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Donnerstag, 12.05.2016

Schwarz-gelbe Schlangen im Zoo

Dynamo Dresden holt auf ungewöhnliche Weise seine Aufstiegsfeier nach und bestätigt den nächsten Abgang.

Von Tino Meyer

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Die Hände zum Himmel mit dem Stift in der Hand. Kapitän Michael Hefele gibt auch beim Familienfest im Dresdner Zoo den Ton an.
Die Hände zum Himmel mit dem Stift in der Hand. Kapitän Michael Hefele gibt auch beim Familienfest im Dresdner Zoo den Ton an.

© robert michael

  • Die Hände zum Himmel mit dem Stift in der Hand. Kapitän Michael Hefele gibt auch beim Familienfest im Dresdner Zoo den Ton an.
    Die Hände zum Himmel mit dem Stift in der Hand. Kapitän Michael Hefele gibt auch beim Familienfest im Dresdner Zoo den Ton an.
  • Ein letzter Gruß. Trotz oder gerade wegen seines Wechsels nach Bremen ist Justin Eilers‘ Schriftzug gefragt.
    Ein letzter Gruß. Trotz oder gerade wegen seines Wechsels nach Bremen ist Justin Eilers‘ Schriftzug gefragt.

Die Idee mit dem Kicken, Hüpfen, Spielen und Basteln ist wirklich gut. Und Jim-Patrick Müller gibt sich auch alle Mühe, die Kinder dazu zu animieren, ihr Lieblingstier auf den Weg vor der Geiervoliere zu malen. Was aber ist schon ein Gefäß voller Kreidestifte gegen ein Autogramm von Marvin Stefaniak, also dem Lieblingsspieler, der gleich danebensitzt? Warum eine Elefantenmaske basteln, wenn es – um im Bilde zu bleiben – die großen Tiere der 3. Liga zum Anfassen gibt? Eilers, Hefele, Testroet so nah wie nie! Das sind besondere Erlebnisse, noch spannender als Giraffengucken oder Ziegenstreicheln.

Dynamos Familientag im Dresdner Zoo ist zweifellos ein großer Erfolg, nur eben anders als vorher geplant – und alles, nur keine echte Aufstiegsfeier. Als ein erster Ersatz für die für Pfingstsonntag angesetzte, inzwischen aber gestrichene Party am Elbufer ist der Nachmittag angekündigt worden und vor allem „als kleine Wiedergutmachung“ für die Zwischenfälle bei der Aufstiegsfeier nach dem Magdeburg-Spiel am 16. April im eigenen Stadion.

Eine Horde von Hohlköpfen, wie Dynamo in einer Pressemitteilung danach erklärte, hatte den einmaligen Moment kaputt gemacht und speziell Kinder verstört zurückgelassen. Böswillig könnte man sagen, wegen jener Horde, die übrigens auch die Spieler in Angst und Schrecken versetzte, sind die Aufstiegshelden jetzt im Zoo. Statt im offenen Doppeldeckerbus am Elbufer mit Zehntausenden wird also nun zwischen Pinguinbecken und Giraffenanlage gefeiert, begleitet vom rhythmischen Quaken der Frösche und den nicht zu überhörenden Schafen im Streichelgehege, in deren Laute sich mit viel Fantasie sogar ein Dyna-Mäh interpretieren ließe. Das hat was und ist doch keine Feier.

Viel lieber hätten es alle noch einmal so richtig krachen lassen. Und doch ist es eine angemessene Reaktion des Verein, der Andrang im Zoo riesig. So viele schwarz-gelbe Schlangen wie an den 13 Ständen, besetzt mit jeweils mindestens zwei Spielern, haben sie hier selten gesehen.

Dass die Sache mit dem gemeinsamen Hüpfen und Basteln nicht richtig funktioniert, stört jedenfalls niemanden – schon gar nicht die Spieler, die sich ohnehin bevorzugt im Schatten aufhalten wollen. Bei ihrer mannschaftsinternen Aufstiegssause auf Mallorca am Wochenende haben sie von dem für Fußballer durchaus ungewöhnlichen Feiertermin erfahren, was der Party am Ballermann natürlich keinen Abbruch getan hat. Das sieht man bei einigen immer noch deutlich.

Überpünktlich, aber gezeichnet vom Inseltrip und mit typischem Malle-Liedgut auf den Lippen treffen die Aufsteiger im Zoo ein, bilden sofort einen Kreis, singen und tanzen. „Die sind noch im Feiermodus, und das haben sie sich auch verdient“, sagt Dynamos Vizepräsidentin Diana Schantin und geht deshalb auf Nummer sicher. „Benehmt euch und seid freundlich. Heute sind die Kinder des Helden des Tages“, sagt sie. Ein paar Regeln können nach den drei wilden Tagen tatsächlich nicht schaden. Denn wie sagt die ältere Frau, die das bunte Treiben am Eingang beobachtet, so schön: „Da sind die wie die Kinder.“ Kann man unkommentiert so stehen lassen.

Wie auf dem Spielfeld gibt der Kapitän danach den Ton an. Am Stand von Michael Hefele ist es zumindest am lautesten – immer dann, wenn er auf die Biertischgarnitur springt und „Dyyy-naaa-mooo“ schreit, sehr zu Freude der Kinder, aber auch der einen oder anderen Mutti.

Etwas versteckt, schräg hinter den Zebras, haben Patrick Wiegers und Luca Dürholtz ihren Stand. Passt irgendwie. Im Mittelpunkt stehen auch auf dem Spielfeld oft genug andere. Dabei hat Letztgenannter doch die eigentliche Nachricht des Tages zu verkünden, den Abgang zu Noch-Ligakonkurrent Kiel. „Ich wechsel jetzt“, teilt Dürholtz einem kleinen Jungen mit, der ihm alles Gute in der 2. Liga wünscht. Dass ein anderer Knirps wenig später den Fotowunsch des Papas ablehnt, hat damit aber sicher nichts zu tun.

Das geht einigen anderen Spielern genauso, an deren Ständen die Eltern ihre Kinder vorschicken und manches Mal auch schieben, um so zum einmaligen Schnappschuss fürs Familienalbum zu kommen. Auch dafür ist dieser Nachmittag ja da. Gebastelt und gemalt wird später zu Hause.

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