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Montag, 02.10.2017 Gerichtsbericht

Sara K. muss ins Gefängnis

Die alkoholkranke Frau entging der Haft schon einmal knapp. Von neuen Straftaten hielt sie das aber nicht ab.

Von Yvonne Popp

© Symbolbild: dpa

Freital. Erst im Juni hatte das Landgericht in Dresden Gnade vor Recht ergehen lassen. Die Berufungskammer setzte eine in Dippoldiswalde gegen Sara K. erlassene Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung noch einmal zur Bewährung aus. Der vorsitzende Richter war damals der Ansicht, dass der Gesellschaft wenig gedient ist, wenn die Angeklagte ins Gefängnis muss. Wichtiger sei es, dass die 30-Jährige ihr Alkoholproblem in den Griff bekommt, begründete er seine Entscheidung.

Doch entgegen der Hoffnung des Landgerichts musste sich die polizeibekannte Deutsche nun erneut vor Gericht verantworten. Dieses Mal waren Sachbeschädigung, Beleidigung und Trunkenheit im Straßenverkehr angeklagt.

Laut Staatsanwaltschaft soll Sara K. am 23. Januar dieses Jahres einen Anwohner der Turnerstraße in Freital beleidigt haben. Wenige Wochen später, am 15. Februar war die Angeklagte abends – wieder stark angetrunken – auf dem Weg zur Wohnung ihres Freundes. Von dessen Vermieter hatte sie wegen vorangegangener Ruhestörungen aber schon ein Hausverbot erteilt bekommen. Auch an diesem Abend blieb es nicht ruhig vor dem Mehrfamilienhaus im Stadtteil Deuben. Lautstark hatte sich Sara K. mit ihrem Freund gestritten. Als dieser in seiner Wohnung verschwand, soll sie die gläserne Eingangstür zum Wohnhaus eingeschlagen haben. Anschließend griff sie die Polizei auf. Die Beamten hatten sie gegen 23 Uhr mit 2,03 Promille schwer angetrunken auf der Dresdner Straße auf ihrem Fahrrad erwischt.

Geständnis hat keine Wirkung

Wie schon zu allen vorangegangenen Verfahren räumte Sara K. auch dieses Mal alle Vorwürfe ein. Über den Vorfall mit dem Anwohner der Turnerstraße sagte sie am Amtsgericht: „Ich hatte getrunken, wie immer halt.“ Weil sie müde war und fror, hatte sie auf den Stufen zur Wohnung des Geschädigten mit einer Flasche Wein Rast gemacht. „Ich dachte, ich störe da keinen, weil da so laute Musik zu hören war“, erklärte sie. Doch da sei der Mieter der Wohnung herausgeschossen, habe ihr die Weinflasche aus der Hand geschlagen und sich einfach auf sie draufgesetzt. „Ich habe ihn deswegen angeschrien“, bestätigte sie.

Dass die Glasscheibe an der Haustür ihres Freundes kaputt gegangen war, sei aber ein Versehen gewesen, versicherte sie und erklärte, dass sie lediglich die zuschlagende Tür mit der flachen Hand hatte aufhalten wollen. Die Trunkenheitsfahrt habe dann aber genau so stattgefunden, wie von der Polizei beschrieben.

Trotz ihres Geständnisses und der anstehenden Entgiftung sah das Dippoldiswalder Gericht keine Möglichkeit auf eine erneute Bewährung für Sara K. Darüber hinaus ist es bekannt für seine Strenge bei Bewährungsverstößen. Wegen Sachbeschädigung und vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr verurteilte es die Angeklagte zu einer Haftstrafe von sechs Monaten. Unabhängig davon, ob das Urteil demnächst rechtskräftig wird, oder K. erneut Berufung einlegt – ins Gefängnis muss sie nicht sofort. Unmittelbar nach der Verhandlung hat sie ihre Entzugsbehandlung in einer Klinik angetreten.