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Freitag, 22.01.2016

Sachsen hofft auf gute Geschäfte im Iran

Lange war der Handel mit dem Iran wegen der im Atom-Streit verhängten Sanktionen blockiert. Mit ihrem Wegfall ist die Aufbruchstimmung groß.

Von Nora Miethke

VEM Sachsenwerk GmbH sieht jetzt wieder Geschäftschancen im Iran.
VEM Sachsenwerk GmbH sieht jetzt wieder Geschäftschancen im Iran.

© dpa

Die Euphorie ist groß. Nach dem Wegfall der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran hoffen viele deutsche Unternehmen auf lukrative Aufträge aus dem persischen Land, das wieder Anschluss an die Weltwirtschaft finden muss. Die VEM Sachsenwerk GmbH ist da schon einen Schritt weiter. „Ab Ende Januar wird ein Mitarbeiter von uns drei Wochen in Teheran sein, um den Verkauf von Klein- und Großmotoren aufzubauen. Dann haben wir zwei Leute vor Ort, die für uns Vertriebsleistungen erbringen“, sagt Geschäftsführer Thorsten Kunze.

VEM Sachsenwerk unterhält seit 18 Jahren Geschäftsbeziehungen in den Iran. Bislang wurden Windkraftanlagen und Rollpressantriebe für Stahlwerke geliefert. Nach dem Ende der Sanktionen will Kunze nun weitere Aufträge aus der Öl- und Gasindustrie gewinnen. Kommende Woche sollen die Verhandlungen starten. Der Sanktionsdeckel hatte diesen größten Einkommenstopf für deutsche Firmen verschlossen.

Allerdings schmälert der niedrige Ölpreis die Einnahmen der Ölfirmen und des Staates, was den Spielraum für Investitionen verkleinert. Teheran ist ein Schwergewicht im Ölkartell Opec. Kunze ist dennoch optimistisch, sein Ziel zu erreichen, in zwei Jahren rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes im Iran zu erwirtschaften. Das Land habe große Geldreserven im Ausland gebunkert und die Banken dürften diese eingefrorenen Rücklagen nun wieder freigeben. „Es gibt einen großen Bedarf an Nachholinvestitionen und diese können auch finanziert werden“, meint Kunze. Die Unterstützung der sächsischen Landesregierung braucht er bei der Markteroberung nicht. „Ich denke, das werden wir selbst in die Hand nehmen“, so der VEM-Sachsenwerkchef.

Nicht alle sächsischen Unternehmer, die Exportchancen im Iran sehen, können so selbstbewusst sein. An sie richten sich die Angebote der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS). Sie wird im Auftrag des Wirtschaftsministeriums einen „Sachsen-live“-Gemeinschaftsstand auf der Internationalen Industriemesse im Oktober in Teheran organisieren. Noch vor dem Sommer sei eine Markterkundungsreise mit Schwerpunkt Maschinen- und Anlagenbau sowie Umwelttechnik geplant, heißt es bei der WFS. Auch begleiten derzeit sächsische Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft die parlamentarische Staatssekretärin Brigitte Zypries aus dem Bundeswirtschaftsministerium bei Gesprächen im Iran, weiß WFS-Sprecherin Sylvia Weiß.

Durch die Sanktionen sind die Ausfuhren von sächsischen Produkten und Leistungen in den Iran in den vergangenen Jahren auf das Niveau von Ländern wie Chile oder Kolumbien gesunken. 2015 hatten sie bis zum dritten Quartal ein Volumen von nur noch 39,3 Millionen Euro. Das waren 48 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. „Da ist jetzt ganz viel Luft nach oben“, sagte Lars Fiehler, der Sprecher der Industrie- und Handelskammer Dresden.

Fahrzeugzulieferer, Firmen aus der Agrarwirtschaft, Energietechnik und der Baustoff-Branche wollen ein Stück vom Auftragskuchen abhaben. Das über Jahre abgeschottete Land müsse vor allem seinen Maschinenpark, den Fahrzeugbau, die Baustoff-Industrie, das Wassermanagement, die Abfallwirtschaft, das Energiesystem und die Gesundheitsbranche erneuern, so der Außenwirtschaftsexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Volker Treier. Er schätzt für deutsche Unternehmen mittelfristig ein Geschäftsvolumen von fünf Milliarden Euro für realistisch. Langfristig könnte es auf bis zu zehn Milliarden Euro steigen. (mit dpa)

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