erweiterte Suche
Mittwoch, 15.09.2010

Schnitzel zu groß: Wirt hat Finanzamt am Hals

Im Vogtland tobt der Schnitzelkrieg! Das Finanzamt Plauen findet, dass Gerhard Kaltscheuer (49) in seinem Imbiss „Futter- und Schnitzelstube“ Hammerbrücke viel zu große Portionen verkauft. Üble Folge: Die Behörde will Zehntausende Euro Steuernachzahlung. Der Wirt verwirrt: „Dann wäre der Ofen aus und ich pleite.“

Plauen/Hammerbrücke. Im Juli kam ein Prüfer in den Imbiss und versetzte Gerhard Kaltscheuer sowie seiner Frau Regina Unger (52) mit der Rechnung „Zu große Portionen = zu wenig verkaufte Essen = Steuerhinterziehung“ einen Schock. „Ich kann die Nachzahlung nicht leisten. Und sie wäre ungerecht.“

Noch brutaler als die Summe - 2006 bis 2008 soll Kaltscheuer 38.000 Euro nachzahlen - ist die Begründung: Seine Schnitzel und Beefsteaks sind zu groß! Der Wirt: „Wir sind ein Treff für Arbeiter. Die wollen satt werden. Wenn ich die Minimengen des Finanzamtes ansetze, laufen alle weg.“

Der Prüfer hinterließ viele Notizen über Portionsgrößen nach Art des Amtes. So dürfe ein Schnitzel Hawaii 165 Gramm wiegen, nur eine Scheibe Ananas haben und keinen Käse. Der Wirt kontert: „Mein Schnitzel wiegt 200 bis 230 Gramm, hat zwei Scheiben Ananas und ist mit Käse überbacken. Mein Wareneinsatz ist viel höher und mein Gewinn kleiner.“

Auch bei Nudeln mit Jagdwurst traut das Finanzamt dem Braten nicht, setzt 200 Gramm Nudeln und 50 Gramm Wurst an. Gerhard Kaltscheuer ist sauer: „Ich verwende 350 Gramm Nudeln und 180 Gramm Wurst.“

Zudem habe sich der Prüfer bei der Addition der Waren um 200 Kilo verrechnet. „Jeder Schüler kann besser rechnen“, poltert der Wirt. „Der Prüfer setzte auch noch falsche Verkaufspreise an - die Rechnung ist Willkür, Finanzamts-Diktatur!“ Das sehen die Gäste ebenso. UPS-Bote Alexander Trebisow (39): „Wenn die Portionen kleiner und teurer werden, komme ich nie wieder her.“

Der Gastwirt ruft für 20. September, 16 Uhr, zur Demo gegen das Finanzamt auf dem Altmarkt in Plauen auf: „Gemeinsam wollen wir den Imbiss retten!“Das Finanzamt sagte auf Anfrage nichts zu dem Vorgang. (bri)