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Donnerstag, 04.01.2018

„Schönes und Seltenes“ gibt auf

Eine weitere bekannte Adresse verschwindet aus der Bautzener Innenstadt. Mehrere Dinge machten dem Inhaber das Leben schwer.

Von Carmen Schumann

Das Geschäft „Schönes und Seltenes“ an der Seminarstraße schließt demnächst. Ursula Schwarzer hilft ihrem Sohn Henrik beim Ausverkauf.
Das Geschäft „Schönes und Seltenes“ an der Seminarstraße schließt demnächst. Ursula Schwarzer hilft ihrem Sohn Henrik beim Ausverkauf.

© Carmen Schumann

Bautzen. Die ganze Welt konnte man sich mit Möbeln, Lampen und Dekoartikeln aus Afrika und Asien ins Haus holen, wenn man bei „Schönes und Seltenes“ einkaufte. Doch damit ist bald Schluss.

Denn offensichtlich ist der Bedarf an solchen Artikeln in Bautzen mittlerweile abgedeckt. Jedenfalls musste Henrik Schwarzer, der das Geschäft an der Seminarstraße 7 vor sieben Jahren übernommen hatte, in letzter Zeit einen stetigen Umsatzrückgang verzeichnen. Lediglich um die Weihnachtszeit habe es immer noch einen Aufschwung gegeben. Der war unter anderem auch darauf zurückzuführen, dass Henrik Schwarzer zusätzlich zu den Waren aus der ganzen Welt auch die beliebten Herrnhuter Sterne als Vertragshändler verkaufen durfte. Doch die Gewinnmarge sei hier nicht sehr hoch gewesen. Dass es mit den Umsätzen bergab ging, sei aber natürlich auch auf das sich generell wandelnde Einkaufsverhalten der Menschen zurückzuführen: „Mehr und mehr wird online eingekauft – wer wollte es den Menschen verdenken!“, sagt Henrik Schwarzer. Das sei eben einfach den Zeitumständen geschuldet. Henrik Schwarzer hat die Zeichen der Zeit erkannt und betreibt seit geraumer Zeit einen eigenen Online-Versand. „Somit kann ich Kunden in ganz Deutschland bedienen“, sagt er. Das Geschäft an der Seminarstraße hatte er deshalb auch nur eingeschränkt an drei bis vier Tagen in der Woche geöffnet. Doch nun schließt er es ganz.

Jetzt bleibt nur noch der Internethandel

Ab dem 10. Januar startet ein großer Ausverkauf mit erheblich reduzierten Preisen. Geplant ist, den Ausverkauf am 17. Januar abzuschließen. Doch ob wirklich an diesem Tag endgültig Schluss ist, entscheidet Henrik Schwarzer, wenn es soweit ist. „Sollte der Zuspruch anhaltend groß sein, öffne ich auch noch ein paar Tage länger“, sagt der Geschäftsinhaber. Ihm kommt es darauf an, vor allem jene Artikel abzusetzen, die er nicht im Rahmen des Versandhandels anbietet. Denn online verkauft er ausschließlich Lampen und Möbel aus Naturmaterialien.

Wehmut beschleicht Henrik Schwarzer nicht bei dem Gedanken, sich von seinem Einzelhandelsgeschäft zu verabschieden. „Mir bleibt ja der Internethandel“, sagt er. Die Seminarstraße sei eben keine Hauptgeschäftsstraße und Touristen verirrten sich eher selten hierher. Viele seiner Waren, vor allem Schmuck und Deko-Artikel bekäme man heute auch in Gärtnereien oder Baumärkten. Generell hat Henrik keine großen Hoffnungen für den Innenstadthandel. Das Ladensterben werde weitergehen, befürchtet er.

Nachdem Gründer Gerhard Rohark im Jahr 2008 sein Geschäft „Schönes und Seltenes“ altershalber aufgegeben hatte, war es von dem Verein „Ganzheitliche Wege“ aus der Lutherstadt Wittenberg übernommen und unter dem Namen „Engelswelten“ weiter betrieben worden. Die neuen Inhaber rissen damals eine Trennwand heraus, so dass aus zwei kleineren Räumen ein größerer entstand. Begleitet von etlichen Ungereimtheiten und Querelen mit der Stadtverwaltung zog sich der Wittenberger Verein Mitte 2010 aus dem Bautzener Geschäftsleben zurück. Im Herbst 2010 übernahm dann Henrik Schwarzer das Geschäft und gab ihm seinen alten Namen wieder zurück.