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Dienstag, 26.07.2016

Schwimmlotsen für Flüchtlinge

Das Rote Kreuz bildet Mitarbeiter von Asyl-Unterkünften aus, die Baderegeln und den richtigen Umgang mit Frauen und dem Thema FKK vermitteln sollen.

Von Tobias Wolf

Lehrer Joachim Weis (r.) bildet Schwimmlotsen für Flüchtlinge beim DRK auf der Bremer Straße aus. Einer davon ist Sadjad Hussaini.
Lehrer Joachim Weis (r.) bildet Schwimmlotsen für Flüchtlinge beim DRK auf der Bremer Straße aus. Einer davon ist Sadjad Hussaini.

© Sven Ellger

Der Zeitplan ist am Montag eng getaktet, der Unterricht vollgepackt mit Themen rund um das Thema Schwimmen und Sicherheit. Ein Feld, das in den letzten Monaten immer wieder mal mit Übergriffen für Schlagzeilen sorgte. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bildet deshalb jetzt Schwimmlotsen aus, die Asylbewerbern die Tücken des Wassers und die Regeln des Umgangs miteinander beibringen sollen.

Zehn Teilnehmer sitzen bei Sommerhitze im Seminarraum in der DRK-Zentrale an der Bremer Straße und lauschen Dozent Joachim Weiss, der erst einmal die allgemeinen Baderegeln durchgeht. „Die Menschen müssen wissen, was sie im Schwimmbad dürfen und was nicht“, sagt der 40-Jährige, der für Wasserrettung und die DRK-Stabsgruppe Asyl tätig ist.

Welche Kleidung ist angemessen, wie verhalte ich mich gegenüber dem anderen Geschlecht? Solche Fragen sollen die künftigen Schwimmlotsen den Bewohnern der Asyl-Unterkünfte in ihrer Sprache vermitteln. Die vier Frauen und sechs Männer sprechen zusammen neben Deutsch verschiedene arabische Dialekte, Bulgarisch sowie afghanische Sprachen wie Farsi und Pashto.

Nach einigen Übergriffen in öffentlichen Bädern sollen Flüchtlinge das Bild von Frauen in Deutschland kennen lernen und akzeptieren. In ihren Ländern ist es nicht unbedingt normal, dass eine Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern herrscht. Die künftigen Schwimmlotsen sollen auch dazu beitragen, solche Übergriffe mit Wissensvermittlung zu verhindern. In vielen Bädern gibt es schon jetzt Hinweistafeln, die mit Bildern die Regeln im Umgang miteinander erklären. Sadjad Hussaini ist einer der künftigen Lotsen. Sieben Jahre lebt der 24-Jährige in Deutschland. „Ich bin seit letztem Jahr beim DRK angestellt und arbeite in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Hamburger Straße“, sagt er. Auch für ihn ist manches neu.

Zu den wohl für Asylbewerber am seltsamsten anmutenden Dingen zum Thema Schwimmen dürfte das Thema FKK gehören. „Diese Badeplätze sind nicht immer eindeutig gekennzeichnet, deshalb sollten Migranten darauf vorbereitet sein, dass Menschen sich auch nackt am See oder in bestimmten Freibädern wie der Wostra bewegen“, erklärt Ausbilder Weiss. „Auch dafür gelten Regeln.“