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Schreibt die SZ, was die SPD verlangt?

Mir ist zu Ohren gekommen, dass die SPD mit 40 Prozent an der SZ beteiligt ist. Und Gruner + Jahr? Sind die nicht auch Pro-SPD? Siehe Stern?! Also alles Verfechter der momentan getätigten Asylpolitik! MfG Peter Weißling

12.03.2016

Sehr geehrter Herr Weißling,

zunächst ist es richtig, dass die SPD mit ihrer Medienbeteiligungsgesellschaft DDVG mit 40 Prozent am Dresdner Druck- und Verlagshaus beteiligt ist, in dem auch Sächsische Zeitung und Morgenpost Sachsen erscheinen. Und das kam so: Die Sozialdemokraten meldeten nach der Wende Restitutionsansprüche an mehreren SPD-Verlagen an, die die Nazis enteignet hatten und später in SED-Verlagen aufgegangen waren. Gelöst wurde das Problem mit einem Kompromiss vor Gericht: Alle Ansprüche der SPD in der ehemaligen DDR wurden Anfang der 90er-Jahre mit dem einen 40-Prozent-Anteil in Dresden abgegolten.

Die Redaktion der Sächsischen Zeitung nahm die Entscheidung damals kritisch auf. Immerhin hatte sie sich gerade erst von der SED losgesagt und sich ihre Unabhängigkeit erkämpft. Deshalb bestand die Redaktion auf klaren Regeln. Dazu gehörte vor allem, dass sowohl der Mehrheitsgesellschafter Gruner und Jahr (gibt so renommierte Zeitschriften wie Stern, Geo und Brigitte heraus) als auch Minderheitsgesellschafter SPD die vollständige redaktionelle Unabhängigkeit garantierten. Beide taten es glaubhaft. Die Sozialdemokraten versprachen zudem, sich mit ihren Beteiligungen ausschließlich ums Geldverdienen zu kümmern.

In 25 Jahren Mitarbeit in Chefredaktionen der SZ ist mir nicht eine einzige ernsthafte Einflussnahme aus der SPD bekannt geworden. Natürlich könnten Herr Gabriel oder Herr Dulig den Chefredakteur der SZ anrufen und Forderungen stellen. Sie hätten aber damit genauso wenig Erfolg, als wenn Herr Tillich oder Frau Wagenknecht auf eine solche Idee kommen würden. Im Gegenteil: Die Spitzenpolitiker wissen, dass schon der Versuch einer solchen Einflussnahme in der Redaktion der SZ ausgesprochen schlecht aufgenommen und eher kontraproduktiv wirken würde.

Eine besondere Einflussnahme aus der SPD soll aber nicht verschwiegen sein. Sie sorgte in der Redaktion allerdings für Heiterkeit. Vor längerer Zeit hatte sich eine SPD-Ortsgruppe über einen kritischen SZ-Artikel beschwert und recht forsch nachgefragt, ob sie denn als Minderheitsgesellschafter nicht ein wenig mehr freundliche Aufmerksamkeit verdienten.

Die Antwort der SZ war sehr freundlich im Ton und sehr klar in der Aussage: Kommt nicht infrage.

Ihr Olaf Kittel

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