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Donnerstag, 10.07.2014

Schon wieder sterben Pinguine im Zoo

Nur noch drei von 16 Tieren sind am Leben. Keime spielen eine Rolle, aber die wirkliche Ursache bleibt mysteriös.

Von Juliane Richter

Zwei der letzten drei überlebenden Pinguine. Derzeit müssen sie im Innengehege ausharren, weil das Außenbecken gesperrt ist.
Zwei der letzten drei überlebenden Pinguine. Derzeit müssen sie im Innengehege ausharren, weil das Außenbecken gesperrt ist.

© Sven Ellger

Der Neuanfang ist gescheitert. Vor einem Jahr hatte der Dresdner Zoo die frisch sanierte Pinguinanlage wiedereröffnet und 16 neue Tiere aufgenommen. Weil die vorherige Gruppe aus 30 Tieren einer rätselhaften Seuche zum Opfer gefallen war, wollte der Zoo die Haltung mit den neuen Pinguinen aus Magdeburg und Pilsen fortsetzen. Sogar von Zucht war die Rede. Doch nun ist klar, dass sich diese Pläne auf lange Sicht zerschlagen haben.

Von den 16 neuen Tieren sind nur noch drei am Leben. Wie Zootierarzt Dimitri Widmer erklärt, sind auch diese Tiere an Keimen gestorben, die sich zum Beispiel in den Lungen oder im Magen-Darm-Trakt angesiedelt haben. „Das sind aber Keime, die häufig vorkommen und normalerweise nicht zu einer Erkrankung führen“, sagt der 32-Jährige. Vielmehr müsse es etwas geben, was das Immunsystem der Vögel derart schwächt, dass sie so anfällig werden. Was das ist, bleibt ein Rätsel. Dabei hat der Zoo alles unternommen, um einerseits die erkrankten Tiere zu retten und andererseits die Ursache zu finden.

Schon im September und Oktober vergangenen Jahres gab es die ersten Krankheitsfälle in der Gruppe. Tierarzt Widmer hat die Pinguine von den restlichen Tieren getrennt, sie mit Antibiotika, Mitteln gegen Pilze, Vitaminen und Infusionen versorgt. Doch vergebens. Vier Tiere starben. Ihre Körper hat der Zoo von Pathologen untersuchen lassen. Hinzu kamen Analysen des Wassers, der Umgebungsluft, der Futterfische und auch der Filteranlagen. Mehrere Institute in Deutschland hat der Zoo eingeschaltet und dafür Tausende Euro ausgegeben – immer ohne eindeutiges Ergebnis. „Es ist extrem frustrierend, dass uns die Tiere unter den Händen wegsterben und wir nichts dagegen tun können“, sagt Widmer. Neun weitere Pinguine fielen den Keimen noch zum Opfer.

Das erneute Sterben ist besonders mysteriös, weil der Zoo die Pinguinanlage für 20.000 Euro gründlich saniert hatte. Das Pinguinhaus war entkernt, gründlich gereinigt und mit einer neuen Beschichtung samt Glasdach versehen worden. Das alte Außenbecken blieb bestehen, wurde jedoch auch gereinigt und repariert. All diese Arbeiten sollten ausschließen, dass mögliche Keime überleben und die neuen Tiere schädigen.

Für Zootierarzt Widmer ist allerdings nicht klar, ob die aktuellen Todesfälle die gleiche Ursache haben, wie die vor dem Umbau. Um Klarheit zu gewinnen, hat er Kontakt mit anderen Zoos weltweit aufgenommen.

In einigen nord- und südamerikanischen Einrichtungen habe es vereinzelt ähnliche Vorfälle gegeben. Dort konnten manchmal nach langem Suchen Umweltfaktoren, wie Keime im Wasser, als Auslöser identifiziert werden. „Aber die Kollegen sind auch ratlos, was hier bei uns passiert“, sagt er. Die Untersuchungen in Dresden gehen deshalb weiter. Die drei überlebenden Pinguine werden derzeit nur im Haus gehalten. Dieses ist von der komplexen Filteranlage abgekoppelt worden, sodass das Innenbecken separat mit Frischwasser befüllt wird. Für das Außenbecken ist die Filteranlage weiterhin in Betrieb. Daraus werden in regelmäßigen Abständen neue Proben entnommen.

Der Zootierarzt ist zuversichtlich, dass die drei verbliebenen Pinguine überleben. Sie hatten zwar ebenfalls Symptome gezeigt, haben sich nach der intensiven Behandlung mit Antibiotika aber erholt. Vorerst werden sie allein in Dresden leben müssen. Laut Widmer will der Zoo unbedingt weiter Pinguine halten, die Gruppe aber nicht aufstocken, bevor nicht Klarheit herrscht. Sollten dann neue Tiere kommen, will Widmer sie zunächst mit einem speziellen Impfstoff gegen die wiederholt aufgetretenen Pseudomonaskeime behandeln. Das sollte eine Erkrankung verhindern. Weil diese Keimart bei der ersten Seuche nicht in der jetzigen Häufigkeit aufgetreten war, hatte es für die 16 neuen Tiere keine Impfung gegeben.

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