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Samstag, 23.08.2008

Schöner Golfen in St.Moritz

Schweiz Mit drei Golfplätzen will der Luxus-Skiort mehr Sommer-Gäste anlocken.

Arthur Mende steht barfuß auf einer Holzwippe und versucht, mit den Füßen die Balance zu halten. Mal kippt das Brett nach rechts, mal nach links. „Gerade bleiben. Noch 20 Sekunden. Stopp.“ Joachim Pötschger prüft die Ausschläge auf dem angeschlossenen Laptop. „Haben Sie ein Problem mit der linken Schulter?“, fragt er. Mende ist bass erstaunt. „Woher wissen Sie das?“ Pötschger grinst. Anhand des Stabilitätstests kann der Fitnesscoach Schwächen im Bewegungsapparat erkennen. Der Test gehört zu einem Analyseprogramm für Golfer, dem ein persönlich zugeschnittenes Training folgt. Persofit nennt sich die von Pötschger entwickelte Methode, die die Gäste im noblen Kulm Hotel in St. Moritz buchen können. 75 Euro kostet die Stunde. Ziel ist eine perfekte Körperspannung, und die ist wichtig für den Erfolg auf dem Golfplatz.

In der schneefreien Zeit etabliert sich im südlichsten Hochtal der Alpen der Golfsport. Ein cleveres Arrangement. Denn über die Hälfte der 5700 Hotelbetten in St. Moritz gehören der 4- und 5-Sterne-Kategorie an. Zwar ist die Golfsaison in über 1800 Metern Höhe kurz und reicht bestenfalls von Mai bis Oktober. Doch die Lage der Plätze mit ihrer Aussicht auf die Berge dürfte einzigartig sein.

St. Moritz bietet dem Golfer gleich drei Plätze zur Auswahl. Der kleinste – ein 9-Loch-Platz (Par 27) – gehört zum Luxushotel Kulm. Die historischen Greens wurden 2001 nach umfangreicher Neugestaltung freigegeben. „Eine Anlage mit Tücken“, sagt Hoteldirektor Dominique Nicolas Godat. Denn angesichts kurzer Entfernungen, großer Höhenunterschiede und natürlicher Hindernisse fordert sie ein wohl dosiertes Spiel.

Kitschig wie im Heimatfilm

Sieben Kilometer von St. Moritz entfernt liegt Samedan – mit Baujahr 1893 der älteste Golfplatz der Schweiz. Wer auf den 18-Loch-Championship-Course (Par 72) will, muss mindestens Handicap 33 vorweisen. Samedan gehört wie die Golfanlage Zuoz-Madulain (18 Kilometer von St. Moritz) zum Engadin Golf Club. Mit über 1300 Mitgliedern ist er der größte in der Schweiz. „Unser Anspruch ist hoch“, sagt Geschäftsführer Daniel Schaltegger. „Wir wollen beide Anlagen so ausbauen, dass sie im Alpen-Golf-Ranking immer unter die ersten fünf kommen.“ Wer einmal über den Platz in Zuoz gelaufen ist (mit Handicap 36 oder besser), hegt keinen Zweifel, dass das gelingt. Erst 2003 eröffnet, wurde die Anlage nach strengen Landschaftsschutz-Vorgaben errichtet. Der Golfer spielt entlang abgezäunter hochalpiner Biotope und über rauschende Bäche. Dazu die kristallklare Bergluft, der Blick auf die meist schneebedeckten Gipfel und mit etwas Glück auf einen strahlend blauen Himmel. Fast schon kitschig wie in einem Heimatfilm. Das Greenfee beträgt je nach Platz und Saison zwischen 80 und 120 Schweizer Franken (ca. 50 bis 75 Euro). 40 Hotels mit dem Label Engadiner Golf bieten Golfpauschalen und Rabatt.

Nach dem Spiel genießen die Golfer ihre meist luxuriösen Unterkünfte. Auch wenn St. Moritz außerhalb der Wintersaison etwas preisgünstiger ist, bleibt der Urlaub hier ein teures Pflaster. Gleich fünf Fünf-Sterne-Häuser offerieren Komfort der Extraklasse: Zimmer mit dicken Teppichen und Marmorbädern, Restaurants mit Gourmetküche, Panorama-Spas und Beauty-Farmen. Trotz der Neureichen aus Osteuropa schaut so mancher Hotelchef aber auch mit Sorge auf die Auslands-Nachrichten: schwächelnde Wirtschaften, schlechter Dollarkurs. Nur wer investiert, kann den Wettbewerb um die anspruchsvollen Kunden gewinnen. Das Kulm zum Beispiel lässt gerade drei Hotel-Etagen erneuern.

Rund eine viertel Million Gäste kommen jährlich nach St. Moritz, das selbst nur 5600 Einwohner zählt. Die rege Bautätigkeit steht dem einstigen Bergdorf gar nicht gut zu Gesicht. Insider zieht es deshalb in die Nachbarschaft, wo es ruhiger, nicht aber weniger luxuriös zugeht. Nur sieben Kilometer von St. Moritz entfernt befindet sich das Grand Hotel Kronenhof mit unverstelltem Blick auf den Roseg Gletscher. Das denkmalgeschützte Fünf-Sterne-Haus lässt mit seinen Stuckornamenten und Original-Deckenmalereien den Glanz vergangener Epochen lebendig werden.

15 Gault Millau-Punkte

Die Besitzer, die griechische Familie Niarchos, investierte rund 35 Millionen Schweizer Franken (ca. 22 Millionen Euro) in neue Zimmer und ein 2000 Quadratmeter großes Spa.

Artur Mende fährt am liebsten zum Tafeln in den Kronenhof. Im Kronenstübli lässt er sich von Küchenchef Bernd Schützelhofer mit Sommerrehrücken an Holunderblütenmelange verwöhnen. 15 Gault Millau-Punkte und zwei Hauben hat sich der Österreicher erkocht. Mende genießt. Die sechs Kilometer, die der Golfer in Zuoz zurücklegt, machen hungrig. Morgen, 10.30 Uhr, hat er wieder Abschlag. Schönes Spiel. Katrin Saft