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Samstag, 25.02.2017

Schneider Mineralöl meldet Insolvenz an

Die Firma gehört zu den größten Ostdeutschlands. Geschäftsführer Wolfgang Schneider bleibt optimistisch.

Von Peter Anderson

Das tägliche Geschäft: Ein Mitarbeiter der Firma Mineralöl Schneider füllt Heizöl in einen Tanklastwagen.
Das tägliche Geschäft: Ein Mitarbeiter der Firma Mineralöl Schneider füllt Heizöl in einen Tanklastwagen.

© SZ-Archiv/Nikolai Schmidt

Meißen. Eine kurzfristige Liquiditätsklemme hat jetzt dazu geführt, dass mit der Schneider Mineralöl GmbH das umsatzstärkste Unternehmen im Landkreis Meißen Insolvenz anmelden musste. Geschäftsführer Wolfgang Schneider bestätigte damit am Freitagabend eine Information der Sächsischen Zeitung. Er sei jedoch guter Dinge, die Insolvenz mit seinem Unternehmen bald wieder verlassen zu können.

Zwei weitere Firmen der Gruppen – wozu auch die EPT-Tankstellen zählen – sind seinen Angaben zufolge nicht betroffen. Laut Amtsgericht Dresden ist der Dresdner Rechtsanwalt Olaf Seidel am Dienstag zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt worden. Der ist im Landkreis Meißen bereits ein guter Bekannter. So wickelte Seidel hier unter anderem die Insolvenz der Gruppe von Hotelier Claus Scholze mit den Häusern Goldener Löwe, Residenz, Markt 6, Burgkeller und Knorre ab. Auch die Schwerter Brauerei ging durch seine Hände und fand einen Sanierer.

Die Nachricht über die Insolvenz kommt überraschend. In der von der LBBW Sachsen Bank jährlich erstellten Rangliste der 100 größten Unternehmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen belegt das Unternehmen mit einem Umsatz von 200 Millionen Euro und 73 Mitarbeitern Platz 81. Die Basis bilden die Bilanzen von 2015. Drei Jahre zuvor konnte Schneider mit einem Umsatz von rund 300 Millionen Euro und 100 Beschäftigten allerdings noch stärkere Zahlen vorweisen.

Der Markt, in dem der Meißner Mineralölhändler agiert, ist in den letzten Jahren durch heftige Preisausschläge nach unten und oben gekennzeichnet. So fiel der Importpreis für Rohöl in Deutschland 2016 um 19,4 Prozent auf 286,50 Euro je Tonne. Die importierte Menge veränderte sich kaum und betrug mit 91,1 Millionen Tonnen 0,2 Prozent weniger als im Vorjahr.

Der Ölpreis war bereits Ende 2014 drastisch zurückgegangen. Bis Anfang 2016 setzte sich der Einbruch fort. Seitdem hat sich der Preis etwas erholt. Ein 159-Liter-Fass der Nordseesorte Brent kostet inzwischen rund 55 Dollar – so viel wie Mitte 2015. Zum Vergleich: Mitte 2014 hatte sich der Preis noch bei mehr als hundert Dollar bewegt. Vermutlich verringern sich mit den fallenden Preisen auch die Gewinnspannen für die Weiterverkäufer.

Nach Angaben auf der firmeneigenen Homepage wurde die Schneider Mineralöl Meißen GmbH 1998 gegründet. Zu den Hauptgeschäftszweigen gehören der Groß- und Einzelhandel von Mineralölprodukten, festen Brennstoffen, biogenen Kraftstoffen sowie der Betrieb von Tankstellen und Automaten-Tankstationen.

Das Kerngeschäft des Unternehmens spielt sich in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Baden-Württemberg ab. Dort unterhält das Unternehmen insgesamt fünf Verkaufsniederlassungen, ein Schwesterunternehmen mit gleicher Struktur sowie die Firmenzentrale in Meißen. Durch einen Fuhrpark von 34 Zugeinheiten können die Kunden größtenteils mit eigener Technik beliefert werden

In Meißen gilt Schneider Mineralöl als bewährtes Unternehmen. So trat die Gesellschaft in der Vergangenheit beispielsweise als Sponsor der sächsischen Weinhoheiten auf oder unterstützte die Tombola der Meißner Weihnacht. Geschäftsführer Wolfgang Schneider, Jahrgang 1953, pflegt enge Kontakte in die Kommunalpolitik und sitzt selbst im Kreistag. Es ist erst knapp drei Jahre her, als seine Firma von ihrem angestammten Standort auf der Hafenstraße nach Korbitz zog.

Der Betrieb hatte dort einen Teil des Geländes der früheren Rinderzuchtanlage erworben. Zwar war auf der Hafenstraße viel getan worden, um den Betrieb hochwassersicher zu gestalten. Doch 2013 zeigte, dass die mit den Elbefluten verbundenen Probleme auf die Dauer das Geschäft zu sehr behinderten, so Schneider zur Eröffnung des neuen Standortes. Hinzu kam: Das Unternehmen konnte die aus der DDR stammenden Ställe in Korbitz sehr gut als Lagerflächen für seine Schmierstoffe, Hydrauliköle, Festbrennstoffe und sonstige Waren nutzen. Bis dahin hatten diese von der Zentrale getrennt gelagert. Die Abläufe ließen sich effektiver organisieren.

200 000 Euro investierte Schneider Mineralöl für den Umbau und die neue Einrichtung. Dazu kamen mehrere zehntausend Euro, die Schneider mit seiner Mannschaft selbst an Arbeit in die Immobilie steckte. Die drei firmeneigenen Handwerker waren gefordert, viel eigene Technik kam zum Einsatz.