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Donnerstag, 24.09.2015

Schlange gestanden fürs Brautkleid

Ernestine und Gerhard Wolf sind seit 65 Jahren verheiratet. Sie sind der Natur sehr verbunden und gehen täglich spazieren.

Von Sylvia Jentzsch

Ernestine und Gerhard Wolf sind seit 65 Jahren verheiratet. Sie lieben die Natur und gehen gern spazieren. Wer Gerhard Wolf kennt, weiß, dass er gern ein Späßchen macht.
Ernestine und Gerhard Wolf sind seit 65 Jahren verheiratet. Sie lieben die Natur und gehen gern spazieren. Wer Gerhard Wolf kennt, weiß, dass er gern ein Späßchen macht.

© Dietmar Thomas

Hartha. Zwei Hufeisen haben Ernestine und Gerhard Wolf zur eisernen Hochzeit von ihren Kindern bekommen. Sie sollen den beiden Rentnern Glück bringen, vor allem viel Gesundheit und noch eine gemeinsame, schöne Zeit. Gefeiert wird am Sonntag im großen Familienkreis. Dann werden auch viele der sieben Enkel und zwölf Urenkel dabei sein.

Ernestine Wolf (86) kam nach dem Krieg aus Siebenbürgen und Gerhard Wolf (86) aus Schlesien. Die beiden Vertriebenen fanden bei Bauern in Steina eine Unterkunft und Arbeit. Kennengelernt haben sie sich beim Tanz im Gasthof in Steina. Damals verdiente Gerhard Wolf 60 Mark im Monat. „Davon konnte man keine Familie ernähren. Deshalb ging ich zur Polizei nach Leipzig“, so der Rentner. Weil er deshalb viel unterwegs war, kümmerte sich vor allem Ernestine Wolf um die Vorbereitungen des Festes. „Das war gar nicht so einfach. Für den Stoff für das Brautkleid musste ich im Konsum anstehen. Den Anzug und das Hemd habe ich von einer Bekannten. Und auch sonst war es schwierig, Lebensmittel für die Feier zu bekommen“, sagte die Jubilarin.

Mit einem Kleinbus ging es bei strahlendem Sonnenschein von Steina nach Hartha auf das Standesamt und weiter mit dem Bus nach Waldheim zur kirchlichen Trauung. Gefeiert wurde in einem Raum der Papierfabrik Steina, in der Ernestine Wolf arbeitete. „Es war eine wunderschöne Feier. Wir hatten viel Spaß“, so die beiden Jubilare. Sie bekamen damals zwei Zimmer in der Kummersmühle. Mit zwei Kindern war es dann doch zu eng und so zogen die Wolfs nach Saalbach. Er hörte bei der Polizei auf und arbeitete in den Elmowerken. Dort holte er dann auch den Abschluss zum Facharbeiter nach.

Später war der Familienvater in der Spindelfabrik tätig und qualifizierte sich dort zum Meister. Als einen Lottogewinn bezeichnen die zwei Rentner ihre Vier-Raumwohnung an der Nordstraße bei der Wohnungsgenossenschaft. Sie zogen am 1. September 1959 ein und sind immer noch glücklich, in dieser Wohnung zu wohnen.

Als Ernestine und Gerhard Wolf noch gesundheitlich fit waren, hatten sie einen großen Garten am Wäldchen. Hier wurden nicht nur Gemüse angepflanzt, sondern auch Kaninchen gezüchtet. Schon immer war Familie Wolf der Natur verbunden. „Es gibt im Umkreis von 20 Kilometern keinen Weg, den ich nicht kenne“, so Ernestine Wolf. Ihr Mann ist bis vor zwei Jahren noch jährlich 1 500 Kilometer mit dem Rad gefahren. Das geht nicht mehr. Dafür stehen tägliche Spaziergänge auf dem Plan.