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Samstag, 13.01.2018

Schlegler Teicheverein löst sich auf

Die Mitglieder sorgten bisher für Ordnung in dem Naherholungsgebiet. Nun stellen viele die Frage, wie es weitergeht.

Von Jan Lange

Otmar Diecks will kürzer treten. Der Schlegler hat deshalb den Vorsitz des Teichevereins abgegeben. Da sich kein Nachfolger fand, wird der Verein nun aufgelöst.
Otmar Diecks will kürzer treten. Der Schlegler hat deshalb den Vorsitz des Teichevereins abgegeben. Da sich kein Nachfolger fand, wird der Verein nun aufgelöst.

© Rafael Sampedro

Schlegel. Das große Schild „Teicheverein Schlegel“ hat Otmar Diecks bereits abgehängt. Und damit viele Fragen bei den Besuchern der Schlegler Teiche hervorgerufen. Die Mitglieder des Teichevereins haben in den vergangenen Jahren für Ordnung und Sauberkeit in dem Naherholungsgebiet gesorgt. Regelmäßig wurden die Papierkörbe geleert, liegengebliebener Müll eingesammelt, kaputte Bänke repariert, die Wiesen gemäht, Unkraut gejähtet und die Sanitäranlagen, die 2014 errichtet wurden, sauber gehalten und in der Saison täglich geöffnet und abends wieder verschlossen.

Damit ist jetzt Schluss. Der Verein hat seine Auflösung beschlossen. In seinen besten Zeiten zählte der Verein fast 50 Mitglieder. Zuletzt sind es gerade mal noch elf gewesen. Und von denen ist auch nur ein kleiner Teil tatsächlich aktiv gewesen, wie Diecks sagt. Die Arbeit sei im Gegenzug aber nicht weniger geworden, gibt der Vereinsvorsitzende zu bedenken.

Der fehlende Nachwuchs sei aber nur ein Grund für die Vereinsauflösung. Der Verwaltungsaufwand sei so riesig geworden, dass er vom Verein nicht mehr gestemmt werden konnte. Denn es sind durch den Verein auch Arbeitsmöglichkeiten auf dem zweiten Arbeitsmarkt über Kommunalkombi, Bundesfreiwilligendienst oder Ein-Euro-Jobs geschaffen worden. Darüber hinaus bot der Teicheverein Dienstleistungen für andere Vereine an. Er zog beispielsweise für den Deutschen Kinderschutzbund mit der Hüpfburg von Ort zu Ort. Oder er half einer Stiftung aus Dresden beim Wiederaufbau eines Dreiseithofes. Von diesen Einnahmen wurde die Arbeit an den Schlegler Teichen finanziert. Eine gute Sache, aber der Verein musste deshalb auch wie ein Wirtschaftsbetrieb geführt werden. „Wenn der Verein immer kleiner wird, macht es keinen Sinn mehr“, steht für Diecks fest.

Die Anmeldung der Vereinsauflösung beim Notar soll dieser Tage erfolgen, wie Diecks erklärt. Auch wenn der Verein dann noch theoretisch ein Jahr und einen Tag weiterbesteht, so ist es doch lediglich eine Existenz auf dem Papier. Die Arbeiten hat der Teicheverein bereits eingestellt, Diecks wird demnächst auch die Schlüssel für den Bungalow, den der Verein nutzen konnte, an die Stadt Zittau als Eigentümerin des Geländes zurückgeben. Nun fragen sich die Besucher, wer künftig für die Sauberkeit an den Schlegler Teichen sorgt sowie notwendige Wartungen und Reparaturen übernimmt. Auch Otmar Diecks, der elf Jahre den Teicheverein geleitet hat, weiß darauf noch keine abschließende Antwort. Mit der Stadt werde im Augenblick nach einer Lösung gesucht, wie es weitergehen könnte. Der städtische Bauhof hatte den Verein bereits in der vorigen Saison unter die Arme gegriffen, weil die Anzahl der Helfer immer weiter zurückgegangen war.

Die Bauhof-Mitarbeiter werden aber nicht alles machen können, sagte Schlegels Ortsbürgermeister Frank Sieber (CDU) in der jüngsten Ortschaftsratssitzung. Auch dem Ortschef ist daran gelegen, dass eine Lösung gefunden wird. Denn die Schlegler lieben das idyllische Gewässer, das westlich des Ortes, auf halbem Wege nach Großhennersdorf gelegen ist. Und nicht nur sie. Gäste kommen aus der gesamten Region hierher, um sich zu erholen. Selbst aus Bautzen fährt ein Ehepaar fast täglich an die Teiche.

Als 2007 Schlegel nach Zittau eingemeindet wurde, suchte der damalige Ortsvorsteher Herbert Hempel nach einem Weg, wie das Naherholungsgebiet stabilisiert werden kann. In der Folge gründete sich der Teicheverein. Da Otmar Diecks seit eineinhalb Jahren Rentner ist, will der 65-Jährige jetzt kürzer treten. Da sich niemand fand, der die Führung des Vereins übernehmen wollte, blieb nur die Auflösung als Ausweg.

Er selbst werde sich deshalb nicht komplett von dem Naherholungsgebiet zurückziehen. Die Schlegler Teiche sind Otmar Diecks schließlich ans Herz gewachsen. Kennengelernt hat er das Naturidyll Ende der 1990er Jahre, als er mit seiner Familie nach Schlegel zog. Später war er Vorarbeiter in einer Beschäftigungsmaßnahme der ABS Robur und hatte dadurch fast täglich an den Teichen zu tun. In Zukunft wird eben kein Verein mehr dahinter stehen, der die Verantwortung übernimmt. Dass sich Otmar Diecks weiterhin, in welcher Form auch immer, ehrenamtlich engagiert, schließt er nicht aus. Bis April wird er sich noch einbringen, bis dahin müsse eine Lösung mit der Stadt gefunden sein.