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Samstag, 29.05.2004 Kriminalität

Rotlicht-Razzia an Sachsens Grenze

Von Thomas Schade undHans-Jörg Schmidt, Prag

Dubi/Dresden. Eine Sonderkommission der tschechischen Polizei hat in der Nacht zum Freitag eine internationale Bande von Menschenhändlern zerschlagen.

Dabei seien acht Verdächtige aus Ex-Jugoslawien, der früheren Sowjetunion und Tschechien festgenommen worden, sagte die Prager Polizeisprecherin Blanka Kosinova zur SZ. Bei der nächtlichen Großrazzia im Grenzort Dubi (Eichwald) hatten ein Sondereinsatzkommando und über einhundert Polizisten mehrere Bordelle durchsucht. Bei der Aktion war die Europastraße 55 voll gesperrt. Ob auch deutsche Freier betroffen sind, blieb unklar.

Dem Zugriff seien eineinhalb Jahre intensiver Ermittlungen der Sonderkommission für organisierte Kriminalität vorausgegangen. Die Ermittlungen, an denen auch die tschechische Ausländerpolizei beteiligt ist, richteten sich gegen eine internationale Gruppe, so die Sprecherin. Die Bande stehe im Verdacht, Frauen aus Osteuropa mit falschen Versprechungen nach Tschechien zu locken und dort zur Prostitution zu zwingen. Sie soll auf diese Weise zehntausende Euro kriminellen Gewinn erzielt haben. Bei der Rotlicht-Razzia wurden Polizeiangaben zufolge auch viele Frauen aus den Bordellen vernommen und anschließend wieder entlassen. Prostitution ist in Tschechien nicht illegal.

Die Aktion sei offensichtlich Bestandteil beträchtlicher Anstrengungen der tschechischen Nachbarn im Kampf gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution in Nordböhmen, hieß es am Freitag im Landeskriminalamt Sachsen. Die seit geraumer Zeit sichtbaren Aktivitäten würden bereits zur Verdrängung des Milieus nach Sachsen führen, sagt LKA-Sprecher Lothar Hofner. So ermittle das LKA schon seit Monaten im grenznahen Raum und habe im Chemnitzer Rotlicht-Milieu schon mehrere Verdächtige verhaftet.