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Samstag, 22.08.2015

Schrubben statt sanieren

Die anfängliche Freude über den Schulanbau in Niesky ist schnell verflogen. Eine Chemikalie hat zur Schließung von Räumen geführt. Nun soll fast alles gut sein.

Von Alexander Kempf

Da war die Welt noch in Ordnung: Im Januar haben die Oberschüler erstmals die neuen Räume im angebauten Gebäude besichtigt. Die Begeisterung ist groß gewesen, weil insbesondere die Fachkabinette nun beste Lernbedingungen versprachen. Doch dann hat es Beschwerden wegen Geruchsbelästigung, Grenzwertmessungen und am Ende die Schließung einiger Räume gegeben. Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres scheinen die Grenzwerte zumeist im Normalbereich. Ausgestanden ist der Fall noch nicht.
Da war die Welt noch in Ordnung: Im Januar haben die Oberschüler erstmals die neuen Räume im angebauten Gebäude besichtigt. Die Begeisterung ist groß gewesen, weil insbesondere die Fachkabinette nun beste Lernbedingungen versprachen. Doch dann hat es Beschwerden wegen Geruchsbelästigung, Grenzwertmessungen und am Ende die Schließung einiger Räume gegeben. Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres scheinen die Grenzwerte zumeist im Normalbereich. Ausgestanden ist der Fall noch nicht.

© andré schulze

In den Ferien sind die Räume im Anbau der Nieskyer Oberschule täglich gewischt und gelüftet worden. Das erhoffte Ziel hat die Stadtverwaltung mit diesen konservativen Maßnahmen erreicht. „Die Messwerte für Formaldehyd sind rapide nach unten gegangen“, bestätigt Nieskys Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann.

Vor den Sommerferien ist das neu errichtete Gebäude aufgrund überschrittener Grenzwerte noch von der besorgten Schulleitung gesperrt worden. Nun soll sich das Problem dank intensivem Lüften und feuchten Lappen von alleine geklärt haben? Wie kann das sein? Sie sei keine Chemikerin, so Beate Hoffmann. Doch man habe ihr erklärt, dass sich Formaldehyd durch Wasser binden lässt. Das Problem kann also buchstäblich weggewischt werden. Der Anbau sei schlicht zu schnell in Betrieb genommen worden, räumt die Oberbürgermeisterin ein. „Diese Probleme sind nach Aussagen von Fachleuten häufig bei Neubauten, insbesondere bei sofortigem Bezug aufgrund des Termindrucks.“

Trotzdem bleibt die Frage, warum die zulässigen Grenzwerte in den Fachkabinetten überschritten werden konnten? „In Auswertung der Messungen ist davon auszugehen, dass Schadstoffbelastungen in vielen Materialien gleichzeitig aufgetreten sind“, antwortet Beate Hoffmann. Details will die Oberbürgermeisterin nicht nennen, denn die Stadt steht noch in Verhandlung mit verschiedenen Dienstleistern.

Die Suche nach dem Schuldigen ist auch eine Geldfrage, denn nach Schätzung der Oberbürgermeisterin könnte sich die Beseitigung des Problems am Ende auf bis zu 10 000 Euro summieren. „Das sind zum großen Teil Laborkosten“, sagt Beate Hoffmann. Aber auch das tägliche Putzen gibt es nicht für umsonst. Die Stadt habe hierfür laut der Oberbürgermeisterin eigens externe Dienstleister beauftragt.

Trotz der Kosten dürfte bei der Stadtverwaltung aber Erleichterung herrschen, dass keine Sanierung des Gebäudes notwendig wird. Dann wären die Kosten ungleich höher ausgefallen. Außerdem hätte die Stadt als Schulträger vor einer logistischen Herausforderung gestanden. Denn die Oberschule ist auf die Räumlichkeiten angewiesen. So kann die Oberbürgermeisterin verkünden, dass es im neuen Schuljahr keine Unterrichtsausfälle gibt. Lediglich die belasteten Fachkabinette sollen im August und im September noch nicht genutzt werden. Der Werkunterricht soll dann in der Grundschule stattfinden.

Die Stadtverwaltung geht aber davon aus, dass auch die Fachkabinette bald wieder für den Unterricht freigegeben werden können. Die Ergebnisse einer Messung vom Mittwoch haben der Oberbürgermeisterin noch nicht vorgelegen. Das Wohl der Schüler stehe für sie aber an erster Stelle. Darum werden die Fachkabinette freigegeben, wenn die Werte als unbedenklich gelten. Zum Gesundheitszustand der Lehrerin, die langfristig krankgeschrieben ist, macht die Stadt keine Angaben. Die Lehrerin, welche ausschließlich in den Fachkabinetten unterrichtet hat, gibt im Juni den Anstoß für die Schulleitung, die Räume auf Schadstoffe zu untersuchen. Formaldehyd kann nach Ansicht des Bundesinstituts für Risikobewertung Krebs verursachen.