilich ist Silke Rötzschke nicht ohne Wunsch. „Ich möchte gern für Gärten und Anlagen große Tiere und Sagengestalten in Keramik gestalten“, sagt sie. Ihr Lieblingsexponat steht im eigenen Garten: Ein Troll mit Riesenohren.

Drucken Empfehlen

  • Facebook
  • Twitter