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Donnerstag, 02.01.2014

Rollen die Bahnen der Linie 7 bald bis Ottendorf?

Noch ist die Straßenbahnanbindung eine Idee. Doch die könnte schneller Wirklichkeit werden als bislang gedacht.

Von Sebastian Kositz

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Die Niederflurzüge der Dresdner Straßenbahn könnten bereits ab 2020 bis nach Ottendorf-Okrilla rollen. Montage: Willem Darrelmann
Die Niederflurzüge der Dresdner Straßenbahn könnten bereits ab 2020 bis nach Ottendorf-Okrilla rollen. Montage: Willem Darrelmann

Bisher galten die Pläne für die mögliche Anbindung der Großgemeinde Ottendorf-Okrilla an das Dresdner Straßenbahnnetz als ferne Zukunftsmusik. Eine Umsetzung der Idee noch vor 2025 galt als nicht wahrscheinlich. Doch neue Aussagen von den Verantwortlichen vom Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) und den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) eröffnen jetzt andere Perspektiven. Nach deren Ansicht könnten bereits in sechs Jahren die eleganten gelben Trams über Weixdorf hinaus bis nach Ottendorf-Okrilla fahren.

Aktuell rollen auf dem Schienenstrang in Richtung Königsbrück noch die Züge der Städtebahn Sachsen. Das Unternehmen hatte mit dem Verkehrsverbund einen noch bis 2024 laufenden Vertrag für die Strecke geschlossen. Bis dahin – so bislang der Tenor – würde der Zug in jedem Fall fahren. Doch laut Aussagen von Holger Dehnert, beim VVO verantwortlich für die Verkehrsplanung, ist diese Jahreszahl nicht in Stein gemeißelt. „Es gibt immer Möglichkeiten, über Klauseln oder Verhandlungen derartige Verträge aufzukündigen“, erklärte der VVO-Vertreter jüngst auf einer von der Ottendorfer CDU organisierten Informationsveranstaltung zur Straßenbahn.

Zunächst muss aber geklärt werden, ob die Verlängerung der Tram-Linie 7 über Weixdorf hinaus überhaupt Sinn macht. In diesen Tagen startet ein Variantenvergleich, bei dem vom Verkehrsverbund beauftragte Fachleute untersuchen wollen, welche Vor- und Nachteile die Straßenbahn tatsächlich bringen könnte. Frühestens in einem Jahr ist jedoch mit aussagekräftigen Ergebnissen zu rechnen, so VVO-Sprecher Christian Schlemper.

Fällt dann die Entscheidung für die Straßenbahn und gegen die bisherige Zugverbindung aus, müssten im Anschluss die konkreten Planungen für das Vorhaben auf den Weg gebracht werden. Ein Prozess, der einige Jahre in Anspruch nehmen wird und nicht zuletzt auch von politischen Entscheidungen abhängig ist. Erst wenn alle baulichen und finanziellen Fragen geklärt sind und die Politiker in Dresden und im Landkreis Bautzen die Signale auf Grün gestellt haben, könnten die Arbeiten an der Strecke beginnen. „Wenn es optimal läuft, alle an einem Strang ziehen, könnte die Straßenbahn ab 2020 bis nach Ottendorf fahren“, erklärt Verkehrsplaner Andreas Hoppe von den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB), der zugleich aber auch vor überzogenen Erwartungen warnt: „Es kann aber auch ein sehr langer Prozess werden, wenn erst ewig über jedes Detail diskutiert und gestritten wird.“ Der Fachmann macht unterdessen keinen Hehl daraus, dass die DVB ein sehr großes Interesse daran haben, die Straßenbahnschiene über Weixdorf hinaus verlängern zu wollen. Dazu benötigen die Planer vom VVO und von den DVB aber auch die aktive Unterstützung von den politischen Akteuren vor Ort.

Während sich die Landkreisverwaltung mehrfach für die Straßenbahnanbindung ausgesprochen hatte, geben sich die Verantwortlichen im Ottendorfer Rathaus weiterhin zurückhaltend. „Wir werden den Variantenvergleich abwarten und dann entscheiden, wie wir weiter vorgehen“, sagt Bürgermeister Michael Langwald (parteilos). Eine Haltung, die vor allem bei der Ottendorfer CDU auf Unverständnis stößt. Die Christdemokraten plädieren für deutliche Aussagen in Richtung VVO und DVB, fordern zugleich in der Großgemeinde eine breite öffentliche Debatte zu dem Vorhaben. Um die weiteren Planungen nicht unnötig auszubremsen, müsse bereits jetzt über das Projekt gesprochen werden.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 15 Kommentare

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  1. PS

    Jetzt kommt die Katze aus dem Sack: Stilllegung der Bahnstrecke nach Königsbrück! Was sagen die Königsbrücker dazu? Und ist die Landkreisverwaltung nur für die Straßenbahn oder etwa auch für die offenbar zugehörige Stilllegung der Bahnstrecke? Steht Königsbrück gar schon auf der Liste der aufzugebenden Ortschaften?

  2. Peter

    Ich gebe noch zu bedenken, dass es im Gewerbegebiet Ottendorf-Okrilla Gleisanschlüsse nach EBO gibt. Diese könnten nicht mehr bedient werden von Standard-Güterwagen, wenn die Strecke umgespurt wird. Da auch die Deutsche Post AG mit dem Briefzentrum dort sitzt, wäre eine Option, die Brief- oder Paketzentren per Güterwagen zu bedienen, verbaut. Sämtliche Briefzentren in ganz Deutschland sind aber ganz bewusst direkt neben oder zumindest in die Nähe von Schienensträngen (nach EBO) gelegt worden.

  3. Henkersmahl

    Bitte erst einmal die geplanten Projekte (Zellescher Weg in Dresden sowie Weißig) abschließen, bevor neue Sandkastenspiele ausgedacht werden. Und falls dann noch Geld im Säcklein übrig ist, bitte zuerst die bestehenden Straßen und Schienen reparieren, dort sind noch ausreichend Schlaglöcher bzw. Langsamfahrstellen vom vorherigen Winter zu reparieren!

  4. omabrigitta

    Planung kostet auch viel Geld. Zahlen wir Nutzer der DVB das schon mit den neuen Tarifen?

  5. M. F.

    Wie ungeheuerlich ist das denn? Da spricht man von einer Straßenbahnlinie nach Ottendorf Okrilla und war bisher nicht in der Lage die eingemeindeten Gebiete wie Langebrück und Schönborn ordentlich an das öffentliche Nahverkehrsnetz (Stadtbuslinie) anzubinden. Wie hier schon erwähnt, sollte sich der Augenmerk auf akute und wichtige Dinge richten, die zu tun sind, ehe man sich solchen Größenwahn hingibt...und wieder somit folglich andere Gebiete vom Verkehrsnetz trennt.

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