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Roßwein schützt wertvolle Bäume

Nabu-Experte Ulrich Bänsch hat eine Liste mit 78 Gewächsen erstellt. Die ist aber noch nicht vollständig.

30.09.2017
Von Frank Korn und Tina Soltysiak

chützt wertvolle Bäume
Die Schwarzkiefer am Parkplatz an der alten Post gehört nach Auffassung von Ulrich Bänsch zu den besonders schützenswerten Bäumen in Roßwein.

© Archiv/Dietmar Thomas

In Roßwein und seinen Ortsteilen gibt es viele große Bäume. Sie zu erfassen, hat sich Ulrich Bänsch zur Aufgabe gemacht. Bereits im vergangenen Jahr hat er die Kartierung für Roßwein abgeschlossen. „310 Bäume im Stadtgebiet und weitere 14 in einigen Ortsteilen habe ich in die Liste aufgenommen und sie im Frühjahr an die Stadtverwaltung übergeben“, so Ulrich Bänsch.

In diesem Jahr hat er die Arbeit praktisch noch verfeinert. Aus der großen Liste der kartierten Bäume hat er die herausgesucht, die nach seiner Auffassung besonders schützenswert sind. Dabei hat sich Bänsch an elf Kriterien orientiert, nach denen er die Bäume begutachtet hat. Dazu gehören Eigenarten (Alter, Baumart) oder die Schönheit des Baumes. Auch der Bezug zu historischen Ereignissen oder Personen spielt dabei für den Baumexperten eine wichtige Rolle. Ebenso wie die Lage und die Erreichbarkeit. Als Beispiel nennt er die Schwarzkiefer am Parkplatz an der alten Post, die über 100 Jahre alt ist und historischen Wert besitzt. „Wenn ein Baum sechs der elf Kriterien erfüllt, habe ich ihn in die Liste der schützenswerten Bäume aufgenommen“, erklärt Bänsch. Diese Liste bedeute für die Bäume, die durch die Baumschutzsatzung schon geschützt sind, noch einmal eine Wertsteigerung. „Sollten an diesen Bäumen Arbeiten erforderlich sein, dann muss eine besondere Sorgfalt an den Tag gelegt werden“, so Bänsch.

Seine umfangreiche Arbeit ist die Grundlage für die neue Baumschutzsatzung. Die haben die Mitglieder des Technischen Ausschusses kürzlich beschlossen. Auf seiner Liste stehen acht Baumgruppen – davon sieben im Stadtgebiet und eine auf der „Bagadi-Ranch“ in Seifersdorf. „Die Summe der Einzelbäume liegt bei 54 Stück“, so Roßweins Bürgermeister Veit Linder (parteilos). Hinzu kommen 16 für den besonderen Schutz empfohlene Einzelbäume in Roßwein sowie sechs in Gleisberg (2), Naußlitz, Niederseifersdorf, Niederstriegis und Seifersdorf. Häufig handelt es sich um Winterlinden und Eichen. An der Geschwister-Scholl-Schule stehen eine Ahornblättrige Platane und ein Gingko-Baum, die relevant seien für Lehre und Bildung. Die unterliegen nun dank der geänderten Baumschutzsatzung einem strengen Fällschutz. Die Liste der von Bürgern vorgeschlagenen Bäume sei wesentlich länger gewesen. „Die hat er sich angesehen, aber nicht für schützenswert erachtet“, so Lindner.

Während der Sitzung kam aber auch die Frage auf, weshalb für den Raum Littdorf/Otzdorf/Hohenlauft keine Bäume erfasst sind. „Man darf nicht vergessen, dass Herr Bänsch die gesamte Arbeit im Ehrenamt geleistet hat. Für jeden Baum gibt es unter anderem zwei Fotos: eines mit und eines ohne Laub. Er konnte nicht alle Orte auf einmal schaffen“, erläuterte Veit Lindner. Es sei Bänschs Ziel, die potenziell schützenswerten Bäume bis 2019 zu begutachten, so der Bürgermeister. „Es ist aber sinnvoll, dass wir die Baumschutzsatzung jetzt auch ohne den Teil B erneuern. Wenn dieser dann vorliegt, beschließen wir die Erweiterung der Satzung 2019. Das ist ja kein Problem“, ergänzte Lindner.