sz-online.de | Sachsen im Netz

Gerichtsurteil

Schimmelschaden: Wann ist der Vermieter verantwortlich?

Schimmel in der Wohnung kann ein Mangel sein - muss aber nicht. Denn bei der Bewertung, wer für die Schimmelbildung verantwortlich ist, kommt es immer auf die Umstände des Einzelfalls an. Bei der Beweisführung müssen Mieter mitunter einen langen Atem haben.

28.09.2017

chaden: Wann ist der Vermieter verantwortlich?
Oft streiten Mieter und Vermieter, wer für den Schimmelschaden verantwortlich ist und wer die Kosten für die Beseitigung übernehmen muss. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Vermieter können auch für Schimmelschäden in der Wohnung verantwortlich sein, wenn kein Baumangel vorliegt. Das zeigt ein Urteil des Amtsgerichts Berlin-Mitte (Az.: 9 C 75/15). Die Zeitschrift «Das Grundeigentum» (Heft 17/2017) des Eigentümerverbandes Haus&Grund Berlin berichtete.

Im Zweifel müssen Vermieter ihre Mieter nach dem Einbau von Isolierglasfenstern darauf hinweisen, dass ein erhöhter Lüftungs- beziehungsweise Heizbedarf besteht.

In dem Fall hatte die Mieterin einer Einzimmerwohnung Schimmel in der Küche und dem Zimmer festgestellt. Die Hausverwaltung lehnte es ab, die Schäden zu beseitigen, weil sie ihrer Ansicht nach nicht gesundheitsgefährdend waren. Die Mieterin gab ein privates Gutachten in Auftrag, dass das Gegenteil bestätigte. Daraufhin ließ sie den Schaden auf eigene Kosten beseitigen und zog dafür elf Wochen aus. Unter anderem wollte die Mieterin nun die Kosten für die Beseitigung in Höhe von rund 1200 Euro und die Ersatzunterkunft in Höhe von knapp 4100 Euro zurück.

Das Gericht gab ihr teilweise Recht: Die Kosten für die Schimmelbeseitigung musste die Vermieterin übernehmen. Zwar habe ein Gutachten ergeben, dass keine Baumängel am Gebäude vorliegen. Allerdings habe die Vermieterin vor dem Einzug der Mieterin Isolierglasfenster ohne permanente Lüftung einbauen lassen. Dass hier ein erhöhter Lüftungsbedarf bestehe, habe sie der Mieterin aber nicht mitgeteilt. Die Kosten für die Ersatzunterkunft seien allerdings zu hoch angesetzt. Hier hielt das Gericht die Hälfte für angemessen. (dpa)