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Dienstag, 08.05.2018

Schneller einschlafen – aber wie?

Viele Kinder finden keine Ruhe oder wachen auf. Schlafmediziner erklären am Lesertelefon, was Eltern tun können.

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Rituale am Abend sind für Kinder wichtig. Mit einem Kuscheltier schläft es sich gleich viel besser.
Rituale am Abend sind für Kinder wichtig. Mit einem Kuscheltier schläft es sich gleich viel besser.

© Mauritius images

  • Rituale am Abend sind für Kinder wichtig. Mit einem Kuscheltier schläft es sich gleich viel besser.
    Rituale am Abend sind für Kinder wichtig. Mit einem Kuscheltier schläft es sich gleich viel besser.
  • Die Fragen beantworteten Dr. Eva Seeger, Kinderpsychiaterin an der Uniklinik Dresden (l.), Psychologin Dr. Carolin Marx vom Zentrum für gesunden Schlaf Dresden, Schlafmediziner Dr. Stephan Eichholz, Städtisches Klinikum Dresden.
    Die Fragen beantworteten Dr. Eva Seeger, Kinderpsychiaterin an der Uniklinik Dresden (l.), Psychologin Dr. Carolin Marx vom Zentrum für gesunden Schlaf Dresden, Schlafmediziner Dr. Stephan Eichholz, Städtisches Klinikum Dresden.

Mein Sohn ist sieben Monate alt. Nachts ist er oft munter und lässt sich nur an der Brust beruhigen. Dabei habe ich das Gefühl, dass er nicht wirklich wach ist. Ist das normal?

Die meisten Kinder in dem Alter werden nachts mehrfach munter. Meist suchen sie nur die Nähe zu den Eltern. Das Kind sollte dann besser im Bett bleiben und dort durch Streicheln beruhigt werden. So findet es schneller zur Ruhe, als wenn man es hochnimmt oder das Licht anschaltet. Einmal in der Nacht stillen reicht in dem Alter.

Meine zehn Monate alte Tochter schläft nur auf meinen Armen ein, wenn ich ein Lied singe. Sie wird nach zwei bis drei Stunden wach und lässt sich nicht mehr beruhigen.

Ziel sollte sein, dass Ihr Kind lernt, allein in seinem Bett einzuschlafen. Wichtig sind dabei abendliche Rituale wie Singen. Noch ist es eine ungewohnte Situation, wenn es nachts munter wird und allein ist. Es sucht dann erst einmal die Nähe.

Meine Tochter (22 Monate) kommt spät zur Ruhe. Nachts wird sie alle drei Stunden wach. Dann will sie trinken. Mitunter weint sie auch sehr oder fängt an zu reden. Wie lässt sich das ändern?

Das nächtliche Trinken sollten Sie einschränken. Das braucht Ihr Kind in dem Alter nicht mehr. Und sprechen Sie besser vor dem Einschlafen über die Erlebnisse des Tages mit dem Kind und nicht nachts.

Unsere Tochter (19 Monate) weint schnell oder erschrickt im Schlaf. Sie beruhigt sich, wenn sich ein Elternteil auf eine Matratze neben ihr Bett legt. Wir selbst kommen aber nur schlecht wieder zur Ruhe. Was können wir tun ?

Ihre Tochter im Bett beruhigen und nach einer gewissen Zeit wieder gehen. Wenn Sie es immer wieder tun, wird es für das Kind zur Gewohnheit, auf die es wartet.

Unser fast fünfjähriger Sohn schläft sehr gut ein. Ein- bis zweimal pro Woche fängt er eine Stunde später an zu weinen, ist aber nicht richtig wach und pullert ins Bett. Er ist nachts noch nicht trocken. Wir haben versucht, ihn dann auf Toilette zu bringen oder zu wecken. Aber das erschreckt ihn sehr.

Es ist noch normal, dass ein Kind im Alter von fünf Jahren einnässt, wenn es nachts noch nie trocken war. Anstatt ihn im Schlaf zur Toilette zu bringen, ist es aber besser, auf die Trinkmenge vor dem Zubettgehen zu achten und darauf, dass er kurz vor dem Schlafengehen auf Toilette geht.

Meine vierjährige Urenkelin dreht ihren Kopf und macht dazu laute Geräusche um einzuschlafen. Das wiederholt sich, wenn sie zwischendurch munter wird. Ist das normal?

Ja, Kinder wackeln beim Einschlafen häufig mit dem Kopf (Jaktationen). Das ist nicht bedenklich, wenn es nicht stundenlang und über Jahre geht. Meist verliert sich das nach einer gewissen Zeit.

Meine Enkelin (6 Monate) schläft im Schlafsack, ist dabei körperlich aber unruhig. Sie zappelt so sehr, dass sie selbst davon aufwacht. Woran liegt das?

