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Schlechter bezahlt und ärmer im Alter

Deutschland hat unter den Industrieländern das größte Rentengefälle zwischen Männern und Frauen, zeigt eine Studie.

05.10.2017
Von Nora Miethke

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r bezahlt und ärmer im Alter
Gemeinsam gelebt, gearbeitet, gealtert – und im Ruhestand: Frauen in Deutschland bekommen im Schnitt nur die Hälfte der Rente von Männern.

© Bildagentur-online/Dietrich

Höhere Bildung zahlt sich für viele junge Frauen in den Industrieländern noch nicht aus. Sie machen zwar öfter Abitur und Hochschulabschlüsse, doch im Berufsleben arbeiten sie öfter in Teilzeit, stoßen an sogenannte gläserne Decken und verdienen bei vergleichbaren Tätigkeiten weniger als ihre männlichen Kollegen. „Auf dem Weg zur Gleichstellung der Geschlechter haben die OECD-Ländern seit 2012 nur geringe Fortschritte erzielt.“ Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrer aktuellen Studie zur Geschlechtergerechtigkeit. Sie wurde am Mittwoch veröffentlicht. Die letzte Studie erschien vor fünf Jahren.

Geschlechtergerechtigkeit sei die Voraussetzung für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum, von dem alle Menschen profitierten, betonte Gabriela Ramos, Personalchefin der OECD-Kommission bei der Vorstellung der Studie „The Pursuit of Gender Equality: An Uphill Battle“ in Paris. Gewalt gegen Frauen, Einkommensunterschiede und die Aufteilung unbezahlter Arbeit sind laut einer Umfrage die drei wichtigsten Themen zur Gleichstellung. Zwar hätten viele OECD-Länder sich dieser Themen schon angenommen, „doch sie müssen mehr tun, um ihre Ziele zur Gleichstellung von Mann und Frau zu erreichen“, heißt es.

Der Bericht untersucht, ob und wie die Mitgliedsländer Geschlechterunterschiede in der Bildung, in der Erwerbsbeteiligung, im Unternehmertum und im öffentlichen Leben reduziert haben. Die Studie ergibt ein gemischtes Bild. Hier die Ergebnisse für Deutschland im Überblick.

Erwerbsrate über OECD-Durchschnitt

Knapp 70 Prozent aller Frauen in Deutschland sind derzeit erwerbstätig. Diese Quote liegt gut zehn Prozentpunkte über dem OECD-Durchschnitt, jedoch weiterhin acht Prozentpunkte unter der von Männern. Doch mehr als jede dritte erwerbstätige Frau (37 Prozent) arbeitet in Teilzeit und das nicht immer freiwillig. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 25 Prozent. Deutsche Frauen erwerben ebenso häufig einen Hochschulabschluss wie deutsche Männer und stellen die Hälfte des Arbeitskräftepotenzials. „Doch die Bildung und Kompetenzen von Frauen werden auf dem deutschen Arbeitsmarkt nicht voll ausgeschöpft“, so ein Fazit der Studie.

Gehaltsunterschiede werden kleiner

Die Teilzeitbeschäftigung beeinflusst die Einkommensentwicklung. Deutsche Frauen verdienen im Durchschnitt 17,1 Prozent weniger als Männer. Aber es hat sich was getan. Belegte Deutschland beim Lohngefälle zwischen den Geschlechtern 2012 noch mit durchschnittlich 22 Prozent Gehaltsunterschied den drittschlechtesten Platz unter den 35 OECD-Ländern, hat sich die Bundesrepublik nun auf den 19. Platz vorgekämpft. Die Studie empfiehlt dennoch mehr Transparenz bei Löhnen und Gehältern und eine bessere Förderung der Erwerbstätigkeit von Frauen. Dazu müssten die Rolle der Väter in der Kinderbetreuung gestärkt werden sowie die Kinderbetreuungsangebote ausgebaut werden, vor allem die am Nachmittag nach der Schule.

Väter zu mehr Elternzeit ermutigen

Die Inanspruchnahme von Elternzeit durch Väter ist essenziell für die Geschlechtergleichstellung auf dem Arbeitsmarkt. Deutschland ist eines von zehn OECD-Ländern, die Vätern starke finanzielle Anreize mit dem Elterngeld bieten, mindestens zwei Monate Elternzeit zu nehmen. Nach der Reform stieg der Anteil der Väter, die Elterngeld beziehen, auf über ein Drittel an. Es sei jedoch ein weiterer Anstieg notwendig, um den Unterschied in der Erwerbsbeteiligung zwischen Männern und Frauen zu verringern, fordern die Autoren.

Noch zu wenige Führungs-Frauen

Die Aufstiegschancen für Frauen sind in Deutschland im Vergleich etwas schlechter. Der Anteil von Richterinnen und Frauen in Führungspositionen liegt mit 29 Prozent knapp unter dem OECD-Durchschnitt von 31,2 Prozent. Zum Vergleich: In Lettland ist fast jede zweite Führungskraft weiblich. Mit einem Anteil von 44 Prozent erreicht das baltische Land das beste Ergebnis. Hingegen sind es in Südkorea nur 10 Prozent, das schlechteste Ergebnis im OECD-Raum. Um die Chancengleichheit in Führungspositionen in Deutschland zu verbessern, seien trotz Frauenquote für Aufsichtsräte und neuer Beförderungsregelungen im öffentlichen Dienst weitere Maßnahmen erforderlich wie etwa Mentoring-Programme und ein verbesserter Zugang zu professionellen Netzwerken.

Höhere finanzielle Risiken für Frauen

Beim Rentengefälle hat sich nichts getan. Wie schon vor fünf Jahren belegt Deutschland den letzten Platz mit dem größten Unterschied zwischen den Geschlechtern. Frauen bekommen im Schnitt nur die Hälfte der Rente von Männern. Zwei Drittel der deutschen Rentner seien aber Frauen. Die Rentenlücke zeigt laut Studie, wie wichtig es sei, die Geschlechterdifferenzen auf dem Arbeitsmarkt zu beseitigen.