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Donnerstag, 15.12.2011

Schüsse auf Hundewelpen werden erneut verhandelt

Ein 63-Jähriger soll auf zwei junge Irish Setter geschossen haben. Das Gericht ordnet sogar eine Schussprobe vor Ort an.

Von Peter Schmieder

Im Frühjahr des vergangenen Jahres machten zwei angeschossene Irish-Setter-Welpen einer Familie in Kattnitz Schlagzeilen. Ein Nachbar habe Luna und Kira mit einer Druckluft-Pistole angeschossen, so der Vorwurf. Die Tiere überlebten dank einer Not-Operation. Der Ort nahe Ostrau geriet in Aufruhr. Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe wurden weitere ähnlich verletzte Tiere gemeldet. Diese Taten wurden allerdings nicht angezeigt.

Im Juli 2011 verurteilte das Amtsgericht Döbeln einen 63-Jährigen zu einer hohen Geldstrafe. 7.200 Euro sollte er zahlen und die OP-Kosten für Luna und Kira tragen – weitere 3.200 Euro.

Der Kattnitzer ging gegen das Urteil des Amtsgerichts in Berufung. Gestern wurde der neue Prozess beim Chemnitzer Landgericht eröffnet. Ein Urteil fiel aber nicht. Richter Kay-Uwe Sander hatte, völlig überraschend, eine sofortige „Probe aufs Exempel“ angeordnet. Ein Polizeibeamter sollte zum Ort des Geschehens fahren und mit der sichergestellten Luftdruckpistole Probeschüsse abfeuern. Mit diesen Erkenntnissen sollte weiter verhandelt werden. Richter Sander hatte scheinbar so seine Probleme mit der bisherigen Beweislage.

Dass die Welpen, damals wenige Wochen alt, angeschossen wurden, daran besteht kein Zweifel. Die Besitzerin der Tiere hat wohl gesehen, wie die jaulenden Hunde am frühen Nachmittag des Märzsonntages vom Grundstück des Angeklagten kamen, ihn selber aber nicht. Auch Schüsse will die 42-Jährige nicht vernommen haben. Die Schussprobe sollte klarstellen, ob sie diese nicht hätte hören müssen, wenn die Tiere auf dem nur etwa 100 Meter entfernten Grundstück des Angeklagten angeschossen wurden.

Der Zeugin war der Nachbar schon ein halbes Jahr zuvor aufgefallen. „Er hat mit einem Gewehr auf einen streunenden Hund gezielt“, so die Frau. „Eine Lüge“, sagte der Angeklagte im Juli vor dem Döbelner Amtsgericht. Die Verurteilung habe ihn dann sehr mitgenommen. „Ich hatte von dem Vorfall keinerlei Kenntnis“, so der angebliche Missetäter, der behauptet, zum Tatzeitpunkt ein Nickerchen gemacht zu haben. Das Klingeln der Polizei habe ihn dann geweckt. Ja, er habe eine Druckluftwaffe. Bereitwillig händigte er die Pistole an die Beamten aus. Er war sich keiner Schuld bewusst. „Viele im Dorf haben solche Waffen.“

Selbst Staatsanwalt Alexander Winterhalter musste feststellen, dass der Angeklagte mit der Pistole „nur aus nächste Nähe“ auf die Welpen geschossen haben könnte. Die Kraft der Luftdruckpistole reiche für größere Entfernungen nicht aus. Aber hätte die Hundehalterin ihn dann nicht sehen müssen? Die spontane Schussprobe sollte zumindest ein paar Fragen klären. Dazu kam es allerdings nicht. Die CO2-Patrone in der Waffe war leer. Ohne die kann die Pistole keines der Diabolos abfeuern. Die Beamten hatten keinen Ersatz. „Die Polizei schießt halt nicht mit Luftpistolen“, so Richter Sander.

Nun sollen Gutachten erstellt werden, die klären, ob die Waffe als Verursacher für die Verletzungen der Welpen infrage kommen könnte. Im nächsten Jahr soll das Verfahren neu aufgerollt werden.

Die kleine Ortschaft wird wohl so schnell nicht zur Ruhe kommen, noch immer kursieren Gerüchte über weitere Verdachtsfälle. „Auch mein Kater hat ein Projektil im Hinterlauf“, sagt eine Bewohnerin, die als Besucherin beim Prozess war. Sie wisse von mindestens noch einer Katze und einem Hund, die angeschossen wurden. Und ist sich sicher: „Mein Kater meidet das Grundstück des Angeklagten auffällig.“