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Mittwoch, 15.03.2017

RVD entschuldigt sich bei verschleierter Frau

Der Vorfall in einem Bus löst große Diskussionen aus. Dort durfte eine Frau in einer Nikab zunächst nicht mitfahren.

Eine Frau mit dem Gesichtsschleier Nikab (Symbolfoto).
Eine Frau mit dem Gesichtsschleier Nikab (Symbolfoto).

© dpa

Im Fall der verschleierten Frau, die am Wochenende zunächst nicht in einem Bus der Linie 360 des Regionalverkehrs Dresden (RVD) mitfahren durfte, macht das Verkehrsunternehmen nun eine Kehrtwende. Am Montag noch hatte der RVD das Verhalten des Busfahrers kritiklos hingenommen (die SZ berichtete). Der hatte die zwei Frauen mit Kopftuch sowie eine voll verschleierte Frau am Hauptbahnhof nicht zusteigen lassen. Fahrgäste redeten daraufhin auf den Fahrer ein. Der soll sich bei der Leitzentrale informiert haben, ob er diese Fahrgäste überhaupt mitnehmen muss. Erst danach öffnete er die Türen für die drei Frauen. Viele Fahrgäste hatten die Szene ohne Reaktion hingenommen. Das Verhalten des Fahrers sei nicht verwerflich, teilte RVD-Sprecher Volker Weidemann noch am Montag auf Anfrage mit.

Nun die Wende: „Aufgrund der Unsicherheit unseres Fahrers ist diese unangenehme Situation für unsere Fahrgäste entstanden“, sagt Volker Weidemann am Dienstag. „Das bedauern wir und entschuldigen uns als Unternehmen für die entstandenen Unannehmlichkeiten bei den drei Frauen. Innerbetrieblich haben wir die Situation mit unserem Fahrer noch einmal besprochen.“

Der Vorfall hatte viel Kritik und Diskussion ausgelöst. Allein auf der Facebook-Seite der Sächsischen Zeitung kamen bis gestern Nachmittag Hunderte Kommentare zusammen. Teils mit ablehnender teils mit zustimmender Meinung zum Verhalten des Fahrers. Viele Leser sehen in dem Vorfall einen Beweis für Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit in der Stadt. Immer wieder komme es zu Vorfällen gegen Frauen mit Schleier oder Kopftuch, bestätigte auch der Ausländerrat auf Nachfrage. Andere Leser äußerten Ängste gegenüber Frauen in Vollverschleierung. Dabei gibt es kein Verbot, eine Burka oder Nikab in öffentlichen Verkehrsmitteln zu tragen.

„Es ist die Pflicht der RVD, dafür zu sorgen, dass ihre Busfahrer die Beförderungsbedingungen kennen“, teilt Linken-Stadtrat Norbert Engemaier mit. Es sei nicht zu dulden, dass die Mitnahme von Personen aufgrund ihrer Bekleidung oder Religionszugehörigkeit verzögert oder gar unterbunden wird. Dem stimmt der RVD-Sprecher zu. Demnach müssen die Fahrer nicht nur die Busse fahren können. Sie müssen auch die Beförderungsregeln kennen und einhalten. „Die gesamtgesellschaftliche Diskussion zur Thematik Verschleierung in der Öffentlichkeit geht auch an unseren Mitarbeitern nicht vorbei“, sagt er. (SZ/acs)