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Freitag, 09.03.2018

Sachsen plant hohe Lärmschutzwände

Schon heute fahren so viele Autos auf der A4 bei Görlitz wie eigentlich erst 2022 gedacht. Deswegen will der Freistaat handeln. Die Stadt Görlitz schüttelt den Kopf.

Von Ingo Kramer

Entlang der Autobahn sollen 14 bis 16 Meter hohe Lärmwände entstehen.
Entlang der Autobahn sollen 14 bis 16 Meter hohe Lärmwände entstehen.

© Jens Trenkler

Görlitz. Eigentlich kann man nie genug tun, um die Bevölkerung vor Lärm zu schützen. Eigentlich. Eine Idee ging Bürgermeister Michael Wieler dann aber doch zu weit. „Der Freistaat wollte entlang der Autobahn bei Ludwigsdorf 14 oder 16 Meter hohe Lärmschutzwände bauen“, berichtete er jetzt vor Stadträten. Da habe die Stadt versucht, Einfluss zu nehmen, obwohl sie dafür nicht zuständig ist. „Der Freistaat sollte nicht die einfachste Variante wählen, sondern eine, die in die Landschaft passt“, so Wieler. 14 oder 16 Meter hohe Wände auf mehreren Kilometern Länge würden dafür sorgen, dass man von Ludwigsdorf die Stadt nicht mehr sieht – und umgekehrt.

Geklärt ist die Sache noch nicht. Nach Auskunft von Nicole Wernicke vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr wurde 2016 für diesen Autobahnabschnitt ein Vorentwurf aufgestellt, der 2017 durch das Bundesministerium genehmigt wurde. Der Vorentwurf sieht sechs Meter hohe Lärmschutzwände und den Einbau von Flüsterasphalt vor. „Die aktuellsten Verkehrsentwicklungen auf der A 4 am Grenzübergang erfordern jedoch eine Überprüfung des vorgesehenen Lärmschutzkonzeptes“, so Nicole Wernicke. Diese Überprüfung erfolge derzeit. Der Ausgang ist offen. Fest steht nur: Es soll etwas passieren, um die Bewohner in Ludwigsdorf und auch Klingewalde vor Lärm zu schützen. „Beide Ortsteile sind durch die A 4 auf jeden Fall von Lärm betroffen“, sagte auch der städtische Verkehrsplaner Jens Kunstmann im Ausschuss. Der Verkehr auf der Autobahn sei schon jetzt so stark, wie er eigentlich erst in fünf Jahren erwartet worden war: „Der Freistaat hat hier auf jeden Fall Maßnahmen zur Lärmvorsorge in Vorbereitung.“

Der Görlitzer Stadtrat indes hat bereits im März 2014 einen Lärmaktionsplan für die Stadt beschlossen. Er beschreibt, was die Stadt tun kann, um Lärm zu reduzieren. Zum Beispiel geht es darum, mehr Menschen zum Verzicht aufs Auto zu animieren. Eine Weiterentwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ist dafür hilfreich, sagt Kunstmann: „2015 haben wir den neuen Busbahnhof eingeweiht, derzeit arbeiten wir am ÖPNV-Konzept ab 2019.“ Dabei sollen beispielsweise Stadtpark und Hochschule wieder ans Busnetz angebunden werden. Aus dem gleichen Grund sollen die Bedingungen für Radfahrer verbessert werden: „Wir haben in den vergangenen Jahren viele Schutzstreifen für Radfahrer angelegt und zusätzliche Fahrradständer aufgestellt.“

Andere Pläne hingegen seien bisher gescheitert. Der sogenannte Flüsterasphalt, der für einen leiseren Straßenverkehr sorgt, könne bisher nur auf Autobahnen eingesetzt werden: „Innerorts sind die Fahrgeschwindigkeiten der Autos zu niedrig, sie sorgen nicht für eine Porenreinigung“, so Kunstmann. Auf diesem Gebiet werde weiter viel experimentiert. Deutlich besser kommt die Stadt beim Umbau von Pflaster auf Asphalt voran. In der Jakobstraße hat das für eine deutliche Beruhigung gesorgt, in der Reichertstraße zwischen Melanchthon- und Büchtemannstraße ist das jetzt ebenfalls geplant.

Die Stadt soll die Lärmsituation alle fünf Jahre überprüfen. Dafür wären Messungen im Jahr 2015 nötig gewesen. Da aber gab es in Görlitz 13 große Baustellen, sodass der Verkehr überall umgeleitet wurde und die Messungen folglich keine sinnvollen Ergebnisse gebracht hätten. Deshalb hat sich die Stadt entschieden, nur die Autobahn A 4 neu zu kartieren. Ansonsten soll der Lärmaktionsplan von 2014 weiterhin Bestand haben. Kunstmann wünscht sich, dass der Stadtrat die weitere Gültigkeit per Beschluss bestätigt. „Die nächste Fortschreibung und Überarbeitung sollte dann 2022 oder 2023 stattfinden“, sagt er. Zumindest die Räte im Technischen Ausschuss nahmen das ohne großes Murren zur Kenntnis. Einzig beim Thema Ludwigsdorf gab der selbst dort lebende Zur-Sache-Stadtrat Conrad Jacob eine kurze Rückmeldung: „Die Leute sind sehr belastet, der Lärm ist wirklich schlimmer geworden.“