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Freitag, 18.08.2017 Gut zu wissen

Rolls-Royce-Motor heizt das Krankenhaus

Damit es in der Radebeuler Elblandklinik richtig warm ist und die Energie billiger wird, bekommt die Heizzentrale jetzt ein Blockheizkraftwerk.

Von Peter Redlich

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Neue Rohre und Regler werden für die neue Heizung am Elblandklinikum verlegt.
Neue Rohre und Regler werden für die neue Heizung am Elblandklinikum verlegt.

© Arvid Müller

  • Neue Rohre und Regler werden für die neue Heizung am Elblandklinikum verlegt.
    Neue Rohre und Regler werden für die neue Heizung am Elblandklinikum verlegt.
  • Den Motor für die Heizanlage hob am Donnerstag ein Kran in die Anlage.
    Den Motor für die Heizanlage hob am Donnerstag ein Kran in die Anlage.

Radebeul. Das Teil, was da am Kranhaken hängt, hat die Maße eines Kleintransporters. Nur, dass es etwa dreimal so schwer ist. Sieben Tonnen wiegt der Motor, der am Donnerstagvormittag in das Heizhaus der Radebeuler Elblandklinik gehievt wurde.

Der Motor ist das Herz des neuen Blockheizkraftwerkes. Diese speziellen Heizwerke heißen so, weiß, weil sie nicht nur Wärme, sondern auch Strom liefern. Hergestellt ist der Motor von der Firma MTU, die zur Rolls-Royce Power Systems AG gehört. Die meisten kennen die Autos dieser Marke, wissen vielleicht noch, dass Rolls Royce auch Flugzeugmotoren herstellt. Dass die Firma sehr effektive Antriebe für Energieanlagen produziert, wissen nur wenige.

Die Radebeuler sollen es jedenfalls bald merken. Die neue Anlage wird beinahe ohne Unterbrechung der alten zugeschaltet, sagt Kathrin Götze von den Stadtwerken Elbtal. Sie ist die Projektleiterin für die neue Heizung. Die Elblandkliniken hatten sich bei der Ausschreibung für die neue Anlage für die Stadtwerke entschieden. Rund eine Dreiviertel Million Euro investiert das hiesige Energieunternehmen.

Die Modernisierung war auch notwendig. 24 Jahre läuft die alte Heizanlage bisher. Pumpen sind permanent in Betrieb, und schicken Warmwasser in die Heizungsrohre. Die neue Anlage hat Kessel, die als Reservepuffer wirken. 20 Kubikmeter Warmwasser können die Behälter aufnehmen. Der Motor produziert praktisch Heizleistung auf Vorrat und muss nicht ständig bei Schwankungen anspringen. Wenn mehr gebraucht wird, lässt sich Wasser aus den Vorratskesseln nachpumpen, erläutert die Projektleiterin.

Auch die Pumpen selbst sind neu. Die bisherigen arbeiten in der Heizzeit permanent. Die modernen schalten sich nur zu, wenn wirklich wieder warmes Wasser in den Umlauf muss.

Damit das Warmwasser auch effektiv gesteuert an die richtigen Stellen gelangt, werden im Heizkreislauf des Krankenhauses neue Ventile eingebaut. Und, was einen wirklich großen Vorteil bringt, das Blockheizkraftwerk liefert etwa zwei Drittel des benötigten Stromes der Elblandklinik. Schon hier wird richtig Geld gespart, weil für diese Kilowattstunden keine Umlage auf erneuerbare Energien gezahlt werden muss, sagt Annett Müller-Bühren, Geschäftsführerin der Stadtwerke Elbtal.

Für den neuen Rols Royce ist in der Halle des Heizwerkes alles schon vorbereitet. Eine Bodenplatte ist gegossen, auf welcher er fest montiert wird. Zwei der drei Kessel stehen bereits. Techniker montieren Rohre, die den Motor mit den Kesseln und der Steuerung verbinden werden.

Der besondere Motor braucht eine eigene Lüftungstechnik und Hydraulik, damit er optimal laufen kann.

Seine Kapazität von 1,6 Megawatt entspricht bei der Heizung rund 160 Einfamilienhäusern, bei der Stromversorgung etwa 600 Einfamilienhaushalten. Im Vergleich zur bisherigen Anlage werden rund 600 Tonnen Kohlendioxid im Jahr weniger ausgestoßen. Das hilft auch der Radebeuler Umweltbilanz, so Müller-Bühren.

In gut vier Wochen soll es soweit sein. Der ursprüngliche Starttermin November 2017 wird damit gehörig unterboten. Da ist zu verschmerzen, dass sich der große Autokran für den Motorkoloss am Donnerstagvormittag um eine Stunde verspätet hat.