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Kommentar

Scheußliches Gerangel um Ost-Niedriglöhne

Manche Arbeitgeber versuchen immer noch, den Mindestlohn aufzuweichen. Dass die Autoindustrie auf die Zulieferer Druck ausübt, damit sie weniger zahlen, bringt Georg Moeritz auf die Palme.

20.09.2017

hes Gerangel um Ost-Niedriglöhne
SZ-Wirtschaftsredakteur Georg Moeritz.

© Robert Michael

Seit mehr als zweieinhalb Jahren gilt Mindestlohn in Deutschland. Doch noch immer versuchen manche Arbeitgeber auszuweichen und mit Niedriglöhnen zu sparen. Zweieinhalb Jahre Rechtsweg musste eine Montage-Arbeiterin aus der Oberlausitz gehen, um eine Erhöhung ihres Nachtzuschlags durchzusetzen. Die Frau bekam im Januar 2015 bei einem Autozulieferer weniger als 1 500 Euro brutto für Vollzeitarbeit. Im Streit um Detailfragen ging es um eine geringe Erhöhung für die Arbeiterin, aber ihre Chefs gingen über drei Gerichtsinstanzen.

Der Fall zeigt, dass Geringverdiener zwar in Deutschland politische und juristische Rückendeckung bekommen – aber sie müssen einen abschreckend langen Rechtsweg gehen. Der Arbeiterin beim Autozulieferer half die Gewerkschaft, die meisten Betroffenen aber dürften kaum die Nerven für einen solchen Streit haben. Andere Arbeitnehmer in Sachsen mussten erleben, dass ihre Chefs nach Einführung des Mindestlohns die Arbeitszeit verkürzten, sodass sie von der Lohnerhöhung finanziell zunächst nichts hatten. Der DGB-Rechtsschutz in Dresden betreute 45 Beschäftigte bei Streitfällen zur Berechnung des Mindestlohns.

Zweieinhalb Jahre nach Einführung hat der Mindestlohn vielen Sachsen eine Lohnerhöhung gebracht, zugleich sind Brötchen und Haareschneiden teurer geworden. Nun zeigt sich: Sogar die Autoindustrie drückt so stark auf die Kosten, dass sächsische Teile-Hersteller noch immer Löhne an der Untergrenze zahlen.

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