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Montag, 12.06.2017

Schluckenauer „Wölfe“ sind Mischlinge

Zwei von drei Jungtieren sind tot, der Dritte soll erschossen werden. Auf deutscher Seite sind reinrassige Graupelze unterwegs.

Von Thomas Mielke

Ein Ausschnitt aus dem Video tschechischer Naturschützer, das die Tiere im Oktober 2016 zeigt.
Ein Ausschnitt aus dem Video tschechischer Naturschützer, das die Tiere im Oktober 2016 zeigt.

Region. Nur einer der immer wieder fotografierten und gefilmten Tiere im Schluckenauer Zipfel ist tatsächlich ein Wolf: Die Mutter der kleinen Familie. Der Vater ist ein Hund, wie das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ jetzt unter Berufung auf genetische Untersuchungen der Prager Charles-Universität und des deutschen Labors für Naturschutzgenetik am Senckenberg Forschungsinstitut in Gelnhausen mitteilte. Demnach sind die drei Jungtiere aus der Region Rumburk (Rumburg) Mischlinge beziehungsweise Hybriden. Zwei der Jungtiere sind bereits tot. „Einer starb bei einem Autounfall, der Zweite wurde von einem Jäger erlegt“, teilte das Kontaktbüro weiter mit. Das tschechische Umweltministerium habe die örtlichen Jäger mit dem Abschuss des dritten Tieres beauftragt. Grund dafür ist der Artenschutz. „Wildtier-Haustier-Mischlinge werden in der Regel aus der Natur entfernt, um eine Ausbreitung der Haustiergene in der Wildpopulation zu verhindern“, heißt es zur Erklärung. „Da Mischlinge rechtlich dem strenger geschützten Elterntier, in diesem Falle also dem Wolf, gleichgestellt sind, ist für ihre Entnahme aus der Natur in der Regel eine naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung erforderlich.“ Die Gleichstellung diene in erster Linie dazu, reinrassige Individuen vor einem versehentlichen Abschuss zu bewahren.

Bisher ist der Mischling noch nicht erschossen worden. Möglich ist, dass er sich inzwischen in Deutschland aufhält oder immer wieder die Grenze passiert. Auch in Sachsen droht ihm der Tod. „Im Managementplan für den Wolf in Sachsen ist geregelt, dass Hybriden aus der Population entfernt werden sollen“, schreibt das Büro, das vom Umweltministerium installiert und vom Landkreis Görlitz betrieben wird. „Ein höheres Gefährdungspotenzial für Menschen geht durch Hybriden, die in freier Wildbahn von einer Wolfsmutter aufgezogen wurden, nicht aus, wie internationale Erkenntnisse zeigen.“

Darüber hinaus bestätigt das Büro Nachweise von Wölfen in der Region Löbau-Zittau. „Im Rahmen des Monitorings wird versucht, in den nächsten Monaten zu klären, ob in diesen Gebieten bereits Wölfe sesshaft geworden sind“, heißt es. Unklar ist derzeit, was aus dem Cunewalder Rudel geworden ist, da es zu wenige Sichtungen gab. Insgesamt konnten in den letzten Monaten die Existenz von 15 der bisher 19 bekannten sächsischen Wolfsrudel erneut nachgewiesen werden.

An dieser Stelle zeigen wir ein Video der jungen Tiere, das tschechische Naturschützer im vergangenen Herbst aufgenommen haben – damals noch in der Annahme, „reine“ Wölfe vor der Kamera zu haben.