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Freitag, 17.09.2010

Schnitzelkrieg im Vogtland: Amt zählt jetzt auch Erbsen

Von Bernd Rippert

Plauen/Auerbach. Die verrückte Schnitzeljagd des Finanzamts Plauen: Ganz Deutschland lacht über die Bürokraten vom Amt, die einen Imbissbesitzer aus Hammerbrücke mit einer 35.000-Euro-Steuer-nachforderung in den Ruin treiben wollen - weil er zu große Schnitzel verkauft. Jetzt haben die Schnitzeljäger das nächste Opfer am Fleischerhaken: Das Restaurant „Altes Kaffeehaus“ im Auerbacher Ortsteil Beerheide soll 40000 Euro nachzahlen - unter anderem wegen Gemüse. Jetzt schickte das Amt also Erbsenzähler!

Heidi Klemm (30) führt das „Alte Kaffeehaus“ seit 2003 mit Erfolg, „weil ich viel Gutes auf die Teller packe“. Das viele Gute könnte ihr das Genick brechen: „Eine Prüferin des Finanzamts bemängelte die großen Portionen.“ Nachzahlung, weil sie zum 200-Gramm-Schnitzel 230 Gramm Salat und 300 Gramm Pommes gibt. Zum Lachs reicht sie 180 Gramm Möhren, Brokkoli, Blumenkohl oder Erbsen. Außerdem spendiert Heidi Klemm vor jedem Essen einen Teller Speckfett mit Bemm.

Von den großen Portionen möchte auch das Finanzamt naschen, fordert von Heidi Klemm um die 40.000 Euro Steuern extra. Die Wirtin ist fassungslos: „Bei den geforderten Kleinportionen bleiben meine Gäste weg. Dann bin ich genauso pleite, wie wenn ich 40.000 Euro Steuern nachzahle.“

Zum Kreis der Schnitzeljäger-Opfer gehört jetzt auch ein Promi: Sachsens SPD-Chef Martin Dulig (36) ist Cousin von Heidi Klemm. Der Politiker poltert: „Wenn mit Vorschriften gearbeitet wird, wie groß ein Schnitzel sein darf, spielt sich das Finanzamt schlimmer auf als die EU.“

Offenbar haben die Erbsenzähler aus Plauen das halbe Vogtland auf dem Kieker. Imbissopfer Gerhard Kaltscheuer (49) kennt „zwei weitere Betroffene“, denen eine fette Steuernachzahlung wegen zu großer Portionen droht.