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Dienstag, 19.12.2017

Sechs Dinge, die länger gesund halten

Was macht uns wirklich krank? Eine neue Studie liefert überraschende Ergebnisse.

Von Steffen Klameth

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Ist wichtig und hält gesund: eine Familie
Ist wichtig und hält gesund: eine Familie

© Roger Richter/dpa-tmn

Wer Kinder hat, hat auch mehr Stress und ist häufiger krank. Logisch – aber falsch. „Die Lebenszufriedenheit von Beschäftigten mit Kindern ist höher als in kinderlosen Haushalten“, sagt Fabian Magerl, Landesgeschäftsführer der Barmer in Sachsen.

Er stützt sich dabei auf die neueste Gesundheitsstudie der Krankenkasse. In deren Auftrag hat die Universität St. Gallen 8 000 Erwerbstätige in Deutschland zu ihrer Lebensqualität befragt. Die Ergebnisse wurden mit sogenannten Routinedaten – etwa zu Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen – verglichen. So gelangten die Wissenschaftler zu aufschlussreichen Erkenntnissen. Manche durfte man so erwarten, andere sind durchaus überraschend.

1. Der Beruf

Deutliche Unterschiede gibt es zwischen bestimmten Berufsgruppen. Körperliche Erkrankungen wirken sich vor allem bei Beschäftigten mit Bau-, Metall- und Lagerberufen sowie in der Chemieindustrie und Kunststoffverarbeitung negativ auf den Krankenstand aus. Sozialarbeiter, Erzieher und Seelsorger leiden häufiger unter psychischen Störungen, während Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft sowie mit technisch-naturwissenschaftlichen Berufen hier weniger anfällig zu sein scheinen. Die eigentliche Problemgruppe bilden dabei allerdings Arbeitslose – sie sind mehr als doppelt so oft wegen psychischer Störungen krankgeschrieben, die Zahl der Krankenhaustage ist sogar fast 3,5 Mal größer als im Schnitt.

2. Die Arbeit

Nicht nur der Beruf, sondern auch das Beschäftigungsverhältnis hat einen deutlichen Einfluss auf die Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Zwar berichten Arbeitnehmer in der Befragung über positive Erfahrungen mit einer frei gestaltbaren Arbeitszeit. Andererseits könnte die zunehmende Flexibilisierung der Arbeit auch als belastend empfunden werden, wenn sie primär den Interessen der Arbeitgeber diene, stellen die Autoren der Studie fest.

Beschäftigte, die häufig ihren Arbeitsplatz oder Wohnort wechseln oder sich in einem befristeten Arbeitsverhältnis befinden, sind demnach viel häufiger von Einschränkungen der psychischen Gesundheit betroffen. Sie bekommen mehr Psychopharmaka verordnet, liegen länger im Krankenhaus und sind häufiger beim Arzt. Auch die Sterberate liegt über den Durchschnittswerten anderer Beschäftigter.

Gesundheitlich besonders anfällig sind offenbar Leiharbeiter. Sie sind deutlich häufiger krankgeschrieben – sowohl wegen körperlicher als auch psychischer Probleme. Dies dürfte nach Einschätzung der Studienautoren aber nicht nur am Leiharbeiter-Status an sich liegen, sondern auch an dem vergleichsweise belastenden Tätigkeitsspektrum dieser Beschäftigten.

3. Kinder und Familie

Berufstätige mit Kindern sind gesünder, leben länger, nehmen weniger Arzneimittel und sind weniger krank. Vor allem Männer mit Familie sind weniger psychisch krank und haben eine höhere Lebenserwartung. „Die unterstützende Funktion der Familie ist in Sachen Gesundheit nicht zu unterschätzen“, betont Kassenchef Magerl. Interessanterweise verstärkt sich der Effekt noch bei zwei und mehr Kindern. Allerdings verweist die Studie auf „größere Unsicherheiten“ der Analyse, die auch gegensätzliche Effekte denkbar machten. Eine Interpretation sollte daher mit Bedacht erfolgen.

4. Bildung und Status

„Je höher die Bildung, desto gesünder sind die Beschäftigten“, sagt Magerl. Menschen ohne Schulabschluss oder mit Haupt- bzw. Volksschulabschluss sind häufiger krankgeschrieben, liegen länger im Krankenhaus und bekommen mehr Medikamente verschrieben. Interessanterweise trifft das nicht nur auf körperliche, sondern auch psychische Erkrankungen zu. Allerdings gehen Patienten mit höherem Bildungsabschluss häufiger zum Psychotherapeuten.

5. Das Einkommen

Geld macht glücklich – der Spruch ist wohl doch nicht ganz aus der Luft gegriffen. Der Studie zufolge fehlen freiwillig Versicherte sehr viel seltener auf Arbeit und sind weniger im Krankenhaus als Pflichtversicherte. Auch die Sterberate liegt bei freiwillig versicherten Mitgliedern 30 Prozent unter dem Schnitt. Freiwillig versichert sind Berufstätige, die regelmäßig eine bestimmte Einkommenshöhe überschreiten – in diesem Jahr sind das 57 600 Euro im Jahr. Eine Erklärung für dieses Untersuchungsergebnis bleibt die Studie schuldig. Denkbar ist etwa ein Zusammenhang zwischen Bildungsabschluss und Einkommen.

6. Das Geschlecht

Das Risiko eines Krankenhausaufenthalts ist bei Frauen und Männern ähnlich – auch bei psychischen Störungen. Dennoch erhalten Frauen deutlich öfter Psychopharmaka verschrieben, was laut Studie auf häufigere psychische Beeinträchtigungen hinweist. Denkbar sei aber auch, dass Frauen ihre Probleme anders schildern und anders behandelt werden. Das Sterberisiko ist bei Männern im Erwerbsalter doppelt so hoch wie bei Frauen.

Das Fazit

Die Studie zeigt einen starken Einfluss der Arbeitswelt auf Gesundheit und Zufriedenheit. Magerl: „Für die Gesundheit der Beschäftigten ist eine ausgewogene Balance zwischen Beruf und Privatleben wichtig.“ Er fordert Unternehmen auf, Risiken rechtzeitig entgegenzuwirken – etwa mit einem betrieblichen Gesundheitsmanagement. Allein in Sachsen hätten in diesem Jahr 400 Unternehmen mit fast 10 000 Mitarbeitern entsprechende Angebote der Barmer in Anspruch genommen. Auch andere Krankenkassen fördern Maßnahmen wie Umgestaltung des Arbeitsplatzes, Rückenschulen und Anti-Stress-Kurse.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Andreas Wölk

    Gott im Himmel, muss man die Menschen so verblöden? Wieso wird Arbeitslosigkeit mit geringer Bildung gleichgesetzt und damit auch mit instabiler Gesundheit ? Mancher Arbeitslose ist gebildeter als manch ein Politiker, des Daseinsberechtigung nur darin besteht auf irgendeinem geschaffenen Posten auszuharren. Vor kurzem gab es eine Studie, die besagt das Beamte den höchsten Krankenstand haben, nimmt man nun diese Studie zum Thema Bildung , verwundert es nicht ,was in Deutschland alles so passiert.

  2. entejens

    "Gott im Himmel, muss man die Menschen so verblöden?" - scheint ja bei Dir geklappt zu haben, lieber Andreas. Wo im Text "wird Arbeitslosigkeit mit geringer Bildung gleichgesetzt"?

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