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Dienstag, 07.03.2017

Schluss mit der Schmiererei

Mit einem eher ungewöhnlichen Projekt gehen Bautzener jetzt gegen rechte und linke Parolen vor – mit kleinen Anreizen für betroffene Hauseigentümer.

Von Sebastian Kositz

Auch dieses Haus in der Bautzener Theatergasse ist bereits beim Projekt „Street Kotze“ erfasst.
Auch dieses Haus in der Bautzener Theatergasse ist bereits beim Projekt „Street Kotze“ erfasst.

© Robert Michalk

Bautzen. Beschmierte Fassaden, wohin das Auge blickt. Rechte und linke Gruppen haben Bautzen in den vergangenen Monaten mit politischen Parolen regelrecht zugepflastert. Viele Menschen haben längst die Nase voll davon. Dem Geschmiere Einhalt zu bieten, gelingt indes allerdings kaum. Doch genau das hat sich jetzt eine neue Initiative vorgenommen – und verfolgt dabei ein ungewöhnliches Konzept.

Seit Ende Februar dokumentiert eine Handvoll Leute in Bautzen sämtliche politischen Schmierereien – ganz egal ob von rechts oder links. Dazu werden von den Parolen Fotos gemacht, die Bilder und Orte anschließend im Internet auf einem digitalen Stadtplan vermerkt. Aktuell sind dort schon etliche Dutzend Punkte zu finden. „Wir sind selbst sehr überrascht, wie voll die Karte ist“, sagt Annalena Schmidt, eine der Mitbegründerinnen der Initiative.

Alles soll dokumentiert werden

Den Initiatoren geht es einerseits darum, zunächst erst einmal alle politischen Schmierereien in Bautzen genau zu dokumentieren. „Generell ist jeder aufgerufen, mitzumachen“, erklärt Annalena Schmidt. Es genügt, den Betreibern der Seite eine E-Mail zu senden. Zugleich wollen die Macher mit ihrer Dokumentation aber auch dazu motivieren, dass die Schmierereien entfernt werden – und haben dafür jetzt in der Startphase sogar eine finanzielle Belohnung ausgesetzt. Den ersten zehn Eigentümern, welche die politischen Graffiti an ihren Fassaden entfernen, winken je zehn Euro. Geld, das die Mitwirkenden der Initiative immerhin aus eigener Tasche zahlen.

Die Idee zu dem Projekt mit dem Namen „Street Kotze“ hatten die Initiatoren nicht zuletzt auch nach wiederholter Berichterstattung in der Sächsischen Zeitung. Der Name der Initiative, zusammengesetzt aus dem englischen Wort für Straße und dem deutschen Wort Kotze, klingt ungewöhnlich – lehnt sich aber als Gegenbegriff an die Kunstform „Street Art“ an und deklariert die politischen Parolen gewissermaßen zu einem hässlichen Auswurf.

OB lobt den Vorstoß

Der ungewöhnliche Ansatz mit dem noch ungewöhnlicheren Namen erfährt indes bereits freudigen Zuspruch. Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (parteilos) lobt den Vorstoß. „Die Stadt wird das in jedem Fall unterstützen, auch wenn wir derzeit noch nicht wissen, wie das konkret aussehen wird“, erklärt der Rathauschef, der zugleich auf andere Projektideen verweist. So verfolgen die Josua-Gemeinde und das Bürger Bündnis Bautzen das Vorhaben, gemeinsam mit Geflüchteten Graffiti zu beseitigen. „Wir müssen beginnen, diese Ideen zusammenzuführen und zu koordinieren“, erklärt Alexander Ahrens.

Dem neuen Projekt offen aber abwartend gegenüber zeigt sich der FDP-Stadtrat Mike Hauschild. Der Bautzener hatte zuvor bereits eigene Ideen unterbreitet, um den Schmierereien Herr zu werden. Dazu zählt auch der Vorschlag, dass die Stadt Eigentümern bei den Reinigungskosten finanziell unter die Arme greift. Dem erteilt der OB jedoch eine klare Absage: „Eine finanzielle Unterstützung der Hauseigentümer wird es in diesem Punkt nicht geben.“ Zugleich hatte Mike Hauschild einen Aktionstag zur Verschönerung von Fassaden ins Spiel gebracht. Ähnliches könnten sich auch die Macher von Street Kotze vorstellen. „Unser Ziel ist es, dass die Karte irgendwann leer ist“, sagt Annalena Schmidt.

www.street-kotze.de