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Mittwoch, 04.10.2017

Scheegsbier ä bissl görzor

Eine Schultheatergruppe aus Neustadt spielt auch Klassiker. Etwas kürzer und auf Sächsisch, was gar nicht so einfach ist.

Von Heike Sabel

„Hamledd“, Ophelia und dor Geenisch: Maximilan Müller, Anna Marie Bergemann und Maximilian Müller sind drei von „Schillers Schülern“, die auf der Bühne sächseln dürfen.
„Hamledd“, Ophelia und dor Geenisch: Maximilan Müller, Anna Marie Bergemann und Maximilian Müller sind drei von „Schillers Schülern“, die auf der Bühne sächseln dürfen.

© Steffen Unger

Sächsische Schweiz. Hamlet ist in zig Sprachen und sogar ins Chinesische und Arabische übersetzt worden. Aber es gibt auch eine sächsische Variante. Die hat sogar noch einen Vorteil, dass sie kürzer als das Original ist. Statt in den klassischen über drei Stunden, erzählt Torsten Schlegel „de Dragödsche“ in 50 Minuten. Der Neustädter Oberschullehrer und Leiter der Theatergruppe „Schillers Schüler“ hat bei seiner freien Übersetzung auf Lene Voigt zurückgegriffen und seine Schüler mit seiner Version fast zur Verzweiflung gebracht.

Dor Geenisch wees wie Säggs’sch geht: „Einfach läbbern lassen, hat Herr Schlegel gesagt“, sagt Dominique Raupbach fast in Hochdeutsch. Was gar nicht so einfach ist, also das mit Läbbern. Linda Winsch, die einen Soldaten spielt, räumt ein, zu Hause schon zu sächseln. Für Najib war Sächsisch eine weitere Sprache, die er neben Deutsch lernte. Er verkörpert den Geist und sagt den verhängnisvollen Satz: „Dei Onkel wars.“ Hamledd schwört Rache für seinen Vater und greift sich an die Birne: „Meene Schwester is ne reene.“ Wenn das Publikum bei der Aufführung im Sebnitzer Theatre libre mal was nicht versteht, ist es höchstens, wegen der Akustik oder Lautstärke, nicht wegen der Sprache.

Die Theatergruppe hat Spaß an dem sprachlichen Experiment. Sie läbbern nach Herzenslust und jeder bekommt trotz oder gerade wegen der meist kurzen Dialoge und Szenen seinen großen Auftritt. Anna Marie Bergemann darf als Ophelia eine Helen Fischer Atemlos-Satire hinlegen, die beiden Erzählerinnen Emma Schindler und Marissa Conrad formen am Ende mit ihren Händen ein Herz und verkünden die Botschaft: Wir müssen lernen. Damit meinen sie nicht den Text, sondern, dass die Menschen miteinander auskommen. Vorher haben auch Trump und der Brexit ihr Fett wegbekommen und lagen sechs Leute auf der Bühne, vergiftet, erstochen. „Am Ende sin ni mehr viel iebrich, eichendlich draurich, ah ni bei uns“, heißt es im Programm.

Der jetzige „Hamledd“ ist nicht der erste sächsische von „Schillers Schülern“. Schon 2007 brachten ihn die damaligen Schüler auf die Bühne sprich Straße. Denn fürs Straßentheater ist er geschrieben. Fünf Jahre vorher war es Macbeth in der Heimatsprache. Torsten Schlegel verbindet klassische Weltliteratur mit Heimatliebe, Humor und einer Prise Aktualität. Er hält sich dabei nicht eine verbindliche Übersetzung, sondern lässt es eben einfach läbbern. „Wir sind halt Sachsen, wir dürfen das“, sagen die Schüler. Aber nur beim Theater und nur diesmal. Im Unterricht kommt das nicht so gut an. „Da würdn mir uns das ne orloben.“ Dabei sächselt sogar eine Deutschlehrerin, sagen die Schüler. Ein „nu kloar“ oder „nu genau“ aber darf schon mal sein. Das sind die Lieblingsworte der Theater spielenden Schüler.

Trotz aller Freude haben sie eine Bitte: „Das nächste Stück nicht wieder auf Sächsisch.“ Torsten Schlegel hat den Wunsch erhört. „Robin Hood“ wird als Musical gemeinsam mit der Schulband einstudiert. Auf Hochdeutsch. Naja, fast.