erweiterte Suche
Montag, 04.09.2017

Schreibfehler an der neuen Brücke

Ein Schriftzug heißt Besucher in Großenhain willkommen. Der Gruß sollte eigentlich eine sachsenweite Premiere sein.

Von Jörg Richter

Bild 1 von 2

Der Schriftzug an der Eisenbahnbrücke Großraschützer Straße war als Erstes ausgeschalt, und die Überraschung groß, was einen der Buchstaben betrifft.
Der Schriftzug an der Eisenbahnbrücke Großraschützer Straße war als Erstes ausgeschalt, und die Überraschung groß, was einen der Buchstaben betrifft.

© Kristin Richter

  • Der Schriftzug an der Eisenbahnbrücke Großraschützer Straße war als Erstes ausgeschalt, und die Überraschung groß, was einen der Buchstaben betrifft.
    Der Schriftzug an der Eisenbahnbrücke Großraschützer Straße war als Erstes ausgeschalt, und die Überraschung groß, was einen der Buchstaben betrifft.
  • Tilo Hönicke zeigte vor ein paar Wochen den Schriftzug „Willkommen in Großenhain“ auf einer Detailzeichnung der Brücke.
    Tilo Hönicke zeigte vor ein paar Wochen den Schriftzug „Willkommen in Großenhain“ auf einer Detailzeichnung der Brücke.

Großenhain. Die Bauleute an der Eisenbahnbrücke Großraschützer Straße haben am Montagmorgen damit begonnen, die Schalung für den Stahlbeton abzumachen. Dabei lüfteten sie auch das Geheimnis um den Schriftzug über der Durchfahrt. In großen Lettern steht dort „Willkommen in Großenhain“. – Ein Gruß an alle Besucher Großenhains, die auf der S 40 in die Stadt hineinfahren.

Alle Buchstaben des Willkommensgrußes sind großgeschrieben. Alle, bis auf das kleine Eszett in Stadtnamen. Das ist nach deutscher Rechtschreibung nicht nur ein Schreibfehler, sondern leider auch eine verpasste Chance für die Stadt. Dessen Bauamtsleiter Tilo Hönicke hatte vor nicht allzu langer Zeit durchblicken lassen, dass das Eszett in „Großenhain“ großgeschrieben sei. Ein Novum. Denn erst Ende Juni hatte der Rat für deutsche Rechtschreibung den Großbuchstaben Eszett vorgestellt und neben der allgemein üblichen Schreibweise mit Doppel-S zugelassen. Das Eszett in der neuen Großenhainer Eisenbahnbrücke sollte das erste große Eszett an einem sächsischen Bauwerk sein. Ist es aber nicht.

Deutlich ist zu erkennen, dass es sich um einen Kleinbuchstaben handelt. „Das ärgert mich wahnsinnig“, sagt Hönicke. „Wir hatten das mit der Firma extra noch besprochen.“ Der Bauamtsleiter vermutet, dass in der Hektik dieser Wunsch der Großenhainer Stadtverwaltung untergegangen ist. Wahrscheinlich ist auch, dass die Firma in der Kürze der Zeit noch keine detaillierte Vorlage des neuen deutschen Buchstabens besaß. Das große Eszett ist nicht nur breiter als das kleine Eszett, es hat auch in der oberen Rundung eine Art Zacke.

Die letzte deutsche Eigenart

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hatte Ende Juni ein neues Regelwerk mit Änderungen herausgebracht. Es wurde mit allen zuständigen staatlichen Stellen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, dem Fürstentum Liechtenstein, der autonomen norditalienischen Provinz Bozen-Südtirol und der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens abgestimmt und beschlossen. Zu den Neuerungen gehört auch der Großbuchstabe Eszett. Bisher gab es nur das kleine Eszett. – Die letzte Eigenart des deutschen Alphabets, das sich an dem lateinischen Alphabet orientiert.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung, der seine Geschäftsstelle am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim hat, kommt damit dem Trend zur Schreibweise in Versalien in der Werbung und auch in Büchern nach. Die Zulassung des großen Eszetts soll in solchen Fällen nun ein optisch einheitliches Schriftbild ermöglichen. Außerdem werde damit die Großschreibweise von Vor- und Familiennamen in Personalausweisen und anderen Dokumenten eindeutig, so der Rat.

Der Ärger um die verpasste Chance, Großenhain zum Vorreiter des großen Eszetts zu machen, ist bei Hönicke aber schnell wieder verflogen. „Das ist kein Beinbruch, das steck ich weg und gut“, sagt er. „Die Durchführung der Gesamtbaumaßnahme der Deutschen Bahn durch unsere Stadt ist wichtiger.“