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Montag, 25.08.2014

Schnelles Internet kommt in Sachsen nur langsam voran

Beim Breitband-Ausbau wächst die Lücke zwischen Großstädten und Landkreisen. Mobilfunk hilft nur bedingt.

Von Andreas Rentsch

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Glasfaserkabel für die Breitbandversorgung: „Turbointernet“ ist bislang nur für 15 Prozent der Haushalte in Mittelsachsen verfügbar.
Glasfaserkabel für die Breitbandversorgung: „Turbointernet“ ist bislang nur für 15 Prozent der Haushalte in Mittelsachsen verfügbar.

© dpa

Dresden/Berlin. Heute Nachmittag will Stanislaw Tillich wieder mal öffentlichkeitswirksam aufs Knöpfchen drücken. Der Ministerpräsident wird in Kloster Buch bei Leisnig erwartet, um das Breitbandnetz in Mittelsachsen in Betrieb zu nehmen. Breitband, das heißt „flächendeckend mit mindestens zwei Mbit pro Sekunde“, sagt ein Sprecher des Kreises auf Nachfrage der SZ.

Zwei Megabit? Das mag für E-Mails, Chatten und tägliches Surfen reichen. Doch wer bei dieser Datenrate auf den Download von Urlaubsfotos oder Videos warten muss, schimpft bald auf das vermeintliche „Turbointernet“.

Schnell, das wären eher 30 Mbit pro Sekunde oder mehr. Doch dieses Tempo ist bislang nur für 15 Prozent der Haushalte in Mittelsachsen verfügbar. So steht es in einer Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage des Dresdner Grünen-Abgeordneten Stephan Kühn. Auch andere sächsische Landkreise haben bei der vom Bundesverkehrsministerium beauftragten Erhebung schwach abgeschnitten. Betrachtet man die Breitband-Versorgung über Leitungen und Mobilfunk gemeinsam, werden im Erzgebirgskreis nur 17 Prozent der Haushalte mit 30 Mbit/s und mehr versorgt. Auf knapp ein Drittel kommen die Kreise Sächsische Schweiz/Osterzgebirge, Nordsachsen, Leipziger Land und Zwickau.

In den Großstädten sind die Netzbetreiber dagegen viel weiter. Mit 30 Mbit und mehr können 92 Prozent der Leipziger, 87 Prozent der Dresdner und 60 Prozent der Chemnitzer im Internet surfen. Dass die Schere zwischen den Zentren und den ländlichen Regionen inzwischen so weit auseinandergeht, habe ihn überrascht, sagt der Grünen-Politiker Miro Jennerjahn. Ein Fünftel der ländlichen Kommunen in Sachsen befinde sich beim leitungsgebundenen Netzausbau auf dem Stand von 2006.

Die Netzbetreiber versuchen, die Versorgungslücken zu stopfen, indem sie den Funkstandard LTE ausbauen. Doch der krankt unter anderem daran, dass das Surftempo sinkt, je mehr Nutzer in einer Funkzelle aktiv sind. LTE sei kein Ersatz für leitungsgebundene Zugänge, allenfalls eine Ergänzung, sagt Jennerjahn.

Superschnelle Internetzugänge, bei denen Glasfaserkabel bis ins Haus oder gar in die Wohnung verlegt werden, wären die Lösung. So wie in Chemnitz: Die Stadt kann fast ein Viertel ihrer Haushalte mit 50 Mbit pro Sekunde über Glasfaser versorgen. Dresden und Leipzig sind mit acht und fünf Prozent abgehängt.

Auch andere Kommunen, darunter Görlitz, schieben derzeit Glasfaser-Projekte an. Laut schwarz-rotem Koalitionsvertrag sollen bis 2018 flächendeckend Netzzugänge mit mindestens 50 Mbit verfügbar sein.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 17 Kommentare

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  1. Surfer

    Das Internet kommt in Sachsen nur langsam voran, ok. Gibt es in Sachsen etwas das schnell vorankommt?

  2. Didi

    Problematisch sind leider auch Vermieter, die sich dagegen wehren, dass an ihren Gebäuden entsprechende kleinere Arbeiten vorgenommen werden, damit z. B. ein Kabelnetzbetreiber auch Internet über TV-Kabel anbieten kann. Dem Herrn Jennerjahn gebe ich recht. UMTS und LTE ist kein Breitbandersatz. In meinen Augen auch keine Ergänzung, sondern nach meinen bisherigen Erfahrungen eher eine Zumutung (Geschwindgkeit nicht konstant, regelmäßige Verbindungsabbrüche...). Die Preise sind auch deutlich teurer als leitungsgebundenes Internet und echte Flatrates mit unbegrenzt Volumen gibt es ebenso nicht.

  3. db

    Ja: die jährliche Anhebung der Diäten unserer Landtagsabgeordneten. Und das in schöner Regelmäßigkeit ....

  4. schlaumeier

    Erhebungen über die Breitbandversorgung sind auch vom Landkreis Bautzen schon häufig veranstaltet worden. Das dafür verwendete Geld sollte besser in den Ausbau fließen. Ja das Lieblingskind von Herrn Biedenkopf, die Landesbank, kostet uns immerhin schlappe 3 Milliarden Euro, was uns nun für den Ausbau fehlt. Außerdem ist das Internet eben doch für uns alle Neuland, wie Frau Merkel sagte.

  5. Trutzburg

    @Surfer: Anträge für einen umgehenden Baustopp und vorläufige Unterlassungen... Siehe auch die Diskussion zur WSB *wegduck*

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