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Mittwoch, 04.10.2017

Schüleraustausch mit Siófok geplant

Die Oberschüler sollen das ungarische Bildungssystem kennenlernen. Die Stadt denkt über die Finanzierung nach.

Von Tina Soltysiak

Leiter Jan Genscher (links) hat Vertretern aus Siófok und Landsberg die Oberschule gezeigt. Szamosi Lóránt (Mitte), Oberdirektor des Fachbildungszentrums, und Vizebürgermeister Péter Hamvas (rechts) haben Pläne für einen Schüleraustausch vorgestellt.
Leiter Jan Genscher (links) hat Vertretern aus Siófok und Landsberg die Oberschule gezeigt. Szamosi Lóránt (Mitte), Oberdirektor des Fachbildungszentrums, und Vizebürgermeister Péter Hamvas (rechts) haben Pläne für einen Schüleraustausch vorgestellt.

© André Braun

Waldheim/Siófok. Die Zeit rund um den 3. Oktober verbringen traditionell Vertreter der beiden Partnerstädte Siófok und Landsberg am Lech in Waldheim. Am Montag haben sich die Ungarn und die Bayern gemeinsam mit Stadträten und Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) die Oberschule angesehen. Leiter Jan Genscher hat sie durchs Haus und die Turnhalle geführt. „Hintergrund ist, dass wir einen Schüleraustausch zwischen unserer Oberschule und dem Fachbildungszentrum Siófok anstreben“, sagte Ernst. Die Idee dafür hatten die Ungarn. Vizebürgermeister Péter Hamvas erläuterte die Ziel des Projektes: „Dass die Schüler ihre fremdsprachlichen und beruflichen Kenntnisse entwickeln und die deutsche beziehungsweise ungarische Kultur und die dort lebenden Leute kennenlernen.“ Er und Ernst betonten den „Nachhaltigkeitsgedanken“, der dahintersteckt: „Mit Hilfe des Projektes könnte man Freundschaften, eventuell nachher Berufskontakte knüpfen, sogar Kooperationen ermöglichen.“

Das Vorhaben steckt zwar noch in den Kinderschuhen. Trotzdem gibt es erste konkrete Vorschläge vonseiten der Ungarn, welche Voraussetzungen für den Schüleraustausch gelten müssen. „Es werden diejenigen Schüler ausgewählt, die mindestens Deutsch Grundstufe sprechen und gute Leistungen haben“, so der Vizebürgermeister. Wenn möglich, soll die Unterbringung in Gastfamilien erfolgen. Die Kosten für den Schüleraustausch sollen möglichst nicht die Jugendlichen beziehungsweise deren Eltern tragen. Stattdessen sollen sich die Partnerstädte um die Finanzierung kümmern. „Wie wir das in Waldheim machen, steht noch nicht fest“, sagte Steffen Ernst. Er wolle das Projekt zunächst den Stadträten vorstellen. Bei den anwesenden Vertretern herrschte jedoch bereits Einigkeit, dass dies ein unterstützenswertes Vorhaben sei. Schließlich belebe dies die Städtepartnerschaft auf einer neuen Ebene. Die Stadt Siófok lässt sich ihre Schüleraustausche gern etwas kosten. „Wir haben eine Partnerschule in den USA. Damit die Schüler hinfahren können, zahlen wir zwei Millionen Forint, umgerechnet 70 000 Euro“, sagte Péter Hamvas.

Passende schulische Leistungen

Ganz so teuer wird der Schüleraustausch zwischen Siófok und Waldheim sicherlich nicht. Zunächst solle „klein angefangen werden“, wie Steffen Ernst sagte. Vielleicht mit fünf, sechs ausgewählten Jugendlichen. Schulleiter Jan Genscher steht dem Projekt offen gegenüber. „Im Oktober haben wir noch unsere Lehrerkonferenz. Da werde ich es ansprechen. Aber es müssen auch die Schülervertreter mit ins Boot geholt werden“, sagte er. Es müsse darüber nachgedacht werden, für welche Klassenstufe der Austausch infrage kommt. „Für die der zehnten wohl eher nicht, da bei denen die Prüfungen anstehen“, meinte Ernst. Die Neuntklässler hätten vermutlich das entsprechende Alter. Genscher gab zu bedenken: „Die sind aber aufgrund des fächerverbindenden Unterrichts und des 14-tägigen Praktikums gefühlt kaum da.“ Doch gerade im Bereich des Praktikums sieht Péter Hamvas einen geeigneten Ansatz. Schließlich gibt es in Siófok mit dem Fachbildungszentrum eine Art Berufsschule. „Man könnte ja das Praktikum zum Beispiel auch in der ungarischen Gastronomie absolvieren“, so Ernst.

Mindestens ein Jahr geben sich beide Städte für die Erarbeitung detaillierter Pläne für die Zusammenarbeit Zeit. „Und wenn es erst 2019 wird, ist es auch nicht schlimm. Wir haben aber großes Interesse daran, dass der Austausch überhaupt zustande kommt“, so Waldheims Stadtchef.

Bauarbeiten in Herbstferien

Beim Rundgang durch die Oberschule zeigen sich die Vertreter der beiden Partnerstädte von der Ausstattung begeistert. „Es handelt sich um einen typischen DDR-Neubau, der in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt saniert und modernisiert worden ist“, so Jan Genscher. Auch in den Herbstferien werden die Handwerker im Gebäude und auf dem Gelände zugange sein. Der Bereich zwischen Schulgebäude und Sportplatz wird komplett gepflastert. Es gibt zwei Flächen, die aus einem Gemisch aus Gras und Split bestehen. „Den Split und Schmutz tragen die Kinder mit den Schuhen auf die Tartanbahn und ins Schulhaus. Das soll vermieden werden. Deshalb kommt an diese Stellen Ökopflaster“, so Genscher. Dabei handelt es sich um wasserdurchlässige Pflastersteine, die den Niederschlag direkt ins Erdreich leiten. Weiterhin bekommen drei Klassenräume einen neuen Anstrich. „Wir spendieren traditionell den neuen Fünftklässlern ein frisch renoviertes Zimmer. Normalerweise erledigen wir das am Schuljahresende. Weil wir aber 30 Jahre Oberschule gefeiert haben, wurde das diesmal auf die Herbstferien verschoben“, erläuterte er. Für zwei Räume wurden außerdem neue Stühle angeschafft. „Nach sechs, sieben Jahren sind die einfach kaputt. Das Material hält nicht mehr so lang wie früher.“