Es gibt verschiedene Schlafphasen. Im jungen Säuglingsalter unterscheidet man zwischen ruhigem und aktivem Schlaf. Aus diesem aktiven Schlaf entwickelt sich später der REM- oder Traumschlaf. Dabei ist es normal, dass es auch sehr heftige ruckartige Bewegungen gibt, sodass die Kinder dabei auch mal erwachen können.

Unser einjähriger Sohn schläft von 21 bis 9 Uhr sowie mittags 13 bis 15 Uhr. Nachts schläft er bis auf eine kleine Unterbrechung gegen 2 Uhr durch. Wir werden aber oft wegen der späten Zubettgehzeit kritisiert.

Ihr Sohn schläft insgesamt 14 Stunden, und das ist sehr gut. Insofern müssen Sie nichts an den Ritualen ändern.

Mein Sohn (3 Jahre) hat Einschlafprobleme. Wir gehen nach dem Essen duschen, schauen Sandmann und einen Trickfilm, dann lese ich eine Geschichte vor, eine Geschichte gibt es noch von der CD. Der Kleine reizt es aber weiter aus, will pullern, trinken, essen. Dazu holt er sich Spielzeug ins Bett. Am nächsten Tag ist er müde. Wie bekommen wir ihn abends zur Ruhe?

Sie sollten die Einschlafrituale verkürzen. Es sind zu viele Reize, die auf Ihren Sohn einwirken. Bei einer Hörspiel-CD wollen die Kinder meist das Ende hören. Suchen Sie also eher was Ruhiges und Kurzes aus. Es reicht auch eine Geschichte oder das gemeinsame Anschauen eines Buches. Die Schlafumgebung muss reizarm sein. Das Spielzeug sollte außer Sichtweite.

Meine fast vierjährige Tochter schläft sehr unruhig und wacht mehrfach nachts auf. Sie dreht sich, sitzt, legt sich wieder hin. Was kann ich tun?

Diese aktive Phase kann zum Schlaf gehören. Vielleicht ist ihre Tochter in dieser Zeit gar nicht richtig wach. Dann ist es unbedenklich. Wird sie tatsächlich wach, sollten Sie beruhigend auf sie einwirken.

Meine Zwillinge (6 Jahre) haben unterschiedliche Schlafgewohnheiten. Einer von ihnen kommt nachts immer raus.

Es ist normal, dass ein Kind mehr als das andere die Nähe sucht. Vielleicht hat es unbewusste Ängste. Es gibt in dem Alter auch viele Fantasien. Eine Weile kann man das tolerieren. Wer aber nicht möchte, dass das Kind im Elternbett bleibt, sollte es konsequent ins eigene Bett zurückbringen, auch wenn es protestiert. Es muss aber spüren, dass Mutter und Vater nahe sind.

Mein acht Wochen altes Kind schläft sehr wenig und wenn, dann nur bei Bewegung ein, also in der Babyschale oder beim Wiegen. Ist das normal?

Führen Sie ein Schlafprotokoll, um feststellen zu können, ob Ihr Kind ausreichend schläft. In dem Alter sind bis zu 20 Stunden normal. Möglicherweise stellen Sie so ganz andere Zeiten fest. Zudem sollten Sie Nahrungsaufnahme und Schreiphasen aufnehmen und mit dem Kinderarzt oder der Hebamme besprechen. Der Säugling beginnt erst im dritten oder vierten Monat, sich an einen Tag-Nacht-Rhythmus zu gewöhnen.

Meine dreijährige Tochter schläft nicht allein ein, weil sie Angst vor einem nicht existierenden Monster hat.

Nehmen Sie die Ängste ernst. Vertreiben Sie mit dem Kind das Monster, sperren es aus oder geben Sie ihr ein Lieblings-Kuscheltier, was sie beschützt.

Meine drei Enkelkinder, Zwillinge (2) und ein Junge (1), schlafen in einem Zimmer. Ist das in Ordnung?

Ja. Kinder schlafen sogar lieber in Gesellschaft. Es ist sogar gut, weil sie lernen, bei äußerlichen Einflüssen einzuschlafen.

Mein vierjähriger Sohn braucht abends und mittags lange, um einzuschlafen. Er schläft aber nachts 13 Stunden und tagsüber nochmal bis zu drei Stunden.

Es kann sein, dass die Nachtschlafenszeit Ihres Sohnes schon ausreichend ist und er keinen Mittagsschlaf mehr braucht. Dann ist abends der Druck groß genug, dass er schneller einschläft.

Mein Kind ist fünf Jahre alt und soll im Kindergarten mittags schlafen. Dann schläft es aber abends erst sehr spät ein.

Im Alter von fünf Jahren brauchen nur noch etwa 15 Prozent der Kinder Mittagsschlaf. Ruhezeiten mit Musikhören und Spielen sind allerdings sinnvoll.

Notiert von Gabriele Fleischer.