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Dienstag, 17.04.2018

Schlafstörungen und Angstzustände

Statistisch gesehen sind Einbrüche in der Region selten. Doch wen es trifft, der hat mitunter lange mit den Folgen zu kämpfen, wie Studien zeigen.

Von Stefan Lehmann

So berichtete die SZ am Montag, 16.April, über einen ungebetenen Gast in einer Riesaer Wohnung. Welche Folgen hat solch ein Fall auf die Betroffenen? Das hat die SZ einen Experten gefragt.
So berichtete die SZ am Montag, 16. April, über einen ungebetenen Gast in einer Riesaer Wohnung. Welche Folgen hat solch ein Fall auf die Betroffenen? Das hat die SZ einen Experten gefragt.

© Repro: SZ

Riesa. Die Tür ist mittlerweile doppelt gesichert, doch trotzdem schreckt die junge Riesaerin immer noch bei jedem Geräusch aus dem Schlaf. Alleine übernachtet sie überhaupt nicht mehr in der Wohnung ihres Freundes, erzählt sie. Schuld daran ist ein Bekannter des Wohnungsbesitzers. Der war quasi in die Wohnung eingebrochen (SZ am Montag). Zwar ist die Sache nun mehr als ein halbes Jahr her, doch der Schock sitzt noch immer tief bei der Frau.

Die Riesaerin ist dabei kein Einzelfall, erklärt Arne Dreißigacker. Er arbeitet beim Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN), das sich unter anderem mit Wohnungseinbrüchen und seinen Folgen befasst. Bereits im Jahr 2014 hatten er und seine Kollegen mehr als 1 300 Einbruchsopfer aus fünf Großstädten nach ihrer Situation befragt. Das Bild war relativ deutlich. „Es gibt unter den Befragten eine Gruppe, die schwer belastet war, bis hin zu traumaähnlichen Reaktionen.“ So hätten drei Viertel der Befragten angegeben, sie fühlten sich wegen des Einbruchs in ihrer gewohnten Umgebung unsicher. Bei fast der Hälfte davon behielt dieses Gefühl auch nach mehr als acht Monaten noch an. Andere berichten von Gefühlen der Macht- und Hilflosigkeit, von Stress und Anspannung. Teils genügte dabei schon ein Einbruchsversuch als Auslöser.

Betroffene wollen ausziehen

Die Schlafstörungen, von denen die Riesaerin berichtete, teilten demnach zwei von fünf Einbruchsopfern. Ebenso hoch lag der Anteil derjenigen, die von starken Angstgefühlen berichteten. Insbesondere das Unsicherheitsgefühl sieht Arne Dreißigacker als typische Folge nach Einbrüchen. Und es trifft nicht nur auf die eigenen vier Wände zu. „Es hat auch Einfluss darauf, wie ich mich draußen verhalte.“ Für viele Mieter, bei denen eingebrochen wurde, sei das auch ein „initiales Ereignis, etwas zu tun“, also, weitere Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. „Das beginnt etwa damit, dass die Tür auch dann abgeschlossen wird, wenn man nur kurz aus der Wohnung geht.“ Viele Mieter greifen, wenn möglich, sogar zum Äußersten: „Ein Großteil der Befragten versucht, die Wohnung zu wechseln.“ Die drastische Maßnahme zeigt, wie sehr ein Einbruch das Sicherheitsgefühl beeinträchtigt.

Einen Kontakt zwischen Tätern und Opfer gibt es übrigens selten. Laut Studie des KFN waren nur in einem Fünftel der Fälle die Mieter überhaupt in Haus oder Wohnung. Bemerkt wurden die Täter lediglich in etwas mehr als acht Prozent der Fälle, nur in vier Prozent kam es zu einem direkten Kontakt. Wohl auch, weil Einbrecher meist die Tat abbrechen, wenn sie bemerken, dass die Wohnung eben nicht unbewohnt ist, so die Vermutung der Forscher.

Freilich treffen die schwersten Folgen längst nicht jeden. „Es gibt eine Gruppe, die sich von den Einbrüchen relativ unbelastet zeigte“, sagt auch Arne Dreißigacker. Das zeigt auch der Fall einer Seniorin aus Riesa. Sie erklärte jüngst vor dem Amtsgericht, nach dem anfänglichen Schock über den Einbruch komme sie nun damit zurecht. Statistisch gesehen haben übrigens besonders junge Leute sowie Senioren stärker mit den psychischen Folgen von Einbrüchen zu kämpfen, so die Studie.

Hilfe für Einbruchsopfer kann unter anderem der Weiße Ring vermitteln: Telefon 015155164731. Tipps zum Schutz vor Einbrechern gibt die Polizei unter ihrer Internetseite www.polizei-beratung.de